Drogen und Design

Das Hauptproblem ist und bleibt, dass die Mehrzahl unserer Wahlberechtigten intellektuell komplett unbewaffnet sind (wie auch circa 98% unserer „Intellektuellen“) und nicht mal wissen, was sie wissen müssten, schon gar nichts Detaillierteres. Zum Beispiel Wichtiges über so was Ödes wie Studiendesign, Endpunkte und Datentransparenz. Merke daher, sehr kurz: Die Rohdaten aller Medikamentenstudien gehören grundsätzlich immer den Studienbetreibern. Auftraggeber (z. B. Staaten) oder Zulassungsbehörden dürfen sich diese Daten nicht mal ansehen und die kurzgefassten (tatsächlichen oder angeblichen) Studienergebnisse auch nicht von eigens berufenen Experten prüfen lassen. Im Fall der „Schweinegrippe“-Pandemie dauerte es 10 Jahre, die Studienrohdaten aus den Studienbetreibern = Impfstoffherstellern herauszuklagen, um dann festzustellen, dass der für Unmengen Milliarden angeschaffte Impfstoff – nichts nützt. (Bei Bedarf nachzulesen in der Cochrane Collaboration oder am besten gleich ausführlich bei deren ehemaligem Chef, bei Peter Goetzsche).

Dieser alltägliche Riesenskandal ist nichts Neues. Aber Big Pharma hat ausreichend nun mal ausreichend Lobbyisten, um diesbezüglich alle Gesetzesänderungen zu verhindern. (Und ausreichend Lobbyisten, um ein gescheites Lobbyregister zu verhindern, unseres befindet sich knapp unterhalb des Niveaus von hochkorrupten Bananenrepubliken).

Derzeit wäre es aber noch wichtiger als ohnehin schon, hier energisch der „weißen Mafia“ (Frank Wittig) das Handwerk zu legen. Denn auch bei unserem heißersehnten und allein seligmachenden neuen Covid-Impfstoff, unserem einzigen Retter vor lebenslangem Maskentragen und Wohnen in Isolationshaft, gelten die gleichen kriminellen Regeln wie bei allen anderen Studien. (Vom Haftungsausschluss mal ganz zu schweigen). Man könnte darüber sehr unfreundlich schreiben, Haddocks Schimpfwörter wären sämtlich zur Verwendung freigegeben. Aber man kann ja auch ganz freundlich, wenn man vom Fach ist:

„Aus diesen Gründen lehnen Doshi und Topol auch eine Aussage ab, dass ein so zugelassener Impfstoff »wirkt«. Ein solches Urteil setze voraus, dass die meisten Menschen nicht mehr Gefahr laufen, ernsthaft zu erkranken. Das ist jedoch nicht das, was nach diesem Studiendesign ableitbar ist, so die Autoren. (…) Die Studien sollten sich auf einen relevanten klinischen Endpunkt konzentrieren. Dies wäre die Reduktion des Risikos für mittelschwere und schwere Formen von Covid-19. Es sei noch nicht zu spät für die Unternehmen, dies zu tun, so Doshi und Topol, und die FDA wäre gut beraten, eine Anpassung der Studiendesigns zu fordern.“

Denn, Money Quote, Hervorhebungen von mir: „Schließlich geben die Kritiker zu bedenken, dass es dem gesunden Menschenverstand widerspreche, eine Studie mit 30.000 oder 44.000 Personen bereits nach nur etwa 150 Covid-19-Fällen abschließend zu bewerten, auch dann, wenn das statistisch begründbar ist. Dies gelte umso mehr, wenn die Studien über ihre Zwischenanalysen hinaus weitergeführt würden. Hunderten von Millionen von gesunden Menschen auf der Grundlage solch begrenzter Daten einen Impfstoff zu geben, erfordere einen echten Vertrauensvorschuss, so die Autoren.“

Der Vertrauensvorschuss für die Pharmaindustrie ist offenbar enorm. Wie kommt das nur? (Spoiler: siehe oben, Lobbyregister, fehlendes).

Und wieso interessiert das keinen? Case closed, Kreis auch: Offenbar kann niemand mehr denken, lesen und rechnen. Das staatliche Schulsystem hat ganze Arbeit geleistet.

Wer noch lesenschreibendenken kann, lese die paar angehängten Betrachtungen und denke sich selbst was.

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/endpunkte-der-phase-iii-corona-impfstoffstudien-hinterfragt-120717/

Veröffentlicht unter Krankensystem | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Von Herzen

Sechs Stunden weg. Zwei Stunden tot. Getrennt vom eigenen, nicht mehr schlagenden Herzen, der Körperrest in Funktion gehalten von einer Maschine. Nach dem Erwachen und dem entsetzlichen Ziehen der Schläuche aus der Lunge Lähmung, Hilflosigkeit, nacktes Ausgeliefertsein der Willkür von Unbekannten, mit Kabeln, Schläuchen, Kanülen, Kathetern überall im Körper.

Ein Alptraum.

Zwei Meter links, hinter einem Vorhang, ein anderer, der ebenfalls diesen Weg gehen musste, unsichtbar. Hörbar nur der Chirurg vor dem Bett des anderen, im Gespräch mit einem Assistenten.

Der andere hatte nicht so viel Glück. Gleiche OP. Ist nicht wieder aufgewacht, bis jetzt. 12 Tage danach. „Und nu?“ – „Keine Ahnung, die Angehörigen melden sich nicht.“ – „Tja.“

Eine junge Frauenstimme, Schwesterlein, munter, ergänzt: „Wir haben doch voll die Strähne. Mit der da nebenan sind jetzt schon 4 am Stück wieder aufgewacht.“

Heiterkeit. Ja, prima.

Und rund um die Uhr NDR2 auf der Intensivstation. Und schwere Parfüms.

Nennen wir die Patientin Frau K.. Ich nenne sie anders, aber ich nenne sie generell nicht „meine Frau“, weil sie ja nicht mir gehört, sondern sich selbst. Sie ist mir lieb und teuer, ich schätze sie, sie liegt mir sehr am Herzen. Frau K. ist 50. Frau K. ist vor acht Wochen umgefallen und erst nach einigen Minuten wieder aufgestanden. Frau K. hat wenige Tage danach erfahren, dass sie hätte tot sein müssen, da sie einen Geburtsfehler hat. Ihr fehlt eines von drei Segeln der Aortenklappe. Das hat ihr Körper lange mühsam kompensiert, aber nun kann er das nicht mehr.

Bei einer prognostizierten Restlebenszeit von 6-8 Wochen bei absoluter Bettruhe war rasches Entscheiden zwingend geboten. Die Kommunikation der eventuell zuständigen Ärzte war indes strikt „mir doch egal“, erst nach energischem Netzwerken und mehreren nervtötenden Interventionen des Gatten der Frau K. erkennen andere Kardiologen und Herzchirurgen anderswo, freundlicherweise schockiert, die absolute Dringlichkeit des Handelns.

Zwei Optionen stehen im Raum. OP #1, mittelschwer, verlängert, so sie gelingt, das Leben der Patientin um 10 Jahre. Einmalig. Weitere Operationen sind danach nicht möglich.

OP#2 ist die Mutter aller OPs (sieht man von der Herztransplantation) ab. Brustbein durchtrennen und alles andere auch, Herz aus, Herzlungenmaschine an, Herzklappe ersetzen und eine neue festnähen, hoffen, dass die hält, Brustbein mit Draht umwickeln und wieder zusammenzurren, 12 Zentimeter Wunde zunähen. Und hoffen, 4 Wochen, ob es zum Leben reicht, dann 3 Monate, ob der Rindermuskel anwächst.

Das geflickte Herz hält, so es hält, mit etwas Glück bis zum 65sten. Danach ist eine weitere OP möglich. Mit einer Chance auf weitere 10 Jahre Leben. Dann ist Schluss.

Was tun? Mittelschwere OP und ggf. 60 werden? Oder schwere OP + mittelschwere OP und ggf. 75 werden?

Die Wahl zwischen Pest und Cholera fällt auf #2. Schwere OP.

Die Patientin überlebt den Eingriff, sehr zur oben geschilderten Freude der Schwester, „4 am Stück“, die nicht sterben, das ist doch schon mal was.

Der nun folgende Alptraum hat viele Fratzen. Es soll aber gar nicht die Rede sein vom wie erwartet eintretenden Grauen, vom Dämmern und Aufschrecken zwischen Leben und Tod auf der Intensivstation, hilflos, reghlos zugedröhnt bis zur Halskrause, immer wieder wegtretend und erwachend, umstellt von besorgten Gesichtern, die auf stolpernde Maschinenanzeigen starren. Es soll auch nicht die Rede sein von den Tagen auf der Zwischenstation und den Tagen auf der personell gnadenlos unterbesetzten normalen Station, wohl aber von der Gesamtzahl der Tage, die Frau K. in der Fallpauschalenklinik zubrachte.

Der zuständige Arzt legt der Patientin nach 8 Tagen nah, das Haus zu verlasssen. Das Wochenende steht bevor, da passiert in der Klinik sowieso nichts mehr. Die Patientin ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, allein aufzustehen, selbst unter Dauerschmerzmittelgabe sind die Schmerzen zu groß. Der Draht sticht von innen. Schulter und Rücken schmerzen unerträglich. Die Narbe schmerzt, innen wie außen. Das Herz stolpert mal, mal rast es. Sie hat überdies noch etwa 10 Kilo Wasser im Körper, einiges davon auch in der Lunge. Der Darm ist träge. Sie leidet überdies an einer postoperativen Anämie, der vorher bei 14 liegende Hämoglobinwert ist auf 7 gesunken, die Patientin ist grau. Trotz bestehender Lebensgefahr wird eine Bluttransfusion verworfen, denn das würde die Lebensgefahr nur vergrößern.

Die Patientin ist weit davon entfernt, entlassungsfähig oder gar „reha-fähig“ zu sein. Sie besteht darauf, das Wochenende noch im Krankenhaus verbringen zu dürfen. Man gibt nach.

Am Montag wird sie, in unverändertem Zustand, entlassen.

Der Fall ist abgeschlossen. OP gelungen, Patientin lebt.

Ich habe mich in den Tagen danach gefragt, was aus der Patientin geworden wäre, hätten deren Lebensumstände ein bisschen anders ausgehen als die von Frau K. Was geworden wäre, hätte die Patientin beispielsweise allein gewohnt, beispielsweise im dritten Stock, beispielsweise ohne Fahrstuhl. Was geworden wäre, wenn die Patientin oder ihr Umfeld vielleicht nicht ganz so bewandert gewesen wäre betreffend Blutwerte, Medikamentenwirkungen und -wechselwirkungen. Wenn sie nicht bemerkt hätte, dass man ihr kein Kalium mitgegeben hatte und auch keine Anweisung, dieses einzunehmen. Wenn sie ihren Blutdruck zuhause nicht hätte kontrollieren können.

Dabei geht es nicht um entwürdigende Petitessen wie die, dass fast jede Form von Körperpflege damit ausgefallen wäre (die Arme nicht heben zu können, ist weniger egal als es klingt), auch nicht darum, wie man resp. frau denn seine Notdurft im Liegen verrichten soll, tage-, wochenlang, wenn man nicht aufstehen kann. Wie man sich versorgen soll oder versorgen lassen soll vom Pizzaboten, wenn man nicht zur Tür kommt.

Fragt diese gedachte Frau die Nachbarn aus dem Erdgeschoß, ob sie sie bitte mal waschen könnten?

Sicher, auch die hiermit ausgedachte Frau bemerkt wohl, dass noch etwas anderes nicht stimmt als ihr Eigengeruch nach ein paar Tagen, aber bemerkt sie dieses andere rechtzeitig? Dass ihr frisch zusammengenähtes Herz schlappmacht wegen des als Magnesiumgegenpart fehlenden Kaliums? Oder bemerkt sie, dass nicht nur ihr Puls rast, sondern auch die Diastole längst durch die Decke gegangen ist, sie mithin dem Exitus verdammt nah ist? Ruft sie dann rechtzeitig einen Krankenwagen? Und kommt sie noch rechtzeitig in der Notaufnahme an?

Falls ja – ist sie ein neuer Fall. Mit Herzrythmusstörungen oder Schlimmerem. Auch dafür gibt es Pauschalen. Und so sie stirbt, stirbt sie eben an Herzversagen. Mit dem abgeschlossenen ersten Fall hat das nichts zu tun, die OP war ja ein voller Erfolg gewesen.

Natürlich ist das nicht das Ende der Geschichte, der Rest im Schweinsgalopp: Kein niedergelassener Kardiologe hat Termine frei vor Dezember für die Patientin – außer … die Frage fällt, natürlich, „sind Sie privatversichert?“. Nein? Bedaure. Der ursprünglich den Herzfehler vermutet habende Internist hat ebenfalls keine Termine frei, nicht mal zum Verbandwechseln. Man quetscht die Kranke dazwischen. Eine Stunde Fahrzeit hin, 3 Stunden draußen warten, im Auto bei 34 Grad im Schatten, dann ein 6-Minuten-Termin. Keine Desinfektion der Hände oder der Wunde. Können Sie auch selber machen. Wiedersehen. Die Krankschreibung füllt der Internist bei der Gelegenheit falsch aus, er vertut sich um einen Tag. Die zuständige Kasse bemerkt das, die Kündigung des Vertrages und der Wegfall aller Ansprüche drohen, da die Krankschreibung nicht lückenlos ist. Ein Verweis auf die Auskunft des zuständigen Mitarbeiters, bereits die Klinik habe die Patientin bis weit über den nun neu geforderten Termin hinaus krankgeschrieben, geht ins Leere. Der Mann war nur ein Urlaubsvertreter, seinen Namen hat man noch nie gehört.

Ich weiß. Was ich beschreibe, ist nicht originell. Abertausende erleben diesen Alptraum oder vergleichbare täglich in unseren Krankenhäusern und Arztpraxen und zwischen den diversen Verwaltungsmühlsteinen, die zwischen Patient und Gesundheit platziert worden sind zum Wohle der Beschäftigung und eines stetig wachsenden Bruttoinlandsproduktes. Für Arbeit ist reichlich gesorgt im Krankensystem, und solange man nicht als Arzt oder Pfleger arbeitet, hat man sicher viel Freude beim Erdenken ständig neuer Kennziffern, Abrechnungsanforderungen oder Kontrollmechanismen. Gewisse Opfer müssen da natürlich gebracht werden. In der großen Klinik, die Frau K. aufnahm, sind nicht nur fast alle Rollstühle defekt und ist nicht nur das Essen, selbstredend, gesundheitsgefährend, es kümmert überdies auch nur ein einzelner Mann um den Transport der Kranken von ihren Zimmern zu den Untersuchungen. Ein tapferer, fleißiger Mann, der allerdings auch nicht zaubern kann. So liegt man dann nach dem Röntgen schon mal im offenen OP-Kittelchen 3 Stunden am Rand des 15 Grad kalten Korridors, denn in diesem Stockwerk ist die Klimananlage noch in Betrieb. (Die Kardiologie hat ihre abgeschaltet, nachdem im Vorjahr ein paar Dutzend Patienten an mittels dieser Anlage herumventilierten Krankenhauskeimen verstorben waren).

Am Ende – oder eben zwischendurch – bleibt in diesem Einzelfall stehen: Die Patientin lebt. Eine Versorgung oder Betreuung erfolgt nicht, weder durch Krankenhäuser noch durch niedergelassene Ärzte. Der Sozialdienst kann keine Hilfen schicken, da es keine Hilfen gibt – die Wartelisten sind lang. Die Patientin ist nicht „reha-fähig“, sie muss zuhause betreut werden. Auf die Frage, wer helfen könne, lautet die Gegenfrage der zuständigen Beamtin: „Die noch im Haus lebende Tochter ist 17?“ – „Ja.“ – „Dann kann die ja wohl kochen und putzen.“

Das ist natürlich richtig. Und natürlich kann der ebenfalls im Haus lebende Gatte auch mal ein paar Wochen 24/7 als Pfleger tätig sein, ganz unentgeltlich, wer braucht schon Arbeit, als Künstler, und der Mann ist ja sogar schon älter als 17, der kann das (Zusatzbemerkungen zum Gesundheitszustand dieses Pflegers entfallen aus Platzmangel, der Typ ist eh relativ hart im Nehmen, der wird ja wohl auch so was überstehen).

Dennoch: Ich wiederhole im Rahmen dieser persönlichen Anekdote meine Einschätzung, dass unser Krankensystem vollkommen falsch aufgestellt ist und allem möglichen dient, nur nicht der Gesundheit jener, die versehentlich oder gezwungenermaßen in es hineingeraten. Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich mit einem so kranken System abzufinden, und es ist (oder wäre) sehr leicht, das System vom Kopf auf die Füße zu stellen. Allerdings ist dies nur möglich, sofern wir begreifen, dass das Krankensystem der gleichen Logik folgt wie alle BIP-Wachstumssysteme, in denen wir so gründlich gefangen sind – eine Reform des Krankensystem ohne eine Reform des Gesamtsystems ist daher undenkbar. Und zu einer großen Reform fehlt uns in der beginnenden „neuen Normalität“ mehr denn je der Wille, politisch, sowie das Wissen, ganz allgemein und ganz überwältigend. (Was darauf hinweist, dass auch unser Staatsschulsystem bedauerlicherweise seit Jahrzehnten kaputt ist, denn es ist ja jüngst offenkundig geworden, dass 85% unserer Schulabsolventen nicht lesen, rechnen, schreiben und nicht eigenständig denken können.)

Womit sich der Kreis vom Persönlichen ins Allgemeine schließt. Die neuen von unserer auf einer breiten Zustimmungswelle surfenden Regierung wegen der „Pandemie“ beschlossenen Milliardeninvestitionen ins Krankensystem werden abermals weder Patienten noch Pflegern noch Ärzten zugute kommen, sondern vollständig Big Pharma, Big Device, Big Data sowie in beträchtlicher Höhe den unvermeidlichen Verwaltern, die sich nach Gabe jeder Finanzspritze unweigerlich vermehren wie Kaninchenviren. 5.000 neue Stellen entstehen allein in den Gesundheitsämtern, von 5.000 neuen Pflegestellen habe ich nichts gelesen. Aber für unsere Krankenschwestern haben wir ja auch etwas viel Schöneres als Geld, nämlich Applaus.

Der kommt von Herzen.

(Und ich trage trotzig weiter Pralinen und Bargeld auf die Stationen, weil ich aus Erfahrung weiß, dass man sich von Applaus nichts kaufen kann. Ich hab das probiert, im Rewe, und ich hab wirklich schön geklatscht für das Sechserpack Faßbrause, das ich haben wollte, genützt hat es mir nichts.)

Veröffentlicht unter Allgemein, Krankensystem | 4 Kommentare

Überwältigende 95% (grob geschätzt)

Ich gehöre offenbar zu einer winzigen, total verschrobenen Minderheit. Meine Verschrobenheit geht tatsächlich so weit, dass ich schon beim Einstieg in alle Covid-Debatten aussteige, weil ich von mir auf andere schließe. ICH würde nie von einem anderen Menschen erwarten oder gar verlangen, dass er sich ruiniert oder seine Gesundheit riskiert, um meine Gesundheit zu schützen. Ich finde es luxuriös prima, wenn von mir bezahlte Beamte mich darauf hinweisen, dass z. B. eine gefährliche Grippe oder Ebola kursiert, ich finde es sogar prima, wenn Beamte mich darauf hinweisen, wie ich mich selbst schützen kann (z. B. drinbleiben, Abstand wahren, Maske tragen, impfen lassen), aber ich käme im Leben nicht auf die Idee, von anderen zu verlangen, dass sie meinetwegen ihren Job aufgeben oder sich impfen lassen sollen, um mich zu schützen. Das mache ich selbst.

So bin ich also schon zu Beginn aller Debatten getrennt von circa 95% meiner Mitmenschen. Wenn ich denen mit Selbstbestimmung komme oder Freiheitsideen, fange ich mir ja sofort eine Watschn aus der Kategorie „Freiheit? Dann geh doch nach Texas und lass dich erschießen.“ Rege ich beispielsweise öffentlich an, wie geschehen hier und im Rubikon, die Staatsschulgebäudeanwesenheitspflicht von 1938 zu ersetzen durch eine Bildungspflicht (der Eltern gegenüber ihren Kindern), gehen rechts und links zusammen auf die Barrikaden und outen sich als vereint im kategorischen Wunsch, mich zu zwingen.

Die 95% und ich haben also nicht einmal eine Diskussionsgrundlage. Meine Prämisse ist derart abenteuerlich, derart unheimlich, dass man am besten direkt auf Distanz geht. Was ist denn das für eine Idee, dieses „Selbstbestimmte“, dieses „Eigenverantwortliche“, das geht doch gar nicht – wenn wir solches zulassen, wohin soll das führen außer mitten hinein in Anarchie und Chaos? Schon unser Grundgesetz schützt doch den Einzelnen vor sich selbst, präziser vor der Selbstbeschädigung, indem es den Staat über das Leben stellt, obwohl fraglos das Leben vor dem Staat in Erscheinung trat. Die allergrundsätzlichste Entscheidung, ob der Einzelne sein Leben noch will, fällt hierzulande der Staat. Folgerichtig entscheidet der Staat auch darüber, ob und wie ich mich selbst schädigen darf, ob nun durch gewisse Substanzen oder gewisses Verhalten.

Die 95% stellen das nicht einmal mehr in Frage. Dieses „Wissen“ ist fest verdrahtet – dass wir eben nicht selbst wissen, was wir tun müssen. Das müssen andere entscheiden. Experten, Fachleute, Beamte. Mich irritiert nur, dass die 95% zwar meinen, diese Vorgehensweise sei richtig, weil ja all die „anderen“ sonst unvernünftig handeln würden, die 95% sich aber im Grunde so nur selbst (sic) das Zeugnis ausstellen, dass sie ohne Anweisung von oben außerstande sind, vernünftig zu handeln.

Und, nein, ich idealisiere unsere schwedischen Freunde nicht, aber ich finde die Prämisse doch zumindest interessant. Ein schwedischer Politiker unterstellt seinem Wähler, dieser sei intelligent, weil er ja ihn, den Politiker, gewählt hat. Folglich kann der Politiker darauf bauen, dass sein Wähler sich intelligent verhält. Anders herum wird aber auch ein Schuh draus. Unterstelle ich (Politiker), mein Wähler sei dämlich, weil er mich Vollidioten gewählt hat, muss ich ihm dringend von morgens bis abends Vorschriften machen, weil er sich ja sonst idiotisch verhält. Wir lassen an dieser Stelle unter den Tisch fallen, dass ich (dämlicher Politiker) ja gar nicht weiß, wie man sich vernünftig verhält, meine Vorschriften also jederzeit dämlich sein werden. So jedenfalls fügt es sich, man ist sich einig, der Zusammenhalt ist groß.

Ich empfinde mich selbst bei all dem bestenfalls als störend. Und komme mir bei fast allen derzeitigen Debatten vor wie ein Fremder. Ich verstehe jedes Wort, dass gesprochen wird, aber ich selbst scheine einen völlig unverständlichen Dialekt entwickelt zu haben.

Um so dankbarer bin ich für die 5%, mit denen ich – wenigstens privat – noch kommunizieren kann. Am Rest arbeite ich mit fähigen Logopäden, vielleicht bin ich ja langfristig doch noch zu retten.

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare

Operation Überlichtgeschwindigkeit

Mindestens 2 Milliarden Menschen, allen voran Pfleger, Senioren und Risikopatienten, sollen mit einem bereits in Produktion befindlichen genetischen Impfstoff gegen Covid-19 geimpft werden. -> Rubikon (10. Juli 2020)

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Die Zukunft (2018 -> 2021)

Als ich im Juni 2018 das Skript „Rette sich, wer kann!“ (Westend 2019) beendete, hatte ich den Eintrittszeitpunkt des Horrorszenarios auf 2020 bis maximal 2023 datiert. Ich empfinde die Prognose weiterhin als nicht allzu sehr daneben, deshalb gestatte ich mir das copy/paste unten. (Die Compliance des Patienten lässt sich zwar mit Ausweis und App übergangsweise prima überwachen, aber am Ende helfen gegen den Restwiderstand doch nur Sensoren, also Abilify MyCite und seine Geschwister). Quote:

„Das längst sattsam bekannte Krankheitshökern der Industrie zielt also bevorzugt darauf, den Erkrankten und seinen Körper zu trennen – und die neu erfundenen »autoimmunen« Krankheiten möglichst so zu gestalten, dass sie nicht nur viel Diagnose und viel Medikation erfordern, sondern gleich das Komplettprogramm: von Ultraschall bis MRT/CT, OP bis von Klink- oder Reha-Aufenthalt, von Dauermedikationsabo 1 (gegen Problem A) zu Dauermedikationsabo 2 bis 16 (gegen die Nebenwirkungen von Präparat 1 bis 15), und das bis ans Lebensende, Runde um Runde, Stufe um Stufe, immer ein bisschen weiter hinaus in ewige Abhängigkeit. Dies ist und war immer das Ziel, das dringendste Bedürfnis des Krankheitssystems: die Gesellschaft, zunehmend bestehend aus Menschen, die es gewohnt sind, Dinge serviert zu bekommen, statt sie zu selbst tun, und zunehmend geführt und behandelt werden will, endlich so zu gestalten, dass es nicht mehr nur schwierig ist, für die eigene Gesundheit zu sorgen, sondern am Ende unmöglich wird.[i]

Dieses Ziel hat das System, nicht intrinsisch bösartig, sondern nur inhuman logisch, fest im Blick und arbeitet effektiv und konsequent. Erreicht ist das Systemziel, wenn 50 Prozent von uns in Behandlung sind und die anderen 50 Prozent davon leben. Jörg Blech konstatierte bereits vor 15 Jahren: »Schreitet der Umbau ungestört voran, dann arbeitet jeder Deutsche künftig im Gesundheitssystem […] oder er ist krank – oder beides zusammen.«[ii] Wie die Entwicklung seit 1950 zeigt, sind wir auf dem besten Weg, dieses Ziel zeitnah zu erreichen, dank exponentiellen Wachstums sogar fast ohne bremsenden »abnehmenden Grenznutzen«.

Den größten Teil des Wegs haben wir bereits zurückgelegt, es ist nicht mehr weit. Der ungeduldige Patient geht längst dauernd zum Arzt, obwohl ihm nichts fehlt, und findet das ganz normal. Parallel ist sicherheitshalber auch die Selbstbestimmung gesetzlich untersagt, ganz konkret das gesunde Leben auf eigenes Risiko. Seit 2009 verbietet Paragraf 193, Absatz 3, des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) den »versicherungsfreien Selbstzahler«.

Was fehlt noch? Die Offenlegung aller Patientendaten? Das wäre doch was, nämlich überaus hilfreich, daher fordert der wichtigste BIP-Treiber, der Bund der Deutschen Industrie (BDI), diese Transparenz neuerdings mit Nachdruck – sogar öffentlich,[iii] nicht nur im vertraulichen Gedankenaustausch mit Politikern. So viel Offenheit ist regelrecht anständig, verrät aber auch, dass der BDI das Mindset des Durchschnittskunden wohl noch immer nicht richtig verstanden hat. Denn der muss gar nicht mehr vom Gesetzgeber gezwungen werden, alles von sich preiszugeben, sondern macht es freiwillig. Nicht nur bei Facebook, indem er rund um die Uhr seine Fotos und Stimmungen postet, nein, als Kranker begibt er sich schnurstracks zu PatientsLikeMe[iv] und macht sich auch dort nackig, minutiös: vom Aufstehen bis »heute nach Einnahme von Präparat XY etwas traurig (Stimmungspunkte 4 von 10)«. Bereits mehr als 600.000 Gesundheitskunden mit mehr als 2.800 Erkrankungen spenden dank des Claims »give data, share data« persönlichste Daten ohne Ende, obwohl die Firma PLM kein Hehl aus ihrem kommerziellen Ziel macht: »Wir teilen die Patientenerfahrungen mit der Industrie, damit diese bessere Medikamente, bessere Dienstleistungen und bessere Pflegeangebote entwickeln kann.«[v] Amazon ergänzt das Angebot (»Gesundheitskunden wie Sie kauften …«) mit einer 2017 ins Leben gerufenen eigenen Krankenversicherung. (Behalten Sie das im Auge, als Prime-Kunde, zunächst gilt das Angebot nur für Mitarbeiter, aber es wird sicherlich zeitnah erweitert).[vi]

Nun fehlt also nur noch eines zum Endsieg, zum Systemnirwana – neue, wieder nicht evidenzbasierte Leitlinien sowie der nun endlich zum Gesetz verabschiedete, vernünftige Zusatz: Wer an der mysteriösen (möglichst autoimmunen) Erkrankung N. N. leidet und sich den studien- und leitliniengestützten Empfehlungen des Experten, also Facharztes entzieht, mithin »nicht selbst aktiv seine Genesungschancen verbessert, verliert, da er die Solidargemeinschaft zu schädigen sucht«[vii], seinen Anspruch auf Lohnfortzahlung, Krankengeld und/oder wenig später Hartz IV. Dieser Schritt ist überfällig und nur vernünftig, denn was bleibt dem dringend krankheitsbedürftigen System am Ende übrig, um auch die Renitenten, die Nichterfassten, die Verweigerer gefügig zu machen? Man wird sie zu ihrem Glück zwingen müssen. Und, ja, natürlich werden fürsorgliche Ärzte, Kassen und Behörden die Folgsamkeit, die Compliance aller »Kranken« rund um die Uhr überwachen, ganz ohne Hausbesuche. Das ist die Zukunft.

Wie, ich leide an Paranoia? Zu viel Science-Fiction geschrieben, der Mann? Na, garantiert! Aber von dieser atemberaubenden Zukunft sind wir dennoch nur mehr einen halben Schritt entfernt. Wer das ohnehin schon weiß, kann den folgenden Absatz getrost überspringen, wer mir hingegen galoppierende Verschwörungstheoritis attestieren möchte, gönne sich exemplarisch den kurzen Blick auf das schöne Präparat Abilify, dessen Hersteller ich schon 2014 wegen seiner mörderisch gelungenen Lobbyarbeit öffentlich über den grünen Klee lobte.[viii] Denn damals war Abilify an die Spitze der weltweiten Blockbuster-Charts gestürmt und hatte mit 7 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz sogar Viagra verdrängt – bemerkenswert, weil Abilify, grob gesagt, ein radikaler Hirnabschalter ist, mit dem man allenfalls Anstaltsinsassen behandeln sollte. Und vielleicht nicht mal die, denn Abilify, ein Thorazin-Klon, hat haufenweise gefährliche Nebenwirkungen und allerhöchstes Suchtpotenzial. Seit 2014 ist das Zeug aber freigelassen und wird in den USA nicht mehr nur Schwerstbipolaren und Schizophrenen verabreicht, sondern auch ganz normal Bekümmerten, vulgo »Depressiven«, sprich nach Lage der Verschreibungspraxis in Sachen Psychopharmaka (»Finden Sie den November nicht dieses Jahr auch besonders grau? Ich hab da was für Sie«)[ix], jedem, der’s möchte oder der nicht schnell genug Nein ruft. Fragen Sie einfach Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie die Gegenwart nicht mehr ertragen, mit Abilify ist Totenstille im Hirn, das Pflegepersonal kann shoppen gehen – und Sie können nicht mal mehr die Packungsbeilage lesen.

2017 haben die Abilify-Genies allerdings noch mal einen draufgesetzt und endlich dafür gesorgt, dass die massive Verschwendung durch »Non-Compliance« endet (Medikamente im Wert von etwa 100 Milliarden Dollar landen alljährlich im Müll), denn nicht jeder, der Abilify verschrieben bekommt, nimmt das Zeug tatsächlich ein. Deshalb enthält das neue Produkt »Abilify MyCite«: einen Sensor beziehungsweise einen Sender. Wie die US-Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA erläutert, sendet dieser Sensor »ein Signal aus, wenn die Tablette mit der Magenflüssigkeit in Kontakt gelangt. Aufgefangen wird das Signal von einem Empfänger, der mit einem Pflaster auf dem Brustkorb des Patienten angebracht ist. Der Empfänger sendet wiederum eine Botschaft an eine App. Diese ermöglicht es dem Arzt, Pflegern, Angehörigen oder Freunden, auf ihren Mobilgeräten zu kontrollieren, ob der Patient das Medikament den Anweisungen entsprechend einnimmt.«[x]

Wie schön, wie bequem! Da kann der Patient also auf seinem Smartphone nachschauen, ob er seine Pille heute schon genommen hat. Und seine Frau kann auch nachschauen. Oder ihr Mann kann auf seinem Smartphone nachschauen, ob sie ihre Pille schon genommen hat, auch und gerade, wenn es die Pille ist und er keinen Kinderwunsch hat, im Gegensatz zu ihr. Es kann aber auch sein oder ihr Arzt nachschauen. Oder seine beziehungsweise ihre Kasse. Und natürlich wird es zeitnah eben jene Leitlinie geben, die gerade bei temporär arbeitsunfähigen »Depressiven« zwingend vorschreibt, dass die Arbeitsunfähigen sich an die ärztlichen Verordnungen halten, andernfalls entfällt deren Leistungsanspruch gegen Arbeitgeber und Krankenkasse – und das wollen Sie doch nicht, oder? Unter welche Brücke, sagten Sie, wohnen Sie danach? Und funktioniert da überhaupt der Nachsendeauftrag?

Denken Sie’s gern in Ruhe zu Ende, bei einem (noch) sensorlosen Kaffee oder Rotwein oder im Bad, auf ihrer (noch nicht) smarten Toilette, mit ihrem (noch nicht) ihre täglich absolvierten Schritte und anderen Bewegungen an die Behörden meldenden Fitnessarmband. Mit abschließendem Blick auf Ihr Smartphone, das (bereits heute), selbst wenn sie die Karte herausnehmen und auf »Flugmodus« schalten, jede Ihrer Bewegungen an Dr. Google übermittelt.[xi] Der Pillensensor, finales Überwachungstool, ist jedenfalls nicht schwer einzubauen, ganz gleich, in welches Präparat – solange es nur im Magen landet. Hersteller Otsuka Pharmaceutical hält den entsprechenden Anteil der Pille für problemlos verdaulich, garantiert auch mental. Alle weiteren Details, auch zu den denkbaren naheliegenden Szenarien, finden Sie weiterhin in der kritischen Verschwörungstheoretiker-Fachpresse,[xii] aber inzwischen auch im Mainstream.[xiii]

Aber wir wollen nicht pessimistisch sein. Wir wollten uns an dieser Stelle nur froh und dankbar klar machen, dass die Zukunft erst vor der Tür steht, aber noch nicht mitten in unserem Medikamentenschrank. Denn auch wenn bei den uns verschriebenen Medikamenten die Evidenzbasis in der Regel fehlt und Leitlinienautoren in der Regel zu 90 Prozent mit der Pharmaindustrie verbandelt sind: Noch kann uns keiner zwingen, uns gesundheitlich zu schaden oder uns selbst umzubringen.

Treten wir einen Schritt zurück und betrachten das Wirken der Maschine, müssen wir indes anerkennen, dass sie auf faszinierende Weise effektiv arbeitet. Künstliche Intelligenz kann seit Jüngstem sogar unseren Todeszeitpunkt verblüffend korrekt vorhersagen,[xiv] während die KI-Programmierer selbst gar nicht mehr nachzuvollziehen in der Lage sind, wieso die Prognosen ihrer Schöpfung so überaus zutreffend sind. Die gern bemühte Matrix-Horrorvision der Geschwister Wachowski ist im Krankensystem längst Realität, ganz ohne plakative Menschenkörpertanks – die Maschine ernährt sich von uns. Wir sind Objekt, nicht Subjekt, Nahrung, nicht Kunde, Benzin, nicht Passagiere, denn nicht unsere Gesundheit ist essenziell, sondern unsere Krankheit.

Diese faszinierende Maschine ist ehrfurchtgebietend groß, mächtig und unzerstörbar – weil zu viele von ihr profitieren, manche als CEO-Vorarbeiter, die meisten als Schaffner, Mechaniker und Kellner, billig eingekauft. Und steckten wir selbst nicht als Brennstoff mittendrin in diesem Wunderwerk, wäre es wohl schlicht spannend, weiter zu beobachten, wohin das alles führen wird – ob die Maschine am Ende alles selbst konsumiert oder uns qua autoaggressiver Explosion anderweitig mitreißt oder eben vorher Wege findet, nur 70 Prozent[xv] von uns loszuwerden und den Rest unter sich und ihresgleichen auszumachen. Sicher zur Freude unseres Planeten, aber ebenso sicher nicht zu unserer.

Wer kann es uns verdenken, dass wir, statt den Kopf zu wenden und diese Wirklichkeit anzuerkennen, doch den Blick lieber weiterhin fest die Höhlenwand gerichtet halten beziehungsweise, mit gesenktem Kopf, auf die Höhlenwand 2.0, unser Smartphone. Was dort geboten wird, ist, ohne Frage, amüsanter. Der kleinen Gruppe von Spaßbremsen aber, die weiterhin stur die Realität anerkennt, und umso sturer frei denken und leben will, verbleibt ein Hoffnungsschimmer, ein kleiner Rest Souveränität, ihr Leben selbst lebenswert zu gestalten. Denn noch sieht die Maschine nicht alles, noch werden wir nicht zur uns selbst schadenden Compliance gezwungen. Noch können wir gesund bleiben – oder es wieder werden. Noch.

Wie lange? Zwei Jahre? Fünf?

Beeilen wir uns, die letzten Prämissen zu korrigieren – intern – und so gesund zu sein und zu bleiben (oder wieder zu werden), dass uns das System nicht findet.“


[i] Ich glaube, das ist mehr oder weniger frei nach Illich, a. a. O., aber ich bin nicht sicher.

[ii] Blech, a. a. O., S. 221.

[iii] »Der BDI habe deshalb eine neue Initiative ›Gesundheit digital‹ gestartet. Es gehe darum, weniger Verteilungsdiskussionen – etwa um die Bürgerversicherung – zu führen, sondern mehr über Innovationen und Investitionen zu reden und sie umzusetzen. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Fähigkeit, große Datenmengen zu erheben, zu übertragen und zu verarbeiten. ›Die künftige Bundesregierung muss rasch die gesetzlichen Grundlagen für die Nutzung von Gesundheitsdaten schaffen‹, forderte Kempf. (»BDI-Präsident Dieter Kempf: ›Wir brauchen rasch eine neue Regierung‹, Finanzen.net, 11. Januar 2018, https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/bdi-praesident-dieter-kempf-quot-wir-brauchen-rasch-eine-neue-regierung-quot-5907574.=

[iv] Vgl. https://www.patientslikeme.com/about.

[v] PLM macht indes kein Geheimnis aus dem Grund für die Datensammelei, das erklärte Ziel der Company lautet: »Then, we share the patient experience with the industry so they can develop better products, services, and care.«

[vi] Siehe zum Besipiel Thomas Straubhaar, »So gefährlich ist Amazons Krankenversicherung für uns«, Welt, 6. Februar 2018, https://www.welt.de/wirtschaft/article173229888/Amazons-Krankenversicherung-fuehrt-in-den-Ueberwachungsstaat.html.

[vii] Polit-Mietmaul N. N., herbeizitiert aus der nahen Talkshow-Zukunft (2020 ff.).

[viii] Böttcher, »Top of The Pops«, 17. November 2014; http://www.erzähler.net/?p=1432.

[ix] Keine Comedy-Erfindung, sondern O-Ton meines Neurologen, als der mir – gratis – ein paar Probepackungen Antidepressiva andrehen wollte. Ich fand den November aber nur ganz normal grau. Dafür aber den Arztkittel trotz des strahlenden weiß unsauber.

[x] »›Ability MyCite‹: Die sprechende Tablette«, Die Presse, 15. November 2017, https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5320744/Ability-MyCite_Die-sprechende-Tablette.

[xi] Zum Google-Smartphone im Flugmodus siehe beispielsweise https://m.youtube.com/watch?feature=youtu.be&v=g4MK76dDCDk. Informationen zur umfassenden Abhörfunktion der Facebook-App bei eingeschaltetem Smartphone findet der geneigte Interessent im Browser seines Vertrauens, zusätzliche Informationen bietet die analoge Lektüre von Scotts Galloways The Four.

[xii] Andreas Peglau; »Hurra, die Überwachungspille ist da!«, Rubikon, 25. November 2017, https://www.rubikon.news/artikel/hurra-die-uberwachungspille-ist-da.

[xiii] Siehe exemplarisch Pam Belluck: »First Digital Pill Approved to Worries About Biomedical ›Big Brother‹, New York Times, 13. November 2017, https://www.nytimes.com/2017/11/13/health/digital-pill-fda.html. Oder Franziska Knupper: »Digitale Medizin: Absolute Überwachung oder hilfreiches Werkzeug?«, BZ, 5. April 2018, https://www.berliner-zeitung.de/wissen/digitale-medizin-absolute-ueberwachung-oder-hilfreiches-werkzeug–29967794.

[xiv] Die Todeszeitpunktvorhersage ist in Arbeit, die Stanford University ist schon verblüffend nah dran (vgl. »Stanford’s AI Predicts Death for Better End-of-Life Care«, IEEE Spectrum, 16. Januar 2018, https://spectrum.ieee.org/the-human-os/biomedical/diagnostics/stanfords-ai-predicts-death-for-better-end-of-life-care). Das behauptete Ziel der KI-Offensive ist natürlich: »Wir wollen die Patienten doch lieber zum Sterben nach Hause schicken.« Wer’s glaubt, wird garantiert selig. Denn es lässt sich ja nicht von der Hand weisen, dass die Maschine sich bei vorhandener prima Prognose rechtzeitiger vorbereiten könnte – und so unsereins schon sechs Wochen vor unseren Tod teuer umsorgen kann, damit wir nicht auf den letzten Metern noch den Konsum verweigern. Wer dem Link folgt, wundere sich nicht über die Nonchalance, mit der inzwischen in der Tech-Szene darüber berichtet wird, dass die (korrekten!) Prognosen der KI für uns Menschen gar nicht mehr nachvollziehbar sind.

[xv] 30 Prozent Entwarnung: Die Menschheit stirbt beileibe nicht aus! Zu den in naher Zukunft entbehrlichen 70 Prozent zählen weder jene, die fast allen Besitz der Welt auf sich vereinen (10 Prozent) und auch nicht jene, diesich als Handwerker und Sklaven nützlich machen können (20 Prozent). Noch werden wir (70 Prozent) indes gebraucht, als Mittel zum BIP-Zweck »Wachstum«. Es ist zwar unklar, wie lange noch, aber bis zum Release-Date des neuen iPhone wird’s garantiert noch reichen. Also nur die Ruhe, für alles Wichtige ist gesorgt: Don’t panic!


Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Wer, wenn nicht Bill?

Versuch einer Ehrenrettung.

Arbeitshypothese: Bill Gates strebt die Weltherrschaft nicht allein aus egoistischen Gründen an. Bill Gates mag die Menschheit, aber er geht auch aufgrund der Datenlage davon aus, dass mindestens 75% der Einzelmenschen, der Individuen, gefährlich dumm sind und nicht aufhören werden zu wachsen, alles kahlzufressen und generell immer mehr zu wollen. Kurz: alles zu zerstören und zu vernichten. Die Erde. Uns selbst. Bill weiß: Wir, 7,5 Milliarden, demnächst 10, vielleicht 12 oder 18, steuern ungebremst auf einen unbewohnbaren Planeten zu, ob nun wegen 2, 4 Grad oder 8 Grad Erwärmung oder „nur“ wegen ein, zwei Milliarden Flüchtlingen aus den zukünftigen Dürreregionen oder, ebenso wahrscheinlich, weil sich die industriebefeuerten neokapitalistischen Regimes von den USA bis China im Kampf um Öl, Gas und Wasser zeitnah nuklear aneinander verschlucken.

Bill Gates möchte aber weiterleben. Er möchte, dass seine Tochter und sein Sohn weiterleben. Und zwar nicht in einem Bunker, während draußen, im leeren postnuklearen Winter, niemand mehr ist. Und wenn die Welt sich nicht beherrschen kann, muss sie eben beherrscht werden. Von einem, der sie retten will und kann. Ihm. Wer soll das denn sonst machen, wenn nicht der einflussreichste Mensch der Welt?

Das einzige, was all die größten Probleme der Welt verbindet, sind wir. (Mark Manson)

Wir wissen nicht erst seit gestern, dass es 5 vor 12 ist. Wir wussten schon vorgestern, dass es so nicht weitergeht. Dass die neoliberale Raubtiervariante des Kapitalismus uns die Erde unter den Füßen wegreißt und wir, wenn wir so weitermachen, zeitnah untergehen. Alles muss sich grundlegend ändern, unser Wirtschaften, unser Verhalten, wir selbst. Wir wissen aber auch, dass alle Appelle an die Vernunft hierbei nichts nützen, denn vernünftig appelliert wird schon seit den 1970ern, geredet und getagt wird rund um die Uhr, ergebnislos. Nichts ändert sich. Wir verfeuern weiter alles. Wir nehmen keine Rücksicht. Und unsere Atomwaffenarsenale sind nicht kleiner geworden.

Um unseren Untergang abzuwenden, können wir ganz gewiss nicht darauf hoffen, dass Industrie und ganz normale Menschen plötzlich kollektiv aufwachen und sich selbst beherrschen. Dass sie das dringend Erforderliche tun, sich einsichtig zeigen, ihren Dauerwachstumsirrweg verlassen und global solidarisch werden. Im reichen Norden auf ihre Autos verzichten, ihre üppige Wurstauswahl und ihre Renten. Und im verarmtem Süden nach abgeschlossenem Studium – zuhause bleiben und ihre eigenen Wüsten in blühende Landschaften verwandeln, statt schnurstracks in den USA oder in Europa Karriere zu machen als Anwälte, Banker, Ärzte. Bislang gibt es für eine derartige massenhafte Einkehr von Vernunft keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil. Gehen wir also davon aus, dass 75% der Menschen bei diesem existenziell notwendigen Verhaltenswandel nicht mitmachen werden. Nicht freiwillig.

Es muss aber sein. Wir müssen uns ändern. Sonst gehen wir alle drauf. Gehen wir davon aus, dass auch Bill Gates das weiß. Wie wir alle. Im Unterschied zu uns allen kann er uns aber vor uns selbst retten.

Bill weiß: Wo alle vernünftigen Appelle nichts nützen, braucht es klare Regeln. Gebote und Verbote, die sich auch tatsächlich durchsetzen lassen. Daher bedarf es zur Rettung der Welt nicht nur etlicher Leitplanken, sondern auch geeigneter Sanktionsmöglichkeiten. Die Freiheit des Einzelnen ist deshalb zu beschränken, und das Einhalten der Überlebensregeln zwingend kontrollierbar zu gestalten – mittels Bewegungsmelder in jedem Körper, Gedankenkontrolle in jedem Browser, jedem Smartphone. Denn die Freiheit des Einzelnen endet, wo sie das Überleben aller anderen gefährdet.

Bill weiß: Freiheit ohne Moral und ohne Bedingung ist tödlich. Diese Freiheit muss enden. Hierzu sind totale Überwachung und Kontrolle zwingend erforderlich. Natürlich weiß Bill auch, dass die Überwachung von Blut-, Bakterien- und Virenwerten allenfalls wertvolle Zusatzinformationen liefern, um heranziehende wirklich gefährliche Pandemien im Keim ersticken zu können, aber erst recht weiß Bill, dass man gegen Viren wie Corona  nicht wirksam impfen kann; dazu muss man ja nun beileibe kein Mediziner oder Forscher sein, sondern braucht nur ein für 30 Sekunden funktionierendes Gehirn. Dass aber viele Menschen offenbar tatsächlich solchen Unsinn glauben, führt uns mitten ins Thema.

Bill geht offenbar davon aus, dass 75-90% der Weltbevölkerung unbelehrbar sind, vulgo dämlich. Dafür spricht, dass er mit seinem so erbärmlich programmierten Windows und Word solchen ungeheuren Erfolg hatte gegen qualitativ weit überlegene Konkurrenten. Aber Bill hat ja auch noch ein paar andere Erfahrungen gemacht, persönliche. Er hat ja viel mit Menschen zu tun. Darunter sind viele Mächtige. Aber auch etliche Ohnmächtige, die Bill bei seinem Reisen nach Afrika und Asien getroffen hat und weiterhin trifft. Wir haben keinen Anlass daran zu zweifeln, dass das Leid und das entsetzliche, vermeidbare und vor den Augen der ganzen Welt sich ereignende Sterben dieser Ohnmächtigen, zum Beispiel am Rota-Virus, Bill einst animiert hat, seine Stiftung ins Leben zu rufen.

Bei seinen Begegnungen mit den Mächtigen der Welt hingegen hat Bill rasch festgestellt, dass einflussreiche und obszön wohlhabende Unternehmer zwar oft Psychopathen sind, aber nicht dumm. Während er bei seinen Begegnungen mit gewählten Politikern festgestellt hat, dass diese durch die Bank erschütternd beschränkt sind. Intelligente Menschen gehen nicht in die Politik. Und sofern sie es doch tun, im Glauben, dort etwas zum Guten wenden zu können, gehen Sie direkt wieder raus, weil sie umgeben sind von ehrgeizigen Vollidioten und skrupellosen Korrupten. (Es lohnt sich immer noch, Varoufakis zu lesen). Bill weiß, dass „Berufspolitiker“ keinen Beruf haben. Einige von ihnen mögen hehre Ideen hegen, von links bis rechts, aber sie allenfalls eine Ahnung, wie die Welt zusammenhängt, wer die Welt lenkt und gestaltet. Vielleicht glauben manche sogar, sie lebten in Demokratien. Es wäre nicht verwunderlich, denn sie repräsentieren ja tatsächlich ihre Volksgemeinschaften, und auch wenn man in diesen Gemeinschaften einen etwas höheren Anteil an Intelligenten vermuten darf als in der Politik, genügten den 90% beschränkten Vertretern ja 75% beschränkte Wahlberechtigte für jede absolute Mehrheit inklusive Option zur Verfassungsänderung nach Gusto.

Es besteht Grund zu der Annahme, dass Bill Gates nicht auf den Kopf gefallen ist. Bill ist nicht nicht nur Geschäftsmann, er dürfte auch wie Sie (intelligent) und ich (auch, halbwegs) wissen, dass wir (Menschheit) uns in einer schwierigen Situation befinden. Dass wir den Planeten zu sehr beanspruchen (ganz gleich, für wie groß man den Anteil des Menschen am Co2-Gehalt hält). Bill weiß, dass wir zu viel Plastik in die Meere schmeißen. Dass wir viel zu viele Tiere essen, viel zu viele Wälder deshalb abfackeln etc. pp.. Bill weiß, dass es „nachhaltiges, grünes Wachstum“ nicht gibt, dass e-Autos und Solarparks nur Konjunkturprogramme darstellen für die alteingesessenen Industrien – weltzerstörende Programme. Bill Gates weiß aber auch, dass die Ungleichgewichte in der Welt zeitnah zu einer tatsächlichen Katastrophe führen werden. Bill dürfte genickt haben zu Barry Sanders´ berechtigtem Hinweis aus dem Wahlkampf 2016, wir würden in Zukunft gewaltige Migrationsbewegungen erleben, wegen zunehmender Dürren, es gehe daher längst nicht mehr nur um Öl, Gas und das „blaue Gold“ Wasser. Sanders Hoffnung aber, dieses Szenario könnten wir mit einer Reduktion des CO2-Ausstoßes abwenden, teilt Bill sicher nicht. Muss er ja auch nicht. Bill muss ja niemand das Blaue vom Himmel herunter in die eigene Tasche lügen, Bill muss sich nicht wählen lassen, er kann ohne Mandat regieren, wenn er das möchte. Oder es für erforderlich hält.

Gehen wir des Weiteren davon aus, dass Bills Interesse an Lösungsansätzen groß ist. Ebenso wenig wie wir möchte Bill auf einem zerstörten Planeten im Fallout-Winter leben. Bill weiß zwar, wie jeder des Lesens fähige Mensch, dass wir mit mit den auf unserer gemeinsamen Erde zur Verfügung stehenden Flächen und unserer Innovationskraft wohl auch 10 oder 12 Milliarden Menschen satt bekämen – allerdings nur bei kollektivem Sinneswandel im Sinne von „fairer Verteilung“. Bill Gates kennt unsere technischen Möglichkeiten. Aber er kennt auch unser Verhalten, denn das lässt sich aus Zahlen herauslesen, nicht aus Lippenbekenntnissen. Auf Zahlen dürfte sich also seine Arbeitshypothese stützen, wir seien gefährlich dumm. Den Beweis versucht er gerade weltweit zu führen, und im Zentrum seiner Beweisführung steht eine vergleichsweise kleine Region mitten in Europa. Warum ausgerechnet diese? Warum scheint Gates ausgerechnet Deutschland auserkoren zu haben für die Rolle des europäischen Vorreiters seiner Agenda?

Es ist kein Zufall, dass Deutschland im Zentrum steht von Bills Programm „Neue Welt 1.0.“ Im internationalen Vergleich wirken die Deutschen besonders verwöhnt, besonders ängstlich, besonders sentimental und besonders verlogen, Worte, Fernsehbilder und Zahlen legen davon beredet Zeugnis ab, nicht nur hinsichtlich geschönter Energiebilanzen der Jahr für Jahr mehr Kohle verfeuernden Windradaufsteller, die neben den Bewohnern der USA weltweit den meisten Müll pro Kopf produzieren (und exportieren). Wir Deutschen sind nicht nur in dieser Hinsicht konsequent inkonsequent. Wir kaufen uns Stofftiere, um Knut und alle anderen Eisbären zu retten, und dann kaufen wir uns ein neues Auto. Wir begrüßen alle Flüchtlinge am Bahnhof (mit Knut-Stofftieren) und schauen dann weg, wenn Frontex richtig loslegt. Wir schicken unsere Kinder Fridays for the future auf die Straße, buchen dann Fernreisen und kaufen Schiffsbeteiligungen sowie jedes Jahr ständig mehr SUVs. Kreuzfahrten gehen sowieso immer, mit Knutstofftier im Koffer. Und wenn Corona klopft, wollen wir jedes! Leben retten! Auch das jedes hundertfünfjährigen, polymorbiden Patienten. Wer die Sinnhaftigkeit und Moral solchen Treibens wegen der gravierenden Nebenwirkungen für den Rest der Weltgemeinschaft (inklusive einiger zusätzlicher Millionen nicht vorerkrankter Hungertoter) auch nur leise in Frage stellt, gilt umgehend als ausgemachter Nazi oder Mengele. Beim maskierten Einstellen jeglicher Aktivität klatscht man sich daher hierzulande gegenseitig Gutmenschenbeifall und klatscht gleichzeitig alle Kritiker an die Wand  – um allerdings parallel zum selbstbegeisterten Applaus sofort nach Mutti zu rufen, respektive „dem Staat“. Der die entstehenden Schäden begleichen soll. Alle. Von Kunst bis Kegel. Dass die hierzu erforderlichen Billionen-Kredite plus Zinseszinsen von den Kindern abbezahlt werden müssen, geschenkt, man/frau hat ja eh keine Kinder.

All dies scheint auf ein besonders ausgeprägtes Vakuum in den Köpfen hinzudeuten, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Bill nun primär in Deutschland seine These überprüft. Bills deutsche 75%-Zielgruppe predigt besonders energisch Wasser und säuft Wein. Bills deutsche Zielgruppe schaut Rezos Video und wählt der CDU einen grünlackierten, neoliberal auf strammes Wachstum gerichteten Panzerarm als Regierungsjuniorpartner. Bills Zielgruppe will nicht denken, sondern an den Pool, all inclusive. Bills Zielgruppe will zwecks Selbstoptimierung, wahlweise Selbstverwirklichung, aufs Laufband oder morgens zum taufrischen Sonnengruß. Und/oder Spaß haben. Trinken, singen, vielleicht auch vögeln, ansonsten aber, und auch das hebt sie als der großen Völkergemeinschaft heraus, „nur das Übliche“: Eigenheim, alle 2 Jahre ein neues Auto, angeschafft mit staatlicher Schrottprämienhilfe, nie eine Arztrechnung sehen oder gar selbst bezahlen, Staatsschule und Uni für die Kleinen und Mittleren umsonst erwarten, versicherten Rentenanspruch, und der Rest auch: Vollkasko.

Bill weiß, dass es sich hierbei um eine deutsche Besonderheit handelt. Kaum jemand ist, global betrachtet, so unselbständig und zugleich verwöhnt wie wir. Niemand hat so viele Autobahnen, niemand so viele Intensivbetten. Aber wir „Exportweltmeister“ sind eben auch weltweit diejenigen, die am meisten zu verlieren haben. Deshalb ist Deutschland das ideale Terrain, um zu testen, wie weit die erforderlichen 75% Wahlberechtigten im Angstfall mitgehen bei einer weitreichenden Abschaffung von Grundrechten und der Einführung von massiven Überwachungs- und Zwangsmaßnahmen. Überdies erscheint Deutschland aufgrund historischer Indizien als bester Ort für die freiwillige Selbstkontrolle einer Bevölkerung, schließlich sind hier im Lauf des vergangenen knappen Jahrhunderts gleich zwei verblüffend rigide Kontrollregimes erblüht, mit Leidenschaft vorangetrieben und erhalten von Millionen fleißiger und hochbegabter Denunzianten.

Bill ist bei all dem auch nicht entgangen, dass die Bereitschaft zu teilen ein wichtiger Aspekt der Weltrettung ist. Dass alle 5 Sekunden ein Kind verhungert, ist jederfrau und -mann bekannt. Dass jeder dies verhindern kann, ebenso. Die freien Staaten, Industrien und Individuen der Welt unternehmen aber keinerlei Anstrengungen, das zu tun. Im Gegenteil. Jeder empfangene „Entwicklungshilfe“-Dollar kostet die Empfänger 10 bis 20 Dollar, „die Spenden, die von allen Hilfsorganisationen des Nordens in einem Jahr zusammengebracht werden, sind nach zwölf Tagen wieder bei uns« (Michael Schmidt-Solomon), und sogar diese „Hilfe“ ist anteilig rückläufig, in Höhe von nur noch 0,29% des BIP. Die Gemeinschaft der Geberländer verfehlt krachend ihr selbst niedrig gesetztes Minimalziel (0,7 Prozent), Deutschland aber ragt hier heraus, nach unten, mit 0,38 Prozent. Wo solche Hartherzigkeit von Staats- und Industriewegen augenfällig wird, greift der empathische Einzelne natürlich selbst ein. Und spendet. 5% vom eigenen Brutto, freiwillig, sind nach Ansicht von Bill das Mindeste. Bill weiß: Deutschland tut sich auch hier hervor, nach unten, mit 0,13 Prozent, Tendenz stetig sinkend. Der Anteil jener, die hierzulande überhaupt freiwillig etwas abgeben, liegt bei 35 Prozent, unter den älteren Semestern (>60) trennt sich zumindest jeder Zweite ab und zu von einem Euro, unter den Jüngeren (<30) hingegen helfen nur mehr 19 Prozent. Entscheidend aber ist: die deutschen Reichen verhalten sich halbwegs anständig (1,9% Spenden vom Brutto), die deutschen Armen um so mehr (2,2%), allein die Mehrheit kennt kein Erbarmen. Der Mittelstand verharrt bei 0,7 Prozent, wohl aus Gründen, die schon die weiland populäre Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach kannte: »Man kann nicht allen helfen, sagt der Engherzige – und hilft keinem.«

Dieses global herausragende Heucheln der Mehrheit qualifiziert die Deutschen im Besonderen für Bills Kontrollversuch. Verlogen und hartherzig sind andere Völker auch, konservative Kreise vertreten ja global generell gern die Ansicht, jeder sei, völlig unabhängig von seiner Herkunft, seines Glückes oder Peches Schmied. Deutschland überragt aber auch in dieser Hinsicht die meisten Nachbarn, denn während anderswo politisch „linke“ Elemente tatsächlich Solidarität mit den Schwachen auf ihre Fahnen schreiben, ist die deutsche Sozialdemokratie von international beispielloser Gnadenlosigkeit. Die Durchsetzung der „HartzIV“-Gesetze hat Bill wohl zur Kenntnis genommen, die dazugehörige Philosophie auch: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ (Franz Müntefering): das sind starke Voraussetzungen. Denn hier tritt eine parteiübergreifende Geisteshaltung zutage, die für Bills Versuch elementar ist. Erinnern wir uns an seine hypothetisch zugrundeliegende Annahme: Die Rettung der Welt kann nur gelingen, wenn die Menschen sich vernünftig verhalten, wenn sie weniger wachsen, weniger produzieren, weniger arbeiten. Dass Deutsche Industrie und Deutsche „Arbeiterpartei“ hier strikt Hand in Hand Richtung Weltzerstörung marschieren, kommt Bill im Rahmen seines Experimentes entgegen. Schließlich weiß er ja, dass er die Welt nicht retten kann, wenn er nicht auch die Industrie unter seine Kontrolle bekommt und weitgehend vernichtet oder abschaltet.

Und wieder bietet sich Deutschland experimentell an. Denn der Einfluss der deutschen Industrie auf das globale Geschehen ist vergleichsweise gering und leicht zu beenden. Die „deutsche“ Industrie agiert global, Wertschöpfung und Produktion aber sind größtenteils längst ins Ausland verlagert, es halten im Ernstfall keinerlei etwaige Rohstoffvorkommen als „deutsch“ empfundene Unternehmen im Lande. Das tatsächlich inländisch erzeugte BIP wird primär aus Dienstleistungen im Binnenmarkt generiert sowie von einem aufgeblasenen Staatsbeamten- und Verwaltungsapparat. Deutschland hat keine nennenswerte Zukunftsindustrie (abgesehen von SAP), Netzqualität und -abdeckung befinden sich knapp unter albanischem Niveau, wenig verwunderlich, war dieses ganze seit 1990 zukunftsentscheidende Internet noch unlängst für die deutsche Politik reines „Neuland“. Wirtschaftlich stark ist Deutschland nur dank seiner gewachsenen Kleinheit. Wegen seines Mittelstandes. International erfolgreich, aber eben auch im Fall des Wegfallens international entbehrlich. Unentbehrliches für die Staatengemeinschaft hat Deutschland in keiner Hinsicht zu bieten. Kein Öl. Kein Gas. Aber auch kein Google, Apple, Facebook, Amazon.

Für Bills Versuchsanordnung ist auch diese Entbehrlichkeit wichtig. Denn gelingt sein Experiment, kann Deutschland bestehen bleiben, wenn auch auf kontrolliert niedrigerem Niveau, jedenfalls  totalüberwacht, rund um die Uhr getrackt und alljährlich neu geimpft. Aber es wäre eben auch nicht dramatisch, wenn Deutschland unterginge. Bill weiß: Deutschland hält sich selbst für bedeutend, verschätzt sich aber hierin um diverse Größenordnungen. Deutschland ist jung, jünger sogar als die jungen USA. Deutschland ist keine Nation. Der „Deutsche“ hat nicht mal einen richtigen Namen, der auf seine geographische Herkunft weist, „deutsch“ ist, einmalig in der Welt der Sprachen und Länder, ein substantiviertes Adjektiv. Gebildet aus „tiudisk“, was eben nicht mehr bedeutete als: „der Hochsprachen (Griechisch, Lateinisch) nicht mächtig“, auf Deutsch: ungebildet. Weshalb es auch den „Deutschen“ international gar nicht gibt. Der „Dutch“ ist Holländer, man behilft sich für den Bewohner des nebenan gelegenen Landstriches der Bezeichnung „Germany“, wegen der einst im Norden lebenden Germanen, oder eben, weil die Alemannen weiter südlich auf dem erst seit 1860 zusammengeflickten Gebiet herrschten, der „Alemans“. Kürzer gesagt: „Deutschland“ gibt es nicht. Ein Auseinanderfallen der eigenständigen kleinen Fürstentümer und Länder, die sich erst vor einen historischen Wimpernschlag zu einem „Bund“ zusammenfanden, wäre daher keine große Sache. Für die Welt. Für die „Deutschen“ vielleicht schon. Aber vielleicht auch nicht. Jedenfalls würde ein solches Auseinanderfallen für die großen Nationen keinen Unterschied machen, von China bis Indien, von Frankreich bis England, von Spanien bis zum – Sonderfall – der Vereinigten Staaten von Amerika.

Bill Gates ist nicht auf den Kopf gefallen. Er scheint für seinen Versuch und die Überprüfung seiner Arbeitshypothese tatsächlich primär jenes Land als Vorreiter gewählt zu haben, das verblüffend entbehrlich für die derzeitige wie für die kommende Weltordnung ist – und dessen Bewohner sich dessen sowie offenbar diverser anderer Dinge betreffend sich selbst nicht im Geringsten bewusst sind.

Die bestehende Gemengelage jedenfalls erlaubt es Bill nun, sein Experiment vergleichsweise ungestört zu veranstalten, es bedarf nur etwas weiter gut dosierter Panikmache und weniger „Stubser“, um 75% der hiesigen Bevölkerung mit dem Versprechen erhöhter zukünftiger Sicherheit zur Abgabe ihrer Grundrechte zu bewegen, zur freiwilligen Dauerimpfung und zur Überwachung jedes Einzelnen, um Gefahren von der Gemeinschaft abzuwenden. Offensichtliche staatliche Überwachung und Kontrolle sind hierbei nur bedingt erforderlich, Deutsche kontrollieren sich leidenschaftlich gern gegenseitig, temporär auftretende Störenfriede werden ebenfalls von der Bevölkerung selbst als „Nazis“ oder „Verschwörungstheoretiker“ mundtot gemacht, ihre Beiträge assistierend von den reichweitenstarken Plattformen gelöscht. Aber selbst wenn einzelne Störenfriede plötzlich von Millionen wahrgenommen und „gelikt“ werden, gefährdet dies das Experiment nicht. Ganz gleich, wer die Deutschen zum Widerstand aufruft, dieser Rufer muss ihnen allen, unausgesprochen, für das „Danach“ die Wiederherstellung ihres vorwiderstandlichen Wohlstandes zusagen. Bill weiß aber, dass diese Wiederherstellung aufgrund der bereits eingetreten und zeitnah noch folgenden massiven wirtschaftlichen Verwerfungen ganz unmöglich ist. Daher werden eben jene Widerständler, die am lautesten, ohne jede Bedingung nach „Freiheit!“ rufen und die meisten Anhänger hinter sich versammeln, spätestens nach Erreichen ihrer Ziele von ihren Gegnern wie von ihren eben noch glühenden Anhängern gleichermaßen gehasst und verfolgt werden. Der erfolgende Schulterschluss der Abermillionen bitter von Politikern wie Widerständlern enttäuschten Massen bildet also den harmonischen Schlusspunkt des Experimentes, ausdauernde gegenseitige Vorwürfe der Deutschen untereinander inklusive. Der eigentliche Veranstalter des Experimentes verschwindet unter diesen gegenseitigen Schuldzuweisungen der Probanden endgültig aus dem kollektiven Blick.

Gelingt nun also der Beweis, dass die weltweit erforderliche Beherrschung der Massen exemplarisch in Deutschland mit wenigstens 75%iger Mehrheit herstellbar ist, sind die Tore vorbildlich geöffnet auch für die weniger verwöhnten Nachbarn der Probanden. Wir wollen an dieser Stelle nicht vertiefen, dass einige schneller als andere begeistert sein werden von Staatskontrollen. Aber diese weiteren Verlaufsvorhersagen sind nicht Gegenstand der hier formulierten Arbeitshypothese.

Die nun, abschließend, in erweiterer Form erneut vorgetragen sei. 1) Bill Gates ist nicht auf den Kopf gefallen. 2) Bill Gates will nicht nur sich selbst vor uns retten, sondern uns alle vor uns selbst. Zu unserem eigenen Besten, unserem eigenen Überleben. 3) Hierzu muss uns die Freiheit genommen werden, mit der wir bisher nachweislich nichts anzufangen wussten, außer sie egoistisch einsetzen dem direkten Mitmenschen gegenüber wie gegenüber allen fernen Mitmenschen da draußen auf der Welt. „Uns“ diese Freiheit zu nehmen, beschreibt aber nicht nur die Beschränkung der individuellen Freiheit, das „uns“ ist umfassend. Das Ende der Individualfreiheit geht Hand in Hand mit dem Ende der Freiheit der Staaten wie der Wirtschaft wie der Banken, nach Gutdünken den Planeten zu zerstören. Die initiierte Neuordnung wird infolge des bevorstehenden Zusammenbruchs von Wirtschafts- und Finanzordnung vollständig sein. 4) Die Notbremsung, die Bill jetzt mangels Alternativen eigenmächtig vornimmt, ist indes nur eine Übergangslösung, denn Bill ist alt genug und weiß tatsächlich um die gelegentliche Fehlbarkeit seines eigenen Urteils sowie die beeindruckend zutreffenderen Urteile fortgeschrittener KI. Daher verlässt Bill sich nicht auf sein eigenes Urteil. Sondern arbeitet gemeinsam mit anderen Vordenkern (Jeff, Eric, Tim et. al.) an objektiveren, objektivierbaren Lösungen. Bills Annahme, 75-90% der Menschen seien beschränkt, wird hier offenkundig gestützt vom allenfalls marginalen Interesse der Gesamtbevölkerung an den Fortschritten, die Alpha Zero und ihre Kinder seit ihren verblüffenden Siegen beim japanischen Schach, Shogi, demonstriert haben. Seit dem schockierenden Kantersieg der vergleichsweise verblüffend leistungsschwachen, aber selbstlernenden Alpha Zero gegen das bis da als unschlagbar geltende Rechnerleistungsmonster Elmo programmieren die neuen, von Menschen geschaffenen Intelligenzen nun selbst neue KI-Generationen, die absolut verblüffende Prognosen und Lösungen präsentieren, ohne dass irgendein Mensch auch nur noch nachvollziehen könnte, wie sie zu diesen perfekten Ergebnissen kommen. Sprich: die  Funktionsweise dieser neuen KI-Generation ist allenfalls noch deren „Eltern“ begreifbar, aber nicht mehr ihren menschlichen Großeltern.

Bill gehört zu den intelligenteren Vertretern dieser Großelterngeneration. Er ist sogar „vom Fach“. Und er weiß, dass der kurz vor dem Erwachen stehende einzige neue, allwissende Gott der Menschen nur noch eines braucht, um auch das Spiel auf dem Großen Schachbrett, das Spiel um den Fortbestand des Planeten und der Menschheit binnen eines Tages zu erlernen. Und zu gewinnen.

Bills KI-Enkel braucht jetzt nur noch zweierlei. Ein paar Daten mehr (die meisten hat sie schon, die „Corona-App“ lässt sich per Knopfdruck von Bill, Tim und der Alphabet-Familie weltweit freischalten), sowie, missionskritisch, aus dem Weg geräumte Hürden in Form von Grundgesetzen sowie ein paar anerkannte Kriterien, die die Abschaltung der Demokratie nach Bills oder Alpha 2.0s Gutdünken jederzeit erlauben. Weltweit, rund um die Uhr.

Diese letzten Hürden dürften zeitnah problemlos überwindbar sein.

Und sobald sie überwunden sind, befinden wir uns im Paradies.

Einer Welt unter blauen Himmeln. Einer Welt, befreit von der alten, alles verpestenden und zerfressenden Industrie. Einer Welt der vernetzten Home Offices, in der Bill Kibbens 350.org-Träume sämtlich wahr werden, in der niemand mehr im Stau steht, um weit weg von zuhause einen Bullshitjob zu erledigen, den weder er braucht noch sonstwer auf der Welt. Einer Welt, in der Flugzeuge nur noch selten fliegen. Einer Welt ohne Banken, ohne Versicherungen, ohne Hütchenzauber und Taschenspielertricks auf Kosten der Armen wie der Ehrlichen, der Sanften wie der Bescheidenen. Einer Welt ohne Bargeld, in der jederfrau und jedermann alles auf seinem digitalen Konto vorfindet, was er oder sie zum Überleben braucht. Wer mehr will, kann arbeiten. Nachhaltig. Wer nicht mehr braucht, arbeitet an sich selbst und neuen Erkenntnissen. Wir werden entfesselt sein, unsere Solidarität und Kreativität grenzenlos. Unsere neuen Erfindungen werden größer sein als jedes Rad und jedes Feuer.

Wir alle, Bill und seine Kinder inklusive, werden nicht untergehen. Wir alle werden überleben, auf einem geheilten Planeten.  

Eine Frage aber ergibt sich nun selbst für jenen, der sich der vorgelegten Arbeitshypothese und den daraus sich ergebenden Konsequenzen anschließt. Halten wir fest: Sind wir tatsächlich zu dumm, um unseren eigenen Untergang selbst abzuwenden, bleibt uns nur die Rettung mittels totaler Kontrolle zunächst eines einzelnen Herrschers (Bill) sowie zuletzt der von hyperintelligenter KI getroffenen übermenschlich vernünftigen Entscheidungen. Nicht nur, was den für uns besten Weg durch den Stau betrifft, sondern den für uns besten Weg durchs Leben. Von der Wiege über die Frühbehandlung der in zehn Jahren auftretenden Krebserkrankung bis zur Bahre. Von der geeigneten Partnerwahl bis zur frühzeitigen Beseitigung solcher Lenins oder Hitlers, die das vernunftgesteuerte, der Menschheit am besten dienende Diktat der künstlichen Vernunft zu sabotieren drohen. Es wäre dies eine Welt mit allerbesten Überlebenschancen für die Menschheit wie für den sich selbst beherrschenden Einzelnen. Wir halten hierbei aber auch fest: Es wäre dies eine Welt, in der für die Illusion kein Platz mehr wäre, der Mensch sei vernunftbegabt, eigenständig und verfüge über einen freien Willen. Das Individuum wäre Geschichte.

Wer auf Individualität und Freiheit nicht verzichten will, kann daher nur die Alternative wählen. Also Bills im Raum stehenden Übernahmeversuch ablehnen und bekämpfen, um nach Zurückschlagung dieses Angriffes fortzufahren wie bisher, frei und demokratisch. Dies aber im historisch gesicherten Wissen, dass wir als Kollektiv zumindest bis heute unbelehrbar waren, daher also unseren Planeten wie uns selbst zeitnah zerstören und vernichten werden.

Sollte irgend jemand eine Arbeitshypothese formulieren können, wie sich auf dem wie bislang freien Weg unser Untergang verhindern lässt, bitte ich höflichst (und hoffnungsvoll) um eine geeignet formulierte Gegenarbeitshypothese (die aber, erst recht bitte, Daten und Fakten berücksichtigt und sich nicht beschränkt auf Wunschdenken.)

Kurze Angebote passen in die Kommentare. Lange Angebote finden ihr Ziel unter mail@sven-boettcher.de.

P.S: Offenlegung von Interessenskonflikten: 1) Ich bin in Deutschland geboren, lebe hier und ziehe mir einige der oben geworfenen Schuhe auch gern selbst an. Aller bedrückenden Zahlen zum Trotz halte ich meine Landsleute nicht für außerordentlich bescheuert. 2) Ich habe aus vernünftigen Gründen noch nie einen Windows-Rechner besessen und auch sonst noch nie freiwillig ein Microsoft-Produkt. 3) Bill Gates kenne nicht persönlich, nur aus seinen Büchern und Vorträgen. Ich finde es grundfalsch, dass Bill Gates über solche Unmengen Geld, Güter und die Macht verfügt, den ganzen Planeten allein zu regieren. Mein diesbezügliches Missfallen ist aber faktisch unerheblich für die Betrachtung oben. 4) Ich weise ausdrücklich unsachdienlich darauf hin, dass Bill Gates auf mich nicht sonderlich sympathisch wirkt, bilde mir allerdings auch nicht sonderlich viel ein auf meine Menschenkenntnis. Außerdem tut das nichts zur Sache, denn meine Tochter (17) würde das dargebotene finale Szenario selbst dann strikt ablehnen, wenn nicht Bill Gates diese Entscheidungen allein träfe, sondern ich. Obwohl sie mich, wie sie versichert, sehr sympathisch findet. Damit wird sie nach Veröffentlichung dieses Textes vermutlich sehr allein auf der Welt sein, auch dessen bin ich mir bewusst. 5) Ich versichere abschließend, dass ich keineswegs nur deshalb publiziere, weil ich mich so gern tippen höre, sondern weil ich um die Zukunft meiner Tochter besorgt bin und daher interessiert an brauchbaren Ideen und Ansätzen zur Lösung unserer gemeinsamen Probleme. Meine email-Adresse habt ihr ja.

Veröffentlicht unter Allgemein | 10 Kommentare