Diesseits von Utopia, das Jenseits fest außer Sicht

Ich mag Erdbeeren, aber nur meine unbehandelten (Corona). Die hiesigen Rehe (12) mögen Erdbeeren auch, sogar ungeborene, also grüne Minifürchte und das dazugehörige Grün. Somit ist mein Plan, im Mai meine eigenen Erdbeeren zu essen, weitgehend vom Tisch, denn um das Beet hält bereits ein 50 Zentimeter hoher Maschendrahtzaun Mäuse und Schnecken leidlich zurück (die Mäuse können hervorragend buddeln), ein zusätzliches Vogelnetz soll nun den Rehen die Blattfresserei erschweren, aber, nicht vergessen, es kämpft natürlich auch dauernd Unkraut im Beet mit den Erdbeerpflanzen um den Platz, und von den nicht totzukriegenden Brombeeren will ich gar nicht erst anfangen. Geschweige denn vom Spinat in den Hochbeeten (weg, Rehe), geschweige denn von den schönen winzigen Kohl-Pilotblättern (weg, Schnecken).

Will sagen: 1) Mein unmöglicher Nutzgarten bleibt eine schöne Übung in Demut. 2) Michel Jacobi kann das alles wesentlich besser. Michel steht aber auch morgens um 5 auf und geht abends um acht schlafen. Sofern er nicht ausnahmsweise zoomt. In diesem Fall (Link unten) mit mir. (Danke :).

Ich wusste nicht, dass Robert Habeck in Schleswig-Holstein so enorm viel Land verwaltet. Ich wusste allerdings schon, dass man sich hierzulande nicht einfach Schlafhütten aufs Grundstück stellen darf und Pferde oder Ziegen daneben, die bürokratischen Hürden sind, logisch, unüberwindbar. Doch, ich hatte vor 3 Wochen mal gegoogelt, unter welchen Umständen ich hier Landwirtschaft, Tierhaltung und Tiny Houses verbinden könnte, kurz: Mwuharrharr! Denn, klar: Wo sind wir denn hier? Na, eben, draußen nur Kännchen, Trinken nur mit Strohhalm, und Sterben ist sowieso verboten, auch drin.

Die eine Bemerkung von Michel will ich aber vorweg spoilern und anders kommentieren, als ich´s im Gespräch getan habe. Michel wies nämlich darauf hin, in der naturnahen Gemeinschaft, in er und seine Familie in Karpatien leben, erreichten viele der „Babas“, der weisen alten Frauen, ein weit höheres Alter als anderswo in der Welt, manche würden sogar 80, 85. Bei guter Gesundheit. Hierzulande sterben wir an allem möglichen, im Schnitt mit 82. An Corona im Schnitt mit 84. Anders als Michel finden wir das aber nicht im Positiven bemerkenswert. Unser Durchschnittsalter ist doch kein Alter.

Katia wäre mit 50 fast auf der Strecke geblieben und weiß, dass sie, mit viel Glück, noch 15 Jahre hat. Ich wäre mit 40 fast auf der Strecke geblieben und hoffe ebenfalls auf die 65. Mein hiesiger Nachbar, fleißiger Obstbauer, ist 60, hat schon zwei Infarkte hinter sich und weiß, dass er wie all seine männlichen Vorfahren an Herzversagen sterben wird. Möglichst, wenn es nach ihm geht, im Feld. Und möglichst noch nicht so bald. Aber er freut sich, dass er nicht mit 80 im Heim sitzen wird. Würde er nie machen. Notfalls hat er ja sein Gewehr.

Die 80jährige Mutter einer Freundin unserer Familie, bis vor 4 Wochen kerngesund, hatte netterweise die Pflege eines vorher Freundes übernommen, ebenfalls 80, kerngesund, dann aber frisch doppelgeimpft und schwer angeschlagen. Das Pflegen reichte allerdings nicht, nach einigen Tagen musste der Freund ins Krankenhaus, Diagnose Covid, die inzwischen hustende Freundin wurde mit untersucht, ebenfalls Covid, mit der höchsten Virenlast, die die behandelnden Mediziner bis dato gesehen hatten. Beide landeten auf der Intensivstation, der geimpfte, Viren aushustende Freund überstand die Lungenentzündung um Haaresbreite und ist wieder zu Hause, seine pflegende Freundin nicht. Nach einer Woche im künstlichen Koma, mit Schlauch in der Lunge, wollte man die Patientin wieder aufwecken, stellte fest, dass die Lunge nicht mehr funktioniert, nun muss man der Tochter beibringen, was das bedeutet. Die Tochter hatte bis vorgestern noch nie darüber nachgedacht, dass ihre Mutter sterben könnte. Sie ist doch noch jung, erst 80.

Die Mutter der Frau meines Vaters (83) ist 101. Ihre Kinder, um die 80, erwägen jetzt, sie doch mal in ein Heim zu bringen, denn das dauernde Krankenhaus-Rein-Raus ist für alle Beteiligten mühsam.

Und ich frage mich die ganze Zeit, was denn bloß los wäre, wenn wir akzeptierten, dass man mit 80, 85 Jahren ein langes und schönes Leben hatte. Das natürlich weitergehen kann. Oder auch nicht. Frage mich, was denn bloß los wäre, wenn wir auch nur den Hauch einer realistischen Einstellung zum Leben und zum Tod hätten. Frage mich, was dann los wäre, wegen „Covid“, und frage mich nicht, sondern weiß, was los wäre: Nichts.

-> Auf ein paar abendliche Worte mehr mit Michel Jacobi, Schleswiger Landwirt und Tierzüchter in Karpatien

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1 Antwort zu Diesseits von Utopia, das Jenseits fest außer Sicht

  1. NickNackMan sagt:

    Moin,
    das Erdbeerproblem sollte man als guter Deutscher doch einfach lösen können. Erstmal Schilder aufstellen (Behörden lieben Schilder) „Für Rehe verboten“ und etwas tiefer „…für Mäuse auch“. Zusätzlich ein nächtliches Ausgangs- und Rankverbot von 20:00 Uhr bis 8:00 Uhr. Wenn das nicht hilft, mehr Schilder aufstellen und mehr Testen … ups, jetzt bin ich vom Thema abgekommen.

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