Das Ende des Dollar und die Folgen

Zum unmittelbar bevorstehenden Frontalangriff Chinas, Russlands und ihrer Freunde und Verbündeten auf den US-Dollar (kurze Einleitung hier -> im Rubikon) fällt dem geneigten Betrachter natürlich zunächst mal auf, dass a) das jüngst satt auf 700 Milliarden erhöhte Pentagon-Budget wohl nicht ganz ausreichen wird, um den Krieg zu gewinnen und b) die öden deutschen Wahlkampfthemen zeitnah in den Bedeutungscharts dort landen, wo sie hingehören, nämlich im dunklen Keller.

Im übrigen machen wir uns doch jetzt endlich mal Gedanken oder sogar Sorgen, lesen dabei aber noch rasch und mit großem Genuss Lionel Shrivers neuen Roman „The Mandibles: A Family, 2029-2047“. Nicht nur, weil Shriver wie stets ungeheuer gut, böse und komisch schreibt, sondern auch das richtige Szenario heraufbeschwört: Das Ende des Dollar, eben – nachdem China, Russland und deren Freunde und Verbündete über Nacht eine neue gemeinsame Währung einführen, den „Bancor“, und die USA ebenso über Nacht den US-Dollar international wegwerfen müssen – respektive nur noch in „America first“ verwenden können, weil er anderswo nun auch offiziell nichts mehr wert ist. Die Folgen sind natürlich entsetzlich, aber Shriver kann ja genau damit am besten umgehen: Mit der Beschreibung der Desintegration von Mensch, Charakter und Familie in Grenz- oder Nahtodsituationen. Als Leser braucht man dann ja nur noch einen ebenso eigenen Sinn für Humor wie die Autorin. Sowie starke Nerven. Oder ein Gebetbuch.

Im übrigen, da wir ja unter uns sind, weise ich darauf hin, dass ich den kommenden Zustand schon 2012 eigenhändig gestaltet habe. Sogar mit Lack drauf.

Aber das ist ja nur ein Bild. Und in diesem Fall ersetzt es eben nicht Shrivers paar tausend ausgesucht treffende Worte. Die sind im Buch, unter dem noch nicht roten 404-Schein.

Lionel Shriver / The Mandibles: A Family, 2027-2049, Harper Collins, April 2016, 400 S., 10.99 €. (P.S.: Shrivers Buch erscheint im Februar 2018 auch auf Deutsch, bei Piper, unter dem Titel „Eine amerikanische Familie“. Wer meint, so lange warten zu können, hat hoffentlich Recht.)

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