Eiswürfel auf Eis (Künstlerdämmerung #14)

Komisch. Seit das öffentlich-rechtliche Fernsehen dank der neuen Gebührenordnung im Geld schwimmt, haut das ZDF nur noch diese sagenhaft fiesen Autoren- und Produzentenverträge raus, und unisono heißt’s bei allen Sendern von NDR bis BR nurmehr: Würden wir gern machen, darf aber nichts kosten. Wir müssen sparen. Wir haben kein Geld. „Ganz schlechte Zeiten für Innovationen oder auch nur kleine Risiken“ (Entscheidungsredakteurin N. N., BR, total nett, und ich meine: wirklich total nett).

Mei. Gut. Verstehe. 98% des Budgets müssen für Pensionen und Festangestellte ausgegeben werden, 2% für die Weihnachtsfeiern, da bleibt fürs Programm nicht mehr sooo viel. Müssen wir Kreativen halt umsonst arbeiten. Macht ja nix. Machen wir.

Dabei ensteht dann aber ein interessantes neues Problem, hier exemplarisch. Denn obwohl alle angesprochenen Partner (Darsteller, Crew, Sender) mein neues Lieblingsprojekt „Die Zeit ist um für Ernst Eiswürfel“ total toll finden, eine ganz großartige Fake-Doku über den allerersten deutschen Reality-TV-Kultstar (der mit seinem unfähigen „Engel“ ja vor nun schon 25 Jahren höchst erfolgreich durch die ARD-Sender sprang, immer fast vom Balkon); und obwohl ich Autor und Produzent notfalls gar kein Geld will und Darsteller und Team nofalls auch noch selbstbezahlt mitbringe, wird nix aus den 45 Minuten, weil: der einstige bayerische Heimatsender mir zwar unter diesen sehr günstigen Gratisumständen gern 15-20 Minuten (von den 1989-1992 produzierten circa 180 Minuten) zur Verfügung stellen würde, das aber nicht darf, weil er die Rechte an seinem eigenen Material

… nicht hat.

Das nämlich wird bürokratisch vermarktet. Und sofern ich das verwenden wollte oder möchte (erfahre ich, nachdem ich mich vom sehr netten Pförtner aus durch alle Abteilungen gefragt habe und im Gegensatz zum Vermarkter selbst jetzt sogar weiß, in welchem Archiv das Zeug liegt), kostet mich die Geschenkaktion für den gestopften Sender … 60 bis 90 … tausend … Euro.

Mh. Hab ich 60-90tausend Euro? Mal kurz kucken. Nö. 3 Euro 47. So wird das nichts, nicht mal wenn ich umsonst arbeite, die sechs Wochen.

Das Ganze läuft also hinaus auf: „Schönes Projekt, wollen wir alle wahnsinnig gern zum 25sten Jahrestag unseres frühen Kultstars sehen, denn wir lieben ihn ja immer noch, unseren „Ernsti“, nur: Sie Autor, Erfinder und Urheber müssten umsonst das Skript schreiben (hey; hab ich schon!), die Produktion bezahlen und unserem Rechteverwerter 90.000 Euro überweisen, die Sie natürlich nie wieder einspielen können. Aber wenn Sie fertig sind und alles bezahlt haben und all unsere BR-und-anderen-ARD-Zuschauer glücklich sind – dürfen Sie´s auch gern auf ihrem eigenen Youtube-Kanal zeigen. Ohne weitere Kosten für Sie!“

Ja. Kann man so machen. Oder auch nicht. Sondern vielleicht doch dezent anders. So gebe ich also auch in näherer Zukunft weiter den Quixote für Arme, verhandle weiter über dies oder das für 2016 mit all den netten, bettelarmen öffentlichen Sendern, und nehme die Aussage des Rechteverwerters gern zur Kenntnis, dass er mir die online-Rechte an allem sowieso leider nicht verkaufen kann, weil … er die nicht hat.

Sondern ich.

Cool.

Sobald ich einen Praktikanten gefunden habe, der das für mich alles ins Youtube hochlädt, gibt´s also die ganze legendäre Ernst-Eiswürfel-Zeitreise noch mal im Netz, denn sogar dort fehlt sie bislang. Und das mit dem Praktikanten klappt bestimmt demnächst, denn wenn das so weitergeht, werden nach den Autoren und Produzenten ja demnächst auch alle Redakteure „freigestellt“. Und bei mir dürft ihr immer klopfen, ich bin doch nicht nachtragend.

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2 Antworten auf Eiswürfel auf Eis (Künstlerdämmerung #14)

  1. Ernst_Eiswürel sagt:

    Wie man sieht, klingelt die Kassse doch immer prima, wenn man Schwache und Außenseiter plattmacht; wohl alle denen, die sich über Suizidversuche amüsieren können.

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