Jede Menge Endzeit

Menschen, die (wie ich) aus gottweißwelchen seltsamen Gründen in schlaflosen Nächten gern Action-Sci-Fi-Endzeit-Filme sehen und deren DVD-Player gerade in der Wäsche ist, durchblättern bei Gelegenheit schmerzlos Patrick Lees The Breach (Die Pforte). Popcorn für die Rübe oder den Poolrand, einigermaßen sauber gebaut, erst recht souverän erzählt und jederzeit stromsparend.

Erheblich ambitionierter als der junge US-Drehbuchautor geht Liz Jensen zu Werke, deren neuer Roman The Rapture gerade unter dem etwas unglücklichen Titel Endzeit auf Deutsch erschienen ist (andererseits: wo ist das deutsche Wort, das gleichzeitig „Taumel“, aber auch „Verzückung“ bedeutet?) Die Story – eine junge Psychopathin und brachiale Muttermörderin sagt ihrer traumatisierten und halb gelähmten Therapeutin zutreffend das Ende der Welt resp. das Ende Englands voraus – ist nicht ganz gelungen, aber der Versuch verdient Respekt, denn während Lees „Pforte“ ein eleganter Sprung über eine bei 1.70 Meter liegende Hochsprunglatte ist, reißt Jensen 2.32 Meter (2.22 hätte sie geschafft). Wer also auch die Kühnheit des Versuchs in seine Bewertung künstlerischen Schaffens mit einfließen lässt, ist in Jensens literarisch ambitioniertem Endzeit-Offenbarungs-Ökothriller-Zukunfts-Frauenroman deutlich besser aufgehoben als beim Flachspringer Lee.

Liz Jensen: Endzeit (Ü: Susanne Goga-Klinkenberg, dtv 2011, 400 S., 14.90 €)
Patrick Lee: Die Pforte (Ü: Ulrike Thiesmeyer, Rowohlt 2010, 384 S., 8.99 €)
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