Polizeipräsidium, frisch vom Mob übernommen

Wow. Ich hatte doch eher Sorge, dass die Weiße Mafia Peter Goetzsche verunfallen lässt, aber andererseits war der Gründer der Cochrane Collaboration natürlich durch seinen Bekanntheitsgrad und den Inhalt seiner Safes sehr gut geschützt. Ein tragischer Unfalltod Goetzsches hätte Big Pharma vermutlich mehr geschadet als genützt. Aber der Mob ist ja nicht auf den Kopf gefallen, im Gegenteil, denn wie sich jetzt zeigt, ist nicht nur Goetzsche aus dem Verkehr gezogen, sondern die Cochrane gleich mit. Also: Die unabhängige Vereinigung, die Big Pharma und Big Device seit 1993 der größte Dorn im Auge ist. Beziehungsweise: war, bis gestern.

Die Übernahme des ärgsten Widersachers – brillant – ging so (sehr verkürzt dargestellt). Goetzsche, immer noch Mitglied des Aufsichtsrates, hatte der European Medicines  Agency (EMA) gegenüber seine Ansicht zum Ausdruck gebracht, dass die Risiken der Gebärmutterhalskrebs-Impfung (HPV-Impfung) massiv unterschätzt resp. unkorrekt von den (pharmafinanzierten) Studienbetreibern dargestellt werden. Er hatte aber auch gleich noch seiner Cochrane öffentlich vorgehalten, bei der Bewertung der vorliegenden Studien fachlich wie methodologisch unsauber gearbeitet zu haben.

Diesen Vorwurf hatte die Cochrane energisch zurückgewiesen, Goetzsche hatte daraufhin geäußert: “People all over the world have interpreted the Cochrane editors’ criticism of us as being the ‘final word’. The editors did not even address our most important concern that the harms of the HPV vaccine had been greatly under-reported and that much of the clinical data is not included in the review”.

Daraufhin folgte Stufe 2 des geschickt eingefädelten Hit: Cochrane-CEO Peter Wilson und Goetzsche beschäftigen juristische Gutachter: Wilson wollte auf 400 Seiten belegen, dass Goetzsche den Ruf der Cochrane beschädigt hatte, Goetzsche feuerte auf 66 Seiten zurück gegen Wilson, dieser „zerstöre“ Cochrane, indem er die Collaboration wie eine „Marke oder ein Produkt” behandle. Goetzsche beklagte obendrein “serious abuse and mismanagement of Cochrane”, “tampering with meeting minutes” and “management by fear”. Die anwaltliche Beurteilung sollte bis zum 13. September erfolgen, aber wegen der Komplexität der Vorwürfe wurde daraus nichts. Festhalten ließ sich bis dahin lediglich: Wilsons Vorwürfe gegen Goetzsche entbehren jeder Grundlage.

In der nun folgenden Aufsichtsratversammlung wurden Goetzsche 5 Minuten Redezeit eingeräumt, danach wurde er des Raumes verwiesen, die anderen 12 Mitglieder hatten nun zu entscheiden, ob Gründer Goetzsche als No. 13 bleiben darf oder nicht. Nach 6 Stunden öffnen sich die verschlossenen Türen wieder – und Goetzsche wird gefeuert, mit 6:5 Stimmen bei einer Enthaltung. Er erfährt das nach 25 Jahren im Dienste der Cochrane (und im Dienste von uns allen) per eMail.

Eine Begründung wird nicht geliefert. Tags darauf, am 14. September, treten 4 Mitglieder des Governing Board zurück. Mehr als ein Drittel ist damit „raus“. Aber nicht nur deshalb ist Cochrane jetzt praktisch erledigt. Denn diese Rücktrittswelle ist nur der Nagel in den Sarg der Organisation: „The entire US Cochrane Centre has already closed down in the spring of 2018, in frustration over management and other centre directors are also contemplating leaving Cochrane. Whereas those who’ve been critical of Cochrane’s direction, have simply withdrawn, Gøtzsche spoke out publicly and has borne the consequences.“ (Maryanne Demasi: Cochrane – a sinking ship?/bmj, 16. September 2018).

Ein Vorstandsmitglied wird zitiert mit den Worten: “Cochrane has become too sensitive to criticism of the pharmaceutical industry”, Insider fügen hinzu: „a ‘possible concern’ might be that Cochrane fears that Goetzsche’s criticism of the HPV vaccines review would negatively impact its sponsorship from the Bill & Melinda Gates Foundation.“

Gleich wie: Auch wenn die Cochrane nicht „weg“ ist – was gerade passiert, ist sogar noch schlimmer. Denn wir verlieren unsere weltweit beste Quelle für die Einschätzung aller von Big Pharma und Big Device zusammengefälschten Studien (einen immer im Sinn: Niemand außer Big Pharma und Big Device darf die Studienrohdaten einsehen; kein unabhängiger Forscher und auch keine Regierung; bei Interesse vertiefe man sich in die Vioxx- oder Tamiflu-Skandale). Zusätzlich verheerend aber ist, dass der Mob nun erst recht am guten Ruf der Cochrane arbeiten wird, sie sei unabhängig. Denn hernach wird man uns Dinge die lebensgefährlich sind, nicht mehr nur dank gekaufter Ärzte als unbedenklich oder gar als nützlich verkaufen, sondern obendrein mit dem „Cochrane“-Siegel versehen. Einem Siegel, dem wir vertrauen.

Besiegelt ist damit so einiges, denn wir haben gerade unseren besten Verbündeten verloren. Um im Bild zu bleiben: An der Fassade der Polizeistation steht immer noch „Polizei“, das Schild leuchtet sogar heller als vorher, aber der Laden gehört jetzt den Typen, denen er eigentlich das Handwerk legen sollte.

Bei aller Erschütterung, ich kann mir nicht helfen: Das war von Anfang bis zum Ende des wackeren Polizeipräsidenten und seiner Leute ein brillant orchestrierter Anschlag des organisierten Verbrechens. Uns bleibt jetzt also nur noch: Abstand wahren. Nicht mehr nur zu den Verbrechern, auch zur Polizei.

 

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