Brookers schwarzer Spiegel

Selten, dass giftige Kritiker tatächlich selbst irgendwas können – außer eben, bestenfalls, unterhaltende Rufmorde begehen. Charlie Brooker war lange Jahre ein exzellent komischer, bösartiger Kritiker der Dummbox und ihrer Protagonisten, was sich bei Bedarf noch immer nachlesen lässt (in seinen diversen buchförmig gesammelten Guardian-Kolumnen). In seinem letzten (2012 erschienenen) Buch „I can make you hate“ lässt sich allerdings gut nachvollziehen, weshalb Booker den Job liegen lassen musste, denn nicht nur galt er inzwischen als „hart im Schlagen, weich im Nehmen“, überdies hatte er sich tatsächlich haufenweise Erzfeinde gemacht – denn mit seiner eigenen Miniserie „Black Mirror“ hatte er bewiesen, dass er eben nicht nur kritisieren, sondern „Fernseh“ auch selbst deutlich besser kann als alle anderen.

Die beiden jeweils 3 Folgen umfassenden „Black-Mirror“-Produktionen sind fraglos große intelligente Unterhaltungskunst, technisch wie dramaturgisch perfekt gestaltet und obendrein hochrelevant. Wer mit einer solch perfekten Lieferung seine angestammte Nörgelbasher-Schublade verlässt, macht sich endgültig unbeliebt beim versammelten Mittelmaß und darf nicht auf Gnade hoffen. Erfreulich ist dabei allerdings, dass das müde zurückätzende Mittelmaß weitgehend ins Leere prügelt, denn Publikum und selbstbewusste Kritiker winken bloß müde ab und und lassen sich vom Absingen ihrer Brooker-Lobeshymnen nicht abhalten. Dass ich mich in den Chor einreihe, geschieht aus dem allerbanalsten Grund: hätte nicht mein junger Freund OK mich auf diese Serie hingewiesen, wäre ich weiter hoffnungslos durchs Leben getappt, jedenfalls durchs Fernsehproduzentenleben, im Irrglauben, es habe doch alles keinen Sinn, richtig gutes Fernsehen scheitere eben unweigerlich an Redakteuren, Produzenten und Publikumsdesinteresse.

Stimmt nicht, wie „Black Mirror“ beweist. Mit 6 45-Minuten-Filmen, die allesamt wie Leuchttürme aus dem Güllemeer herausragen, das täglich über unsere Mattscheiben schwappt. 6 eigenständigen Kurzfilmen, komisch, erschütternd, kunstvoll, die allesamt um die gleiche zukunftsnahe Frage kreisen: Welche schweren Nebenwirkungen wird eigentlich unsere Abhängigkeit von der Droge Technologie haben, in naher Zukunft?

Must see.

(Wie? Nein, natürlich gibt es keine deutsche Fassung).

(Lachen vom Band).

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