Korrektes Schwartzbild

Na. Endlich schreibt´s dann doch noch einer. Wenn auch nur Greg Palast und nur für Vice, also ganz und gar aus dem Off für deutsche Leser. Wer unter denen allerdings des Englischen mächtig ist, darf empört mitnicken – bei der Lektüre von „Aaron Schwartz died for Pierce Morgan’s Sins. Des Pudels Kern klingt so:

„I’ve read the indictment. The charge would have made Pinochet blush – and Torquemada proud. The prosecution said that Swartz had planned to make public millions of university research papers that had been sequestered by an information monopoly called JSTOR. The Internet was supposed to bring us freedom by making the world’s information available to all. No tyrant, no corporation, no commercial or political monopolist could keep vital information from the least village. Electronic democracy, the free flow of information, has always scared the crap out of the political and commercial oligarchs. SOPA and JSTOR were two of their responses.

If JSTOR were operating when Isaac Newton published, only a well-heeled elite would have the secret of thermodynamics. If Newton worked for Microsoft, we’d be paying a royalty for the use of gravity.“

Merken, bitte: Es ging Aaron Schwartz nicht um MP3-Piraterie oder gar fiese Angriffe auf die fiesen Rechteverwertungsketten der Industrie. Es ging, wie im Fall Manning, um alles. Und so war die Verfolgung des jungen Hackers nicht „übertriebene Härte“ der Staatsanwaltschaft, sondern nichts weiter als konsequent. An Schwartz wurde, gerade weil er kein Eigeninteresse an den heruntergeladenen Wissenschaftsdaten hatte, ein Exempel statuiert, mit harter Hand der Powers To Be, deren klare Aussage lautet. „Wer Demokratie fördert, geht lebenslänglich in den Knast.“ Oder bringt sich gefälligst um.

Geschmacklos folgerichtig das Feuer der Industriesprachrohre von Bild bis Spiegel, betäubend sicher gezielt mitten in die Sofas der Viehherde, frei nach dem Motto: „Asozialer, depressiver Nerd und Dieb begeht wegen nix Selbstmord.“

Es ging um mehr. Und geht um alles. Palast sei wieder mal Dank, dass er´s sagt und schreibt.


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