Warrior, unter Wert geschlagen

Die Spitzenfilme des abgelaufenen Jahres waren laut IMDB-Crowd The Dark Knight Rises, The Avengers, The Hunger Games und Prometheus. Recht hat der Schwarm, fraglos, dass alle vier mordsmäßig gelungen waren und hohen Unterhaltungswert bieten, dennoch rate ich zum Jahresausklang zur ergänzenden Ansicht meines letztjährigen Hollywood-Arthaus-Favoriten, nämlich: Warrior.

Huh? Zu viele Sportfilme geguckt*? Verrückt geworden? Möglich. Aber in meinen Augen ist Warrior kein Sportfilm, ebenso wenig wie Million Dollar Baby einer war, womit sich Warrior, wenn schon, am ehesten vergleichen lässt. Richtig ist, dass hier gehauen wird, und das nicht zu knapp, aber all die schrecklich gut gemachten Mixed-Martial-Arts-Kämpfe dienen lediglich als passender Hintergrund für ein großes und wunderbar erzähltes Bruderdrama, Vater-und-Söhne-Drama, Existenzdrama. Es geht, kürzer gesagt, nicht ums Gewinnen, sondern ums Verlieren. Also um Schmerz. Weshalb schon wieder der Hintergrund nicht passender gewählt sein könnte. Ach, kürzestmöglich: großes Thema, großes Buch (Gavin O´Connor & Anthony Tambakis), große Regie (O´Connor), großartige Schauspieler (Hardy, Edgarton, Nolte): große Kunst.

* Zugegeben, Unmengen. Weil ich nicht richtig gepolt bin für die Feierabendtaktik „Herr Kommissar, lösen Sie noch mal eben stellvertretend für mein Leben einen Fall“ und auch nicht permanent für „Comic Relief“ zu haben. Wer also z. B. noch immer bei Erwähnung von „Camp Nou“ leidet oder mit großer Vorfreude Woche für Woche der Fortsetzung des Echtzeit-Dramas um die 49ers und ihren jungen QB Colin K. entgegenfiebert, der schaut sich halt auch gern gut gemachte Heldengeschichten an, am besten solche, die ihre Wurzeln im Leben haben. Und wer so geneigt ist, der hat spezielle Freude an Filmen wie z. B. Invincible, Miracle und Moneyball. Verirrt der Geneigte sich obendrein noch in die Dokus Closer To The Edge oder Senna, kommt er vermutlich zusätzlich ins Grübeln über den Sinn seines eigenen Tuns und Treibens zwischen 9 und 5 und stirbt danach schlimmstenfalls für seine wahre Leidenschaft. Eingedenk der Tatsache, dass „Sterben“ dramaturgisch eh gesetzt ist: Es gibt schlechtere Todesarten, zum Beispiel die meisten anderen.

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