Pulp is back (without the pulp)

In meiner weit zurückliegenden Jugend (Am Exerzierplatz 13, im Schatten der Phoenix …) gab´s den Schriftschrott für Strickliesel und deren Mann am Kiosk ums Eck, die Damen links mit romantischem Unsinn, die Herren rechts, mit Krimis und ein bißchen Weltraum-Action: Groschenromane hießen die Dinger, amerikanisch Pulp, also Papierbrei, weil gedruckt auf grauem Altpapier, kosteten zwar nicht nur Groschen, aber auch kein echtes Geld, und wurden nach dem Lesen ganz unten in den Eimer entsorgt. Der Kiosk ist weitgehend hinüber, der Markt für Heftchen hingegen lebt – allerdings zunehmend auf den Kindle. Geändert hat sich eigentlich nur, dass in der romantischen Damenabteilung jetzt auch gevögelt wird, mit angezogener Handschelle. Und rot werden muss man an der amazon-Kasse ja nun wahrhaftig nicht mehr.

Das Ganze hat nur Vorteile: die Autoren dieser Kunstwerke werden nicht mehr ganz so wüst ausgebeutet wie einst (immerhin können sie sich jetzt selbst verlegen). Papier wird nicht verbraucht, nicht mal gebrauchtes. Und den echten Verlagen und ihren Autoren macht das Ganze nichts aus, denn die können ungestört weitermachen wie bisher: Die echten Verlage und der echte Buchhandel verdienen das Geld, die echten Leser freuen sich über schön gebundene Bücher, und die Autoren schreiben die Bücher praktisch umsonst.

Weiter im Text.

Dieser Beitrag wurde unter Künstlerdämmerung, Medien, Romane abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.