AutorenvonderHandindenMundraub

Dem maßgeblichen Flaneur und Zivilisationsphilosophen Henning Stegelmann ist hiermit kategorisch zuzustimmen: Bücher werden nicht ver- oder geliehen, basta. Eine anregende Buchempfehlung aus vertrauenswürdigem Freundesmund diktiert exakt eine Handlung, nämlich den Erwerb des gelobten Objekts zum Marktpreis – und eben garantiert keinen moralisch höchstens minderwertigen Versuch, den Künstler zu schröpfen. Vulgo: „Kannsu mir das ma leihn?“ ist arschklarer Mundraub.

In diesem Zusammenhang gestatte ich mir die anekdotische Randbemerkung, dass ich ein besonders unherzliches Verhältnis zu halbnahen Bekannten und Gelegenheitsbesuchern pflege, die mir ein Beleg-Exemplar eines meiner eigenen Werke aus dem Kreuz schnorren, um dann ein halbes Jahr später mal wieder vorbeizukommen und begeistert zu meinen, „Tolles Buch! Tolles Buch! Hab ich sofort gelesen und bestimmt schon fünfmal weiterverliehen!“

Ich weiß, ich weiß, das soll ein Kompliment sein, und ihr denkt darüber nicht nach, aber genau dies führt ja in meinem Dachkämmerchen zu massivkognitiver Dissonanz: Denn wenn kein Organ in eurem Körper wohnt und schaltet, das euch umgehend die demente Dimension solchen Verhaltens wie gedachten Loblaberns schallend zwischen den Ohren aufblitzen lässt, mit welchem Organ könnt ihr dann überhaupt Buchstaben Sinn abgewinnen, vulgo meine Bücher lesen?

Es bleibt rätselhaft. Aber tröstlich immerhin die Ergänzung des Flaneurs: „Weist man Menschen darauf hin, dass Autoren vom Verkauf ihrer Bücher leben – beziehungsweise satte 40 Cent pro 10-Euro-Taschenbuch einstreichen -, ja, da sagt dann fast jeder verblüfft: So hab ich das ja noch nie gesehen!“

Ich weiß ja nicht. Gelegentlich kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese dauernden Elektronik-Fachmärkte-Werbeclaims doch irgendwelche Schaltkreise weich machen.

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