Don´t mess with the RomCom Audience

James L. Brooks jüngste Komödie How Do You Know? (dt: Woher weißt du, dass es Liebe ist?) ist ein äußerst charmantes und kurzweiliges Vergnügen, hat aber trotzdem so zirka die schlechtesten Kucker- und Käuferbewertungen seit Angriff der Killertomaten, deshalb gestatte ich mir diese unmaßgebliche Empfehlung für einen der kommenden zirka 200 Sommerregentage. Jane Doe ist jedenfalls not amused und meint via IMDB-und-Amazon-Rezension von-bis: „complete waste of time“, „psychotic mess“, „a disgrace“, „worst movie in cinema history“, „horrible“, „no story line, no comedy“, „z-list script“, „awkward, stiple nonsense“, „defines rom com Torture in the 21 century“.

So weit die repräsentativen Stimmen der wütenden Ritalin-Abhängigen, die auf dem Weg zur Apotheke einen kurzen Abstecher ins Kino gemacht haben, um sich zu amüsieren. Die wenigen anderen (wohl zirka 5% des Publikums) mögen Szenen wie diese (keine Sorge, kein Spoiler, sondern exemplarische Erklärung): Das erfolgreiche und schlicht gestrickte US-Softball-Star-Girl Lisa (R. Witherspoon) verbringt eine Nacht mit Frauenheld-Major-League-Baseballstar Matty (L. Owen). Am nächsten Morgen bietet Matty ihr was zum Drüberziehen an, in seinem begehbaren Kleiderschrank, und findet auch was, einen pinken Sweater. Im Schrank, aus dem er den holt, liegen aber auch noch 10 weitere, alle frisch aus dem Laden, mit Aufklebern „M“, „S“ und „XS“, alle pink. Das findet Lisa natürlich nicht lustig und stürmt vorwurfsvoll aus der schicken Wohnung. Nu müsst´s weitergehen mit: Cut. Sowie Popcorn. Und dem Rest vom Bausatz: „Na, wie kriegen die 2 sich doch noch?“

Tut´s aber nicht, und zwar sofort. Denn Lisa macht auf der Schwelle kehrt, geht zurück zu ihrem dussligen Lover und entschuldigt sich, dass sie ihn angeschnauzt hat. Das war blöd, denn sie hattten ja tollen Sex, und er ist halt, wie er ist. Was sie ja auch wusste und weiß, und deshalb war´s dämlich von ihr, empört zu sein. Worauf der durchgehend fröhlich behämmerte Weiberheld („Good Game! Good Sex! Good Talk!“) sie anlächelt, nicht souverän, sondern verklärt, und sagt, er habe eigentlich gedacht, sie komme nur zurück, um ihn noch mal anzuschnauzen, aber so … habe sie sich gerade in seine absolute Traumfrau verwandelt.*

Das ist … nasagenwirmal erstens komisch, weil Witherspoon und Owen es blitzsauber spielen, zweitens überraschend, drittens subtil und hat vor allem verdammt viel mit Liebe zu tun, allerdings nicht mit dem, was Bunte-Leserinnen drunter verstehen. Und so geht´s dann eigentlich die ganze Zeit weiter. Brooks (Buch und Regie) macht alles anders als die anderen Kinder, und so lässt sein Film die normale „Rom-Com“-Kartoffel wenigstens ratlos, mehrheitlich aber stinksauer zurück. Denn „Pragmatismus“ spielt hier nicht mal eine Nebenrolle, schon gar nicht im kernverlogenen ZDF-und-Lore-Roman-Dauergewand „Romantik“.

Ich habe lange nicht mehr so viel & herzlich gelacht. Zuletzt vermutlich bei Brooks Spanglish, der sogar noch ein bisschen toller ist als dieser, was in so fern keine Kunst ist, als Spanglish ja nun mal zu den schönsten Filmen aller Zeiten gehört. Aber How Do You Know ist, was Herz und Hirn betrifft, dicht dran. Und verständlicherweise bei den Herz- und Hirntoten durchgefallen, die eben nicht mal die Frage verstehen: „Woher weißt du, dass es Liebe ist?“.

In Memoriam: Stefan Schulder, der mich zu Lebzeiten aus einem Kölner Café anrief und sagte, „Pass auf, hier sitzen am Nachbartisch so drei superschicke Frauen, die sind alle mit so SUV´s vorgefahren, und die eine sagte gerade zu den anderen beiden, „Also, ich liebe meinen Mann aus ganz anderen Gründen“, und die beiden anderen haben verständnisvoll genickt.“ Worauf ich furchtbar lachen musste, Schulder lächelnd sagte, „Siehst du, deshalb hab ich Dich angerufen; ich kenn außer dir niemand, dem ich nicht erklären muss, warum das zum Schreien komisch ist.“

Brooks hätte er auch anrufen können.

* Spoiler: Wieso sollten die 2 sich kriegen? Was wär denn daran echt, wahr oder komisch?

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