Burning down the house

Mir fehlt da was. Wasser fehlt mir natürlich auch, aber ich bin ja anders als meine Obstbauern-Nachbarn nicht existenziell komplett abhängig vom Regen. Mir fehlt was anderes, nämlich in der Debatte zwischen Klima-Verschwörungstheoretikern und Man-Made-Climate-Change-Leugnern …

Zulässig finde dabei allenfalls die Positionen a) „Es ist gar nicht wärmer geworden, also müssen wir auch nichts machen“ oder b) „Das lässt sich eh alles nicht ändern, wir sterben jetzt alle bald“. Wer indes meint, es sei doch etwas wärmer geworden und das sei gar nicht so gut, der hat sich nicht mit anderen Passanten zu streiten, ob diese feurige Erwärmung nun menschgemacht ist oder nicht, sondern hat sich zu fragen, was nun menschgemacht werden muss, um zu löschen. Es ist nämlich gerade ganz unerheblich, wer das Haus angezündet hat. Erheblich ist: Was machen wir denn jetzt?

So weit kommt´s aber gar nicht. Natürlich, weil das alles eine Zumutung ist. Nicht nur die Hitze. „Was machen wir denn jetzt?“ führt ja so oder so nur ins Verderben. Wir könnten uns müssten ja radikal umdenken, neu handeln, uns einschränken, den Kapitalismus abschalten etc. pp.. Das kommt alles nicht in Frage. Und geht ja auch gar nicht. Schon weil „die anderen“ ja nicht mitmachen. Die … alle. Die Koch-Brüder, die Ölmultis, und meine Nachbarn auch nicht.

Das aber bedeutet: Wir lassen das Haus einfach brennen, zoffen uns direkt vor der brennenden Haustür noch ein bisschen über die Frage, ob wir daran mitgewirkt haben, oder ob das nicht doch eher die Natur ganz allein war, oder Gottes Strafe oder Wasauchimmer. Wenn man Kinder hat, fällt solches Verhalten wohl unter „erweiterter Suizid“, Kinderlose sind diesbezüglich fein raus, also nur suizidal im Sinn von „Nach mir die Sintflut“. Beziehungsweise, mangels Regen, das Fegefeuer.

Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben. So wird´s doch stimmig: „Das lässt sich doch eh alles nicht ändern, also lasst uns noch alles austrinken und dann schnell sterben“. Das ist ehrlich. Und schon fehlt mir nichts mehr.

(Ach so, am Rande: 1) Ich hatte (2011, Die Prophezeiung) für 2020 nicht nur ein paar hundert Millionen Tote weiter südlich vorhergesagt, sondern dauernde Wärme und Regen im Norden. Sowie den iAm. Es ist zu früh, diese Prognosen als falsch vom Tisch zu wischen, gebt Apple und dem Klima mal noch 2 Jahre Zeit. 2) Die regelmäßige Bombardierung von Nordafrika durch uns, wegen der vielen Fluchtwilligen, hatte ich (1994, Sherman schwindelt) indes erst für 2025 beginnend prognostiziert. Warten wir´s mal ab.)

Weiterlesen: schöne frische Texte, empfohlen, weil sie ja auch netter sind als dieser, irgendwie … zu Heißzeit 1 und Heißzeit 2 (DW), zu „Big Oil“ (ThinkProgress), Öko-Ignoranten (Florian Kirner/Rubikon) und vergiftetem Klima (Dirk C. Fleck/Rubikon).

 

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MS für Selbstbewusste

Das Fiese an diesen Neurologen und ungeheuer erfahrenen Forenbewohnern ist ja, dass sie angesichts waghalsiger, selbstbestimmter Versuche wie meinem oder dem von Insa (siehe unten) in der Regel bl0ß irgendwas zwischen Mitleid und Verachtung in die Züge bekommen – wobei: Einige sprechen das „Wart´s nur ab!“ ja sogar aus. Denn das muss ja schiefgehen. Gefälligst.

Noch fieser ist allerdings, dass die Vollprofis alles Wesentliche wegmurmeln oder gar verschweigen. Nicht nur, dass man auch mit Basistherapie oder Monoklonalem Roulette MS-krank bleibt, sondern dass es – andere Hand – diverse „MS“-Diagnostizierte gibt, die nach einem Schub nie wieder einen haben. Sondern ihre Ruhe. Aber von denen spricht natürlich keiner. Die sucht auch keiner, um mal zu fragen „Wie konnte das passieren, dass Sie seit 30 Jahren unheilbar krank sind und nix davon merken?“ (Und, hey, diese Leute beschäftigen sich auch nicht mit MS, die sind nicht in Foren und nicht beim Arzt. Von denen stolpert höchstens mal eine/r zufällig zurück ins Thema, wenn irgendein Depp sich öffentlich outet und dann auch noch eine Plattform bastelt, auf der Platz für die ganz anderen Kurzdarstellungen gibt. (Gottseidank ist die Site komplett privat unterfinanziert und sehr schwer zu finden, da muss sich also niemand Sorgen machen).

Aber als ganz entschieden nichtfieser Nichtarzt finde ich die Idee richtig, sich erstmal umzusehen, was man oder frau denn sonst noch so machen kann – denn die Chemokeule läuft ja nicht weg, die kann man sich doch jederzeit per Fingerschnipp energisch übers Immunsystem ziehen*. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, der kennt sich da aus.

Aber vorher, bei Interesse oder frischer Selbstbetroffenheit, lesen: den frischen Bericht, die frischen Fragen und den frischen Mut von Insa S. (Danke fürs Teilen).

* Sicherheitshalber ergänzt … auch nach 20 Jahren Chemoballern fehlt IMHO jeder stichhaltige Beweis, dass MS (oder eine der 7 MSsen) überhaupt eine Autoimmunerkrankung ist. Falls jemand sich traut, seinen Neurologen darauf anzusprechen und die Antwort mitzuschreiben, freue ich mich über alle Zitate und sonstigen Hinweise.

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Zynbrita & Co.

… nachgereicht, schon Schnee von gestern incl. einiger Todesopfer, dennoch nicht egal, weil der von Kontraste im April dokumentierte Fall zeigt, wie hilfreich „Anwendungsbeobachtungen“ sind. Wenn auch nicht unbedingt für den Patienten.

Der Gesundheitsminister ist natürlich trotzdem voll dafür, und falls irgendwer die Abmoderation des Kontraste-Beitrages nicht richtig versteht: Natürlich kann man keinem Arzt irgendwas vorwerfen, der seine CIS-Patienten mit monoklonalen Antikörpern behandelt. Auch wenn die dann sterben. Es gibt ja eine neurologische Leitlinie, und an die hat man sich zu halten. (Weshalb die Leitlinie von unabhängigen Betrachtern als „verheerend“ eingestuft wird, erläutere ich gelegentlich noch mal en detail, das Kapitel ist ja fast fertig …). Der Kontraste-Beitrag diene also lediglich als kleine Hilfe für all jene, die mich mailisch fragen, ob sie „das“ (diverse hippe Medikamentennamen einsetzen) nun machen sollen oder nicht, also beim „klinisch isolierten Syndrom“ sofort mit Zynbrita und Co. loslegen, wie von den Neurologen dringend empfohlen.

Ich kann das nicht beantworten, ich bin ja kein Arzt. Aber es verbietet einem ja (noch) keiner, sich zu informieren und gegebenenfalls was total Verwegenes zu machen.

 

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Lappen und Blauspray

Ach, herrlich. Das muss ich doch jetzt rasch weitergeben, wohin auch immer, denn die Notaufnahmeschwester, frisch preisgekürt. hatte ich bis heute nicht auf dem Schirm. Dank der Krautreporter, die Schwesters schönen Text „Ihr Lappen!“ heute reproduzierten, habe ich also ab jetzt noch mehr Spaß an unserem Krankensystem (und, ja, ich komme nicht zum bloggen, weil ich bis über beide Ohren in diesem Buch stecke, das zum Jahresende erscheint, und, nein, „Schreiben kann doch jeder, lernt man ja in der Schule“ stimmt so nicht ganz, das ist Arbeit).

Die Notaufnahmeschwester macht aber nicht nur sehr viel Spaß, sie erklärt mir nun zwischen den Zeilen auch, wieso wir Deutschen eigentlich Arztbesuchsweltmeister sind (mit durchschnittlich! 18! Besuchen pro Jahr), denn es sind beileibe nicht nur die alten und gelangweilten Kassenverwöhnten, die wegen jedem Scheiß zum Arzt laufen und Antibiotika gegen Schnupfen fordern. Die Jungen sind ja offenkundig noch wesentlich verwackelter.

Ich nehme den Hinweis dankbar entgegen. Und wundere mich höchstens am Rande, dass er mich binnen zwei Tagen doppelt erreicht, von Leuten, die ich weder gerufen noch gefragt habe. Bestimmt ist das nur selektive Wahrnehmung meinerseits, aber heute ist´s die Schwester – nachdem gerade gestern mir der hiesige Schornsteinfeger (!) einen halbstündigen sehr interessanten Vortrag hielt über Ärzte, Antidepressiva, Krebs und Chemo, Verstand, Selbstheilungskräfte und die inzwischen ganz generelle Verpeilung der hiesigen Menschen – ich weiß also jetzt, dass der Gegenpol zu Schwesters „Lappen“ die Omma des Schornsteinfegers war, die auch kleinere Malaisen wie Enkels schwere Kopfwunden (Tischlerhammer reinbekommen) generell behandelte mit ordentlich Blauspray (Jod für Fortgeschrittene, fragen Sie Ihren Ironman oder Veterinär), einem gefalteten Küchentuch, Eis und „Mütze drauf“. Blöd nur, dass der Enkel danach bolzen ging, denn nach dem ersten Kopfballtorpedo musste er dann doch kurz zum Arzt.

Die „Lappen“ kennt aber auch der schwarzhumorige Glückbringer aus dem Alltag. Denn er begegnet an Haustüren zunehmend Kindern, die sagen „Ich darf Sie nicht reinlassen, Mama ist nicht da“. Was natürlich sehr vernünftig ist, wenn das Kind jünger ist als 10 Jahre. Die Kinder, die meinem Schornsteinfeger die Tür nicht aufmachen, sind allerdings zwischen 30 und Mitte 40, meist männlich (nicht falsch verstehen, bitte) und können sich augenscheinlich weder allein anziehen noch allein zur Sparkasse.

Fragt sich nur, wer sich um die kümmert, wenn Mutti das Zeitliche segnet. Alle in die Notaufnahme? Für immer? Da wird sich die Schwester aber freuen.

 

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Umzug nach SimCity

Wer von den positiven Effekten der „Verschenk-Ökonomie“ berichten will, kann dafür ja schlecht ein Honorar fordern … weshalb die angehängte Arbeit nicht in einem kostenpflichtigen Magazin erscheint, sondern gratis hier, und der Autor nichts dagegen hat, diese Arbeit weiterverbreitet zu sehen (die einzige Einschränkung, betreffend die externe Rechtslage, steht unten auf dem Titelbild des .pdf).

Aber wer den nachfolgend beschriebenen Spirit mag, kann dann ja immer noch ein Pfund Kaffee kaufen und das nicht dem Autor schicken, sondern irgendwem anders schenken, zu dessen Freude. Sofern dieser andere Kaffee mag; sonst: Grüntee.

(Sofern mich nicht alles täuscht, kommt dann ja trotzdem eine Tasse Kaffee bei mir an, auf überraschenden, unergründlichen Wegen …)

(Download als .pdf bei Klick auf den Titel)

 

The English version is here: Moving to SimCity (.pdf). Translated with a little help by my diligent, though occasionally still pretty simple-minded friend DeepL, it does not completely meet my standards (or my demands on myself), but I hope you will take into consideration as a mitigating factor that though I am a staunch supporter of the “gift economy” described here, my personal time is limited by factual constraints (more commonly known as “making ends meet”). Native speakers with a sense of beauty are cordially invited to suggest improvements.

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Großstörung im Kopf des Feuilleton

Amitav Ghosh, indischer Feingeist und Literat, fragt sich und uns, die wir den existenzbedrohenden Klimawandel kaum oder gar nicht zur Kenntnis nehmen, „are we deranged?“ und wählt hier das perfekte Wort, denn deranged ist „gestört“ – und besser als „bescheuert“. Natürlich ginge auch „sind wir irre?“, aber „deranged“ ist durcheinander, nicht mehr arrangiert, eben: gestört. Und das umfasst ja auch die Unfähigkeit, klar und kontrolliert zu denken und zu handeln. Betreffend den Klimawandel, lautet die Antwort also entschieden „Ja“. Nun unternimmt aber Ghosh den Versuch, herauszufinden, weshalb gerade unsere Literaten und das Feuilleton so wenig mit dem Klimawandel anzufangen wissen und kommt dabei zum richtigen Schluss, Feuilleton, Hochliteratur und „anerkannte“ Intellektuelle seien Vasallen und Hofnarren der imperialen Powers to be. Dummerweise aber lebt Ghosh in der Filterblase, die er beschreibt, sprich: ist literarisch zensiert und beschränkt, mit seinen exemplarischen Dystopie-Eckpunkten Atwood, McEwan und McCarthy. Von Philip K. Dick weiß er nichts, von Crichton auch nicht, und von kontinental-lokalen Phänomenen wie Schätzing natürlich erst recht nichts. Ach, Ghosh weiß schlicht nichts von all dem, nichts von Dystopie, nichts von „SciFi“, daher gerät seine Analyse zwangsläufig ein bisschen peinlich, denn das „Gestörte“ liegt sicher nicht darin begründet, dass es an intellektuellen Literaten mangelt, es liegt nur daran, dass Intellektuelle wie Ghosh und seine Feuilletonblase diese Literaten nicht kennen. Geschweige denn diese Autoren loben. Denn die schreiben ja keine Literatur. Sagt das Feuilleton. Kreis geschlossen, Affe tot.

Sieht man von diesem Riesenproblem ab, ist Ghoshs Buch natürlich hübsch. Er kennt seinen Flaubert. Erzählt viele Anekdoten und fragt sich selbst immer wieder, wieso es ihm so schwer fällt, Klima in seine Romane einzubauen. Das Feuilleton wird sein Buch lieben. Es ist fast vollkommen ungefährlich.

Dennoch: Ghoshs Vermutung, die intellektuellen Autoren machten per se den Fehler, das Klima links liegen zu lassen, ist grundfalsch. Die Liste derer, die sich äußern, ist lang, schon im kleinen Deutschland reicht sie von Dirk C. Fleck (jüngster schöner Beitrag hier, im Rubikon,wirklich sehr lesenswert, wenn auch traurig) bis Kegel bis höchst populär Schätzing bis yours truly, und an Dystopien mangelt es eh ohnehin nicht, auch nicht an solchen aus der Anglo-Shpere, die unsere Klima-Störung wenigstens als Mitursache für den kommenden Untergang auf dem Zettel haben. Nur: Das intellektuelle Feuilleton (festangestellt) will von all dem nichts wissen, Zukunft ist „Science Fiction“, also per se „bäh“, das Feuilleton hat traditionell Bedeutenderes zu umkreisen als Relevantes, nämlich seinen Nabel. Und da passt die Welt nicht rein. Soll sich doch das Ressort Wissenschaft drum kümmern, um solche Sci Fi. Oder die Politik. Das Problem ist nur: diese Ressorts beschäftigen sich nicht mit Romanen. Soll sich das Feuilleton drum kümmern. Case closed. Schade.

Denn es ginge ja. Eigentlich. Wenn das Feuilleton nicht komplett verpeilt wäre und obendrein die „Alternativlos“-Agenda seiner Geldgeber gefressen hätte. Dass es auch anders geht, zeigt mir ganz persönlich (sehr zu meiner Freude) eine noch unbestochene angehende Intellektuelle namens Misty Matthews-Roper, die in ihrer Diplomarbeit unter dem Titel Responding to Ethical Dilemmas in the Anthropocene: Sven Böttcher’s Prophezeiung das systemische Problem verstanden hat (und obendrein die Verbindungen sich hieraus ergebenden Frageapparates mit Camus´ Vorstellungen von Revolte, Freiheit und Leidenschaft. Dem Feuilleton haben die von mir geworfenen diversen Zaunpfähle im Buch offenbar nicht gereicht, aber, wie mein ehemaliger Philosophielehrer so treffend markierte: „Kleine Gehirne sind eben sehr schwer zu treffen.“

Könnten wir also vielleicht doch auf die Wissenschaftsresorts ausweichen, wenn es um den Transport überlebenswichtiger Frage in Richtung Mainstream geht? Wohl kaum. Denn überlässt man die Bewertung von Literatur Klima-Experten, erweist sich als fatal, dass, wer einen Hammer hat, überall nur Nägel sieht. Und sonst nichts. Herausragend finde ich diesbezüglich wegen persönlicher Betroffenheit das Nachwort des ZEIT-Wissenschaftlers (Namen hab ich glatt vergessen) zur Ausgabe von Prophezeiung in der ZEIT-Hardcover-Edition Wissenschaftskrimis – der sich allen Ernstes kritisch darüber ausmährt, dass die von mir angeblich behauptete (Nein! Falsch!) präzise Wetterprognose über längere Zeiträume nicht möglich ist. (Das weiß ich! Darum geht´s nicht! Es geht um Hybris. Und daran, ob wir unseren Rechnern nicht zu viel Vertrauen schenken! Oder zeitnah schenken werden! Mann!)

Gut. Natürlich räume ich ein, dass ich am „Misserfolg“ (na ja) der Prophezeiung auch selber schuld bin, und zwar gleich dreifach. Denn wenn man schon weiß, wie das Feuilleton tickt, darf man natürlich nicht Thriller draufschreiben, selbst wenn der Stoff total spannend dargeboten wird, sondern wählt gefälligst Roman. (Kiwi, ich hab dir das hundertmal gesagt!). Zweitens aber ist man gefälligst auch nicht originell und wählt eben nicht eine Protagonistin, also eine Frau, denn Thriller lesen nur Männer, und die wollen Bruce Willis. Und wenn man dann auch noch fair ist als Autor und die eigene Heldin so anlegt, dass sie eben nicht von Anfang an perfekt ist, sondern in so fern unperfekt, als sie das Dilemma der Hybris nicht nur extern erfährt, sondern auch innerlich, ja, dann ist der Ofen natürlich endgültig aus. Denn so was! Will die weibliche Leserschaft nun wirklich nicht lesen. Eine Frau, die lernen muss? (Schaudern vom Band; das ist ja üble Fantasy!).Die verbleibenden schlechten Amazon-Rezessionen (sic, ich liebe dieses von den KritikerInnen so gern gewählte Fehlwort) begründeten ihre Ablehnung ja dann vorwiegend mit „zu viele Fremdwörter“ bzw. „Zu viel Wissenschaft“.

Ich find´s trotzdem schön, von wenigstens zwei Leuten sogar öffentlich verstanden zu werden. Danke also, Miss Roper. Und Danke, Florian Felix Weyh.

Grundsätzlich aber und eben nicht nur die Prophezeiung betreffend, scheint mir das Problem doch deutlich größer zu sein als Ghosh mit seinem „deranged“ vermutet – denn bei jeder „Verwirrung“ besteht ja zumindest eine Resthoffnung, dass der Patient sich wieder entwirrt und das Geradeausdenken neu erlernt. Unser „Derangement“ aber geht in so fern weiter und tiefer, weil wir nach meinem Empfinden sehr wohl wissen, dass wir uns selbst umbringen, allerdings nicht wirr oder versehentlich handeln, wie wir handeln, sondern durchaus folgerichtig – also alles andere als „wirr“.

Denn im Kern geht (oder ginge) es doch um die Erkenntnis, dass wir kollektiv gegen die Wand fahren und das nicht ändern können, weil wir keine Bremse in unser seit mehr als einem Jahrhundert so rasant und schillernd dahinrasendes Gefährt eingebaut haben, in den sogenannten Kapitalismus. Ulrike Hermann konstatierte ja ganz zurecht: „Der Bremsweg des Kapitalismus ist nicht erforscht“ – und so bleiben wir eben lieber sitzen, als versuchsweise einen Anker auf den Asphalt zu werfen oder während der Fahrt die Hinterräder abzubauen. So was ist nämlich gefährlich. Zwar nicht annährend so gefährlich wie die Weiterfahrt, die unweigerlich tödlich enden wird, aber trotzdem: gefährlich. Also gilt: Lieber nichts ändern. Parole: Wird schon gutgehen. (Spoiler gefällig? Nö, wird´s nicht.)

So machen wir also, wie (historisch) alle kollabierenden Imperien, „mehr vom Problem, um das Problem zu lösen“, sprich eingebaute Obsoleszenz, Schrottprämien, eAutos und Solardächer. Was das Problem vergrößert, nicht kleiner macht, bei endlichen Ressourcen, aber wenn die Ressourcen nicht reichen, dann folgen wir halt Googles Schmidt und Teslas Musk und … erschließen den Mond! Und machen auch dort alles kaputt.

Ändern werden wir so nichts an unserem Untergang. Mehr Effizienz, gar „endlose, kostenlose Energie aus der Sonne“ würde alles nur noch schlimmer machen, „Grüne“ Ideen sind, wie wir längst wissen, reine Lügen (auf dem gleichen Wachstumshaufen gesprossen wie alle anderen neoliberalen Ideen).

Aber unsere Weigerung, uns angemessen zu verhalten, hat tiefere Wurzeln. Wir müssten uns eben ganz anders verhalten. Unsere gesamte Gesellschaft, unser Wirtschaftsmodell, unser Denken korrigieren. Um zu überleben.

Das einzusehen, fällt allerdings schwer. Und wer´s nicht einsieht, kommt eben nicht mal in die Nähe von Handeln. So bleibt also stehen: „Lieber tot als klug“, denn klug ist anstrengend. Tot nicht.

(Aber, mit englischem Tippfehler: Ghosh! An den belletristisch-intellektuellen Autoren liegt’s, wenn überhaupt, zuletzt …)

P.S.: Ich sehe gerade, dass Blessing die deutsche Ausgabe „Die große Verblendung“ nennt. Das finde ich natürlich grundfalsch. Aber inhaltlich wird´s nicht viel ändern am schöngeistigen Text.

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This is us

Großartig. Eine wunderbare, herrliche Serie. Thematisch unheimlich lebensernst, dabei (oft) saukomisch, unfaßbar gut gebaut und getextet (von Dan Fogelman, Creator unter anderem von Rapunzel – neu verföhnt, und schon wundert man sich nicht mehr über den Esprit, der durch This is us weht), völlig zurecht vom globalen Schwarm auf 8,8 Imdb-Punkte hochgejubelt und zum Start der zweiten Staffel in den USA mit sensationellen Rekordquoten eingeschaltet.

In Deutschland schrieb Marek Bang (kino.de) zum Ende der Ausstrahlung von Season #1 „zum Glück ist der Spuk jetzt vorbei“ – für Pro7 wie für das belästigte Zuschauervolk, denn von fürchterlichen 700.000 Interessenten war der Welthit hierzulande bis zum Staffelende auf entsetzliche 400.000 abgestürzt. Das ist, vorsichtig gesagt, deutlich weniger als gar nichts.

Ich gestatte mir an dieser Stelle ein „Sag ich doch!“ in Richtung all der freundlichen Produzenten, die mich immer wieder anrufen und dringend bitten, eine moderne Familienserie für ARD, ZDF oder was Privates zu entwickeln – und dann nicht verstehen, weshalb ich das nicht mache (nicht mehr, nicht schon wieder). Aber jetzt, bitte, endgültig: bleibt uns doch nur gemeinsam ganz entschieden zu konstatieren, dass alle deutschen Redakteure völlig Recht haben, die meine (ernsten, saukomischen, unfassbar gut gebauten und getexteten Serien und Filme) am Ende 8-12 Folgen lang und hoch auf Papier liegen lassen und nicht machen (sprich: nicht drehen), denn es gibt für so was in Deutschland wirklich, wirklich absolut kein Publikum.

Aber für Krimis, abgeschlossen, mit klaren Strukturen und fähigen BeamtInnen für alle Fälle, aus debiler stabiler Pappe geschnitten – immer. Sechs Millionen, mindestens, zu jeder Tageszeit.

Eben: This is us. Das sind wir.

(Aber wo wir gerade dabei sind, Produzenten, Sender: Möchte vielleicht jemand „Danny und die L.E.I.L.A.“ kaufen? Supergut! Ehrlich! Ich schwör´s! Konzeption für Season 1 liegt ausführlichst vor (Horizontale ist skalierbar!), dazu 2 fertige Folgen. Vielleicht ein bisschen zu gut getextet, vielleicht ein bisschen zu sehr auch für Zuschauer zwischen 18 und 40, also die, die ihr gar nicht mehr auf dem Schirm habt, aber: mit Krimi drin. Auch. Aber nicht nur! Mail genügt! Ich antworte sogar)

Und unterwegs gucken wir, das versprengte Häuflein mit Geschmack, Sinn für Lebensernst und Humor, das Flop-Programm auf DVD weiter (– oder warten noch ein paar Tage, sofern wir beim bösen Amazon Prime-Kunden sind, denn angeblich hat die Krake Jeff sich auch This is us gesichert, also gäb´s das dann auch hierzulande weiter, wie alles Gute, im Bezahlprogramm.)

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