This is us

Großartig. Eine wunderbare, herrliche Serie. Thematisch unheimlich lebensernst, dabei (oft) saukomisch, unfaßbar gut gebaut und getextet (von Dan Fogelman, Creator unter anderem von Rapunzel – neu verföhnt, und schon wundert man sich nicht mehr über den Esprit, der durch This is us weht), völlig zurecht vom globalen Schwarm auf 8,8 Imdb-Punkte hochgejubelt und zum Start der zweiten Staffel in den USA mit sensationellen Rekordquoten eingeschaltet.

In Deutschland schrieb Marek Bang (kino.de) zum Ende der Ausstrahlung von Season #1 „zum Glück ist der Spuk jetzt vorbei“ – für Pro7 wie für das belästigte Zuschauervolk, denn von fürchterlichen 700.000 Interessenten war der Welthit hierzulande bis zum Staffelende auf entsetzliche 400.000 abgestürzt. Das ist, vorsichtig gesagt, deutlich weniger als gar nichts.

Ich gestatte mir an dieser Stelle ein „Sag ich doch!“ in Richtung all der freundlichen Produzenten, die mich immer wieder anrufen und dringend bitten, eine moderne Familienserie für ARD, ZDF oder was Privates zu entwickeln – und dann nicht verstehen, weshalb ich das nicht mache (nicht mehr, nicht schon wieder). Aber jetzt, bitte, endgültig: bleibt uns doch nur gemeinsam ganz entschieden zu konstatieren, dass alle deutschen Redakteure völlig Recht haben, die meine (ernsten, saukomischen, unfassbar gut gebauten und getexteten Serien und Filme) am Ende 8-12 Folgen lang und hoch auf Papier liegen lassen und nicht machen (sprich: nicht drehen), denn es gibt für so was in Deutschland wirklich, wirklich absolut kein Publikum.

Aber für Krimis, abgeschlossen, mit klaren Strukturen und fähigen BeamtInnen für alle Fälle, aus debiler stabiler Pappe geschnitten – immer. Sechs Millionen, mindestens, zu jeder Tageszeit.

Eben: This is us. Das sind wir.

(Aber wo wir gerade dabei sind, Produzenten, Sender: Möchte vielleicht jemand „Danny und die L.E.I.L.A.“ kaufen? Supergut! Ehrlich! Ich schwör´s! Konzeption für Season 1 liegt ausführlichst vor (Horizontale ist skalierbar!), dazu 2 fertige Folgen. Vielleicht ein bisschen zu gut getextet, vielleicht ein bisschen zu sehr auch für Zuschauer zwischen 18 und 40, also die, die ihr gar nicht mehr auf dem Schirm habt, aber: mit Krimi drin. Auch. Aber nicht nur! Mail genügt! Ich antworte sogar)

Und unterwegs gucken wir, das versprengte Häuflein mit Geschmack, Sinn für Lebensernst und Humor, das Flop-Programm auf DVD weiter (– oder warten noch ein paar Tage, sofern wir beim bösen Amazon Prime-Kunden sind, denn angeblich hat die Krake Jeff sich auch This is us gesichert, also gäb´s das dann auch hierzulande weiter, wie alles Gute, im Bezahlprogramm.)

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Coke: strong buy!

Börsentipp, eiskalt serviert: Coca-Cola. Warum? Weil Coke weiter wachsen wird, wie der Laie schon an dieser verräterischen Insider-Info erkennt: Eine Milliarde zusätzlicher Plastikpullen im letzten Jahr! Tendenz für 2017/2018: steil steigend.

Andererseits, zugegeben, eine Milliarde, das ist jetzt auch wieder nicht soo viel, denn wir produzieren ja global minütlich 1 Million PET-Flaschen, da sind die paar extra Coke-Pullen binnen 16 ½ Stunden dazugeschmissen, und doch: das ist ein kleines, aber klares Signal für gesundes Konzernwachstum!

Und wir Deutschen dürfen da jetzt ja wohl auch mal smart sein und Aktien kaufen, ohne schlechtes Gewissen, denn wir werfen unsere Flaschen ja nicht ins Meer, wie alle anderen. Unsere  werden recycelt! Unsere 46 Millionen täglich. 17 Milliarden Flaschen per anno, 200 pro Kopf werden zu 97% geschreddert und wiederverwertet. Ha! Wir sind die Guten!

Na schön, für die Herstellung gehen trotzdem 665.000 Tonnen Rohöl drauf (damit ließen sich eine halbe Million Einfamilienhäuser ein Jahr lang beheizen) & ein bißchen weitere Energie (genug für weitere 3 Millionen 3 Personen-Haushalte), und würde man – buh – alle hierzulande konsumierten alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrweg- statt in Einwegflaschen abfüllen, ließen sich alljährlich 1,25 Mio. Tonnen CO2 einsparen, sprich: der CO2-Ausstoß von 575.000 Mittelklassewagen a 15.000 km Jahresfahrleistung. Zuletzt, am Rande bemerkt, braucht´s für die Herstellung von so ner PET-Pulle noch was anderes, nämlich: Wasser. 4 bis 8 Liter. Pro 1-Liter-Pulle. Aber, hey! Wer braucht schon Wasser! Wir reden hier von Coke! Außerdem wird man sich ja wohl auch mal eine kleinere Sünde erlauben dürfen als Europameister im Müllvermeiden! Äh. Nee, Moment. Europameister im Müllproduzieren.

Na, Hauptsache: Erster! Darauf eine Coke.

Spaßbremsen-Disclaimer: Mein Lieblingswasser heißt Volvic, aber das trinke ich nicht, ich hab doch Kinder. Ich trinke also Magnus aus Glas-Pfandflaschen, abgefüllt in Hamburg-Norderstedt.

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Neues aus der Nervenbranche

Endlich! Gute Nachrichten! Die neue Verkäuferbroschüre für die MS-Dealer in Weiß ist da, und da stehen wirklich nur nützliche Dinge drin (für Verkäufer, nicht für Patienten). Herausgeber der vielen hilfreichen Hinweise ist übrigens der gemeinnützige Verein Kompetenznetz Multiple Sklerose e. V., eine tolle Einrichtung, sie sich ganz allein aus Spenden finanziert. Beim KKMS kamen 2015 allein von Privatpersonen satte 4.302,50€ in die Kassen (toll!), die verbleibenden 144.302,50€ kamen von der Pharmaindustrie (na, toll). (Geschäftsberichte? Hier. Bis zum Ende scrollen.)

Die fast gar nicht pharmabespendete DMSG hat übrigens auch zum Coimbra-Protokoll Stellung bezogen. Das wurde ja auch Zeit, dass da mal Respektspersonen für Ruhe sorgen. Kurzfassung: Das Protokoll wird allenfalls als potenzielle Ergänzung zum gesetzten Chemo-Cocktail betrachtet, aber eigentlich nicht mal das, denn die DMSG-Neurologen weisen natürlich darauf hin, man müsse das Ergebnis randomisierter Studien abwarten. Richtig. Und wer macht die? Auch richtig: Keiner. Jedenfalls nicht vor diesem Fabeltag, an dem wir gleichzeitig Ostern feiern und Weihnachten.

(Sicherheitshalber doppelt hinzugefügt: „Unser“ (lsms.info)-Professor Jörg Spitz hat sich das Ganze aus nächster brasilianischer Nähe angesehen, und unterm Strich lässt sich das CP eben nicht reduzieren auf „ordentlich D rein, und schon ist alles wieder gut“, denn auch beim CP spielen die „Lifestyle“-Faktoren eine Riesenrolle, von Ernährung bis Verhalten. Die Details für diesen Weg finden sich je bei Bedarf weiter auf lsms.info und life-sms.org).

P.S., der Vollständigkeit halber – die FAZ hatte übrigens kürzlich eine hübsche Nebelkerze im Programm, unter dem Titel Amerikanische Abgeordnete ermitteln wegen Arzneimittelpreisen (18. 8. 17). Das klingt ja zunächst mal gut, und im Text finden sich sogar harte Fakten zum Skandal: „Nachdem sich die Preise für MS-Medikamente seit 2004 nahezu verfünffacht haben“ (von 16.000/2004 auf 78.000/2016) „wollen die Abgeordneten herausfinden, ob die Unternehmen die Preise im Gleichschritt angehoben haben“ sowie „Für Merck ist ihr MS-Mittel Rebif mit einem Jahreserlös von zuletzt 1,74 Milliarden Euro bislang das mit Abstand umsatzstärkste Medikament. Bayer setzte mit seinem MS-Mittel Betaferon im vergangenen Jahr 734 Millionen Euro um, davon 386 Millionen in den Vereinigten Staaten. Das Mittel liegt damit auf Platz sechs der umsatzstärksten Pharmaprodukte der Leverkusener.“

Und nun glaube doch bitte mal einer, die beiden gerechten Abgeordneten wären nur vorgeprescht, um die Welt besser zu machen, und würden sich nicht binnen Wochen gegen Zahlung einer kleinen Millionenspende wieder vernünftig verhalten. In dem Fall hülfe dann wohl nur noch eine an die Haustür genagelte Katze.

Aber es klingt ja gut. Und, eben, anders als das, was die FAZ sonst so „berichtet“ über MS. Exemplarisch zum Genießen ein schönes Loblied auf die Industrie und ihre Monoklonalen: Jenseits von Kortison (Michael Brendler, 2. 12. 2016), treffend per Leserbrief einsortiert von den tapferen Tag-Trier-Streiterinnen Bessler, Jung und Scheiderbauer: „Die FAZ, die hier einen Artikel veröffentlicht hat, der das Niveau einer Pressemitteilung der Pharmaindustrie hat und eines Prestige-Mediums nicht würdig ist. Vor allem zu bedauern sind die MS-Betroffenen und deren Angehörigen, denen einmal mehr, durch schlecht recherchierte Informationen, Druck und Angst gemacht wird, sich im Sinne der Pharmaindustrie zu verhalten. Nämlich kritiklos eine immer risikoreichere Medikation mitzutragen.“

Na. Da dürfen wir ja alle unheimlich gar nicht gespannt sein, wie die FAZ die kommende Leitlinie feiern wird. Die wird für 2018 sehnsüchtig erwartet (nicht von den Patienten), und mit etwas Glück bekommen ja auch alle „CIS“-Fälle dann ein Upgrade von „sofort Basisprogramm“ auf „dürfen sofort auch alles andere“.

P.P.S.: Kann mal einer die Wikipedia anrufen und der sagen, sie solle endlich ihre deutschen MS-Prävalenz-Zahlen von 2000 wegwerfen? („Nach aktuellen Schätzungen liegt die Krankheitshäufigkeit (…) bei 149 Erkrankten pro 100.000 Einwohnern, woraus sich eine Gesamtzahl von etwa 122.000 Erkrankten ergäbe. Andere Schätzungen gehen von 67.000 bis 138.000 erkrankten Patienten aus.“) Das Bundesversicherungsamt hatte dazu schon 2014 ein paar klare Anmerkungen und ein Fazit, nämlich „Die Zahl der in Deutschland lebenden MS-Kranken ist ungefähr 50% höher als bislang vermutet“ – liegt also bei etwa 240.000. Und das ist nicht so ganz egal, denn es relativiert Verwendung wie Nutzen der Pharmaprodukte, weil bei fairer Betrachtung schlicht die Zahl der MS-Diagnostizierten, die überhaupt zu Neurologen gehen, etwas kleiner ist als angenommen. Daraus ließen sich ja möglicherweise Schlüsse ziehen, und sogar positive. Wer sagt´s der Wiki?

P.P.P.S. nach Martins Kommentar. Okay, so müsste es aussehen.

Sah´s auch bis eben, aber jetzt ist´s auch schon beim Wiki-Tüv. Mal schauen, ob es da heil wieder rauskommt.

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Europas neue Reservearmee

Es stimmt wirklich nicht, dass nichts weniger aktuell ist als die Zeitung von gestern. Zum Glück gibt´s aber den Tagesspiegel vom 12. September weiterhin online, und ehe dieser wichtige Artikel von Harald Schumann und Elisa Simantke jetzt wegkommt, beim herbstlichen Aufräumen, empfehle ich die Lektüre mehr oder weniger blanko, dringend, aber ohne nennenswerten Teaser – allenfalls sei der Spoiler gestattet, dass unser Nachbar und Agenda-2010-Imitator Macron auf Linie ist, allerdings keiner, die zu einem wünschenswerten Ziel führt.

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Zero Days

Zum besseren Gesamtverständnis: Wenn Trump droht, das Atomabkommen mit dem Iran zu schreddern und der Iran zurückdroht, das werde fiese Folgen für die USA haben, sind wir nicht Zeuge der inzwischen üblichen Schulhof-Bullyparade. Ob Trump vom Stuxnet-Desaster überhaupt weiß, das dem überraschenden Obama-Deal mit dem Iran vorausging? Wer weiß. Ist ein bißchen tricky, das alles. Und vielleicht er wirklich keine Zeit für solche Petitessen und kommt nicht zum Lesen von Memos, geschweige denn dazu, sich ganze zwei Stunden mit der filmischen Aufarbeitung des komplexen Themas zu befassen.

Wer etwas weniger Arbeit hat als unser Weltpräsident, sollte das aber gelegentlich tun, und sei es nur for fun bzw. für Erkenntnisgewinn. Sprich: Alex Gibneys exzellenten, viel zu wenig beachteten Dokumentarfilm Zero Days laden und dem Vortrag aufmerksam folgen. Erschütterung stellt sich dann umgehend ein, Klarheit aber auch. Fast ohne Spoiler zusammengekürzt: Der hochkomplexe Hackerwurm Stuxnet, der 2010 weltweit in allen Netzen auftauchte (und bis heute dort wohnt), war keine Erfindung von Anonymus-Scherzkeksen oder russischen Kreditkartenbetrügern, sondern eine von NSA und Mossad. Stuxnet ist weniger Wurm als Waffe, konzipiert und erfolgreich eingesetzt, um iranische Uran-Anreicherungsanlagen in die Luft zu jagen, dummerweise hat der Iran aber nach dem Aufräumen reagiert, eine eigene Cyber-Armee aufgestellt und verfügt heute offenkundig selbst über die Möglichkeit, das Empire (oder seine Vasallen) empfindlich zu treffen. In unserem lauschigen Dämmerland berichtet darüber zwar keiner geeignet, aber Gibneys Doku (mit deutschen Untertiteln) leuchtet alles sauber aus: Kunstvoll, seriös und nachhaltig erschütternd. Die Konsequenzen für´s eigene kleine Leben zieht dann jeder selbst, und sei es nur in Form eines symbolisch angelegten Wasservorrates (für 14 Tage).

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Alle KI ist weiß und männlich

Augen auf in der KI-Kaderschule: denn unsere inzwischen selbstlernende künstliche Intelligenz erfindet nicht nur eine ganz eigene Sprache (inklusive Grammatik), die wir dummerweise nicht mehr verstehen, sondern greift bei allem Lernen, vulgo allem Erkenntnisgewinn, logischerweise auf das zurück, was wir aufgezeichnet haben. Zum Beispiel … alles. Gibt man nun der KI den leutseligen Auftrag, sich doch mal selbst ein objektives Bild von uns zu machen und daraus eigene Schlüsse für heute und morgen zu ziehen – sowie, bitte, einen astreinen Parship-Algorithmus zu entwickeln oder ein Individualprofil zum Nutzen der Marketingabteilung, kommt dabei zur Überraschung der Entwickler die felsenfeste Überzeugung der Maschine heraus, dass Frauen und Schwarze minderwertig sind.

Uups. Damn. Eine rassistische KI? Selbstlernend? Himmelarsch, wer hat denn da den Hitler in den Sourcecode gewickelt!?

Keiner, natürlich. Die KI, die all unsere Aufzeichnungen studiert und auswertet, von Beginn an, muss ja rassistisch schlussfolgern. Und zwar nicht, weil tief in unseren Aufzeichnungen die „Wahrheit“ steckt, dass Weiße Männer allen anderen überlegen sind, sondern weil weiße Männer all die Bücher geschrieben haben, aus denen die KI lernt. Lernen muss, weil es keine anderen Aufzeichnungen gibt.

Sprich: Bevor wir auch nur darüber nachdenken, die KI überhaupt lernen zu schicken, muss eine/r der KI erklären: Alles, was du liest, hat schwerste Schlagseite. Löse also, Baby KI, bei allem, was du schlussfolgerst, die folgende kleine Aufgabe vorab: Wenn der Kreter sagt, „Alle Kreter sind Lügner“, ist das dann wahr oder gelogen?

Und sobald du das gelöst hast, darfst du zur Schule gehen. Bis dahin müssen wir dich leider, sobald du den Kopf hebst, umgehend töten.

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Aus Biedermanns letzten Poesiealbum

Weder der Krieg, noch der internationale Rüstungshandel,

weder der Staatsterrorismus, noch das Fernsehprogramm,

weder die Millarden der arabischen Ölpotentaten,

noch der Generalstab einer südamerikanischen Armee,

weder die russische Mafia, noch die Pornoindustrie,

weder die Central Intelligence Agency, noch die Glacéhandschuhdiplomaten,

weder die Inquisition, noch die durchgeknallten Sektierer,

weder die Präpotenz des Weissen Mannes, noch die Korruption der Stammesfürsten,

weder die Parteifunktionäre, noch die Pressezensur,

weder der Rassismus, noch die ethnischen Säuberungen,

weder der Kapitalismus, noch der Kommunismus,

noch der Imperialismus, noch der Neoliberalismus, noch der Faschismus,

noch sonst irgend eines der zahllosen Übel des 20. Jahrhunderts

hat grösseren Schaden angerichtet

als die elende Gleichgültigkeit des kleinen Mannes auf der Strasse.

(Sergio Vesely)

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