MS für Nervenstarke

Die dritte Ausgabe der Trierer „Zims“ ist fertig und steht hier zum Download bereit. Obwohl man Optimismus bei den Trierern weiter mit dem Mikroskop suchen muss, empfehle ich die in ZIMS #3 enthaltenen Texte von Jutta Scheiderbauer dringend jedem MS-Diagnostizierten zur Lektüre, denn Frau Dr. S. hat sich wieder einmal eine 1+ mit Sternchen verdient für ihre extrem sachliche und kluge Betrachtung von MS und Hintergrundgeräuschen. Die diversen Bomben und Skandale sind wie stets gut verpackt, stehen aber tatsächlich in den Zeilen, nicht nur dazwischen.

Auch der Kommentar von Hehlmann, Alexander und Halbach zur KOMS-Studie ist sachlich korrekt vernichtend und verdient die Lektüre (ändern wird sich indes leider nichts); lediglich zwei der neu versammelten Texte sind schlicht strunzdämlich, daher sei leise gewarnt: Wenn eine Diplompsychologin auf bloß 2 Seiten jede Ernährungsumstellung bei Autoimmunprozessen wie MS als grund- und zwecklos bezeichnet, fällt das unter „doofer Leserbrief, versehentlich als Artikel ins Heft gerutscht“, und ZIMS-Chefin Nathalie Beßlers Verriß des (haarsträubenden) Buches „MS ist heilbar“ von Brigitte Lang gerät leider zum Stammtisch-HöHö („ein Buch, so lästig wie eine Geschlechtskrankheit“). Das sorgt bestimmt für Schenkelklopfen in der Schülerzeitungsclique, aber Langs Buch ist eben nicht Möchtegernliteratur, sondern eine durchaus gefährliche Gebrauchsanweisung, an die sich verzweifelte Leser halten. Und jene mit Argumenten warnend vor Schaden zu bewahren, wäre erheblich zielführender gewesen als ein eitler, hohl dröhnender Verriß.

(Btw.: Die ZIMS zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass sie alles mögliche als korrupt oder sinnnlos entlarvt, aber so gut wie nie Hoffnung verbreitet oder Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Das ist einseitig und ein bißchen billig, aber trotzdem wichtig, insbesondere im Umgang mit Ärzten, Pseudo-Patientenvereinen und Pharmaindustrie. Dennoch sollte Hippokrates hier nicht ausweislich des Titels („Werde sie vor Schaden bewahren“) als Pate herhalten müssen, denn der gute Alte kannte ja nun mal seine Verantwortung seinen Zuhörern gegenüber sehr genau – und wusste um die Macht von Psyche, Placebo und Selbstheilungskräften ebenso wie um das sattsam (sic) auch von mir postulierte Prinzip „Weglassen“. Die ZIMS findet aber zukünftig garantiert passende Motti-Geber: Descartes geht ja immer.)

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