Propaganda revisited

Wer gefälschte Meinungen in Umlauf bringt, wird mit Geld, Ruhm und Titeln bestraft – wusste schon Edward Bernays, Großvater der Werbewirtschaft und unfreiwilliger Lehrmeister des legendären Kotzbrocken Gobbels. Letzterer kannte Bernays 1928 erschienenes Propaganda aus dem ff und schätzte das Werk über die Maßen als Massenmanipulationsleitfaden, heutige Werber und Meinungsmacher sollten es allerdings nur lesen, sofern sie sich eh einen neuen Job suchen wollten. Denn spätestens nach der Lektüre der Urschrift (die nicht nur am Rande geschickte Werbung für die Werbung an sich ist) kann der Spin-Doktor und Massenmanipulator sich im eigenen Badezimmerspiegel nicht mehr ins Gesicht sehen. Neben viel Entlarvendem hat Bernays in dieser (endlich auf Deutsch vorliegenden) Zentralschrift aber auch wirklich vielversprechende Vorschläge im Angebot, die damals einigermaßen weit hergeholt klangen und heute doch bloß schauriger Alltag sind. Die (damals bloß visionäre) Neuorganisation des politischen Wahlkampfs weg von allen Inhalten – und hin zur reinen Massenverarschung – beschreibt jedenfalls keiner so präzis und reizvoll für die „heimlichen Herrscher“ wie Bernays. Sie haben ihn gehört, gelesen und reich entlohnt, und seinen Enkeln sind die einst visionären Manipulationssauereien längst zum zweiten Atem geworden. So lesen wir also, schaudernd, trotz des Abstandes, und mit großem Erkenntnisgewinn, wie smarte Psychologen sich selbst meistbietend und die Demokratie gleich günstig mit verkauften.

Edward Bernays – Propaganda. Die Kunst der Public Relations. Aus dem Amerikanischen von Patrick Schnur, orange press 2011 (nach der Erstausgabe von 1928), 160 S., 16.90 €
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