Quintessenzen mit Ton

„Wenn man nicht Auto fährt und nicht bügelt, weiß ich in der Tat nicht, was Hörbücher sollen“ (Harry Rowohlt) – stimmt (außer wenn man gern hörend einschläft, was man allerdings nicht mit den Varianten oben verbinden sollte). Aber wenn man schon mal die einmalige Gelegenheit hat, einen eigenen Bestseller auch noch selbst „einzulesen“ zu dürfen, und dann noch für einen ganz wunderbaren Hörverlag, dann macht man das natürlich. Und sei es nur, um anschließend ein ungeheuer lautes Loblied auf jene Menschen singen zu können, die so was professionell betreiben. Denn ließe man Leute wie mich das machen, würden Hörbücher nicht 9.99 € oder 19.99 € kosten, sondern 299 €. Und sämtliche deutschen Tonmeister wären Nervenwracks.

Dass also das Ergebnis ganz erstaunlich wunderbar geraten ist, verdankt der geneigte Hörer mehr oder minder ausschließlich Meister Karsten Deutschmann, der im Booklet viel zu klein erwähnt ist, denn eigentlich müsste vorn auf dem CD-Cover sein Name stehen – und nicht meiner. Für die gute Stimme kann ich ja nichts, die Bänderanatomie hab ich mir nicht selbst gebaut, die Texte sind mir zugeflogen, und das einzige, was ich bewusst steuern konnte, war: gefühlt 8.000 x pro Satz neu ansetzen. Was am Ende, nach fertiger Produktion und hocherfreuter Abnahme durch den Verlag, zu folgendem Mailwortwechsel zwischen Studiochef Henry Sperling und dem Sprecher führte:

HS: Hab am Freitag mit Frau Steinbach noch länger nett geplaudert. Die sind ja alle dort wirklich angetan, aber das willst du gar nicht wissen, ich sachs aber trotzdem … obwohl du das ja gar nicht wissen willst … sag ich das aber trotzdem …

SB: Ich glaub, wenn man mich vierhundert Mal aus ner Kanone über ne Eisfläche schießt und das mit Zoom filmt, dann sieht das am Ende in nem 30-Sekunden-MTV-Clip auch fast so aus, als könnt ich Schlittschuhlaufen.

Ich höre von jetzt an Hörbücher mit anderen Ohren. Denn die, die das normalerweise machen, bringen nicht 5 Tage mit 160 Seiten zu, sondern schaffen in der Zeit vermutlich 500. Und verlesen sich nicht. Und müssen sich nie räuspern. Oder höchstens dreimal pro 20 Seiten. Wären die wie ich, wären längst alle Hörbuchverlage pleite. So trage ich ab jetzt bei jedem Gang in frischer Luft einen Hut, damit ich den sofort ziehen kann, sobald ich einen echten Sprecher treffe. Meine Herren! Und meine Damen! Phantastisch! Großartig! Unfassbar! Hohe Kunst! Chapeau!

Und Karsten: Danke. Hunderttausendfach. Sowie ebenfalls und doppelt: Chapeau. Es klingt wirklich wunderbar. Als wär´s ein Sonntagsspaziergang gewesen, leicht, heiter, weise und entspannt, und kein Höllenritt. (Wir sagen das einfach keinem, okay? Merken wird´s ja keiner. Kann ja keiner. Ha! Du Genie!)

Einkaufswege (informierte): entweder direkt über die Verlagswebseite – wer auf diesem Weg bestellt, tut dem tapferen Steinbachverlag einen Gefallen, denn so bleibt nichts im Zwischenhandel hängen. Alternativ, per Click aufs Cover:

Auf diesem Weg via Amazonas-Gebiet erhält der „Zwischenhändler“ (in diesem Fall = ich) allein fürs Vermitteln mehr als der Autor (in diesem Fall = ich) für´s Schreiben des Buchs, sprich: 5% vom Verkaufspreis (ohne Mehrkosten für den Käufer). Absurd? Total. Aber diese 5% gehen an www.lsms.info, nützen also ebenfalls tapferen Menschen.

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