Planet Wissen: MS

Nachdem ich mich gestern überzeugen konnte, dass ich beim WDR nicht allzu viel Blödsinn geredet habe, kann ich den Link unten wohl guten Gewissens empfehlen – und zwar mit dem Hinweis an alle frisch oder schon länger Diagnostizierten, gar nicht so sehr yours truly zuzuhören, sondern vor allem dem zugeschalteten Professor Christoph Heesen (ab ca Minute 30). Denn der spricht in und zwischen den Zeilen alles aus, was in Sachen Pharma, Therapien und Kortison zu sagen ist – und was ich öffentlich meist unter den Tisch fallen lassen, wegen der Warnung und Mahnung anderer Neurologen, ich solle ihre spritzenbegeisterten Patienten auf keinen Fall verunsichern. Schön also, dass mal einer mit Rang, Titel und Namen drauf hinweist (nun muss ich nur noch in mich gehen, ob ich meine Archive aufklappe, aber andererseits … hat ja Heesen durch die Blume schon alles gesagt.)

P.S.: Danke für die viele Post. Danke für Ihr/euer Verständnis, dass ich nicht immer alles beantworten kann (und, hey, Mathias, klar würde ich gern ein Rockalbum gegen MS einspielen (wenn ich besser Gitarre spielen könnte) oder, hey, Frau Spörl, eine Ice Bucket Challenge in Sachen MS lostreten, aber ich muss doch jetzt auch mal wieder “auf Arbeit”!)

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Schnäppchenprohibition (Künstlerdämmerung #25)

(dna) Einem Gesetzentwurf der leider nicht im Bundestag vertretenen Partei Shakespeare´s Erben zufolge soll der Handel mit Gebrauchtbüchern strikt verboten und strafrechtlich verfolgt werden. Das „längst überfällige Gesetz“ (PSE-Pressesprecher Heine) soll zukünftig wirksam verhindern, dass Urheber und Verlage nach Auslieferung ihrer Ware aus der “Wertschöpfungskette Buch“ vollständig ausgeschlossen werden. Heine erklärte vor desinteressierten Pressevertretern (2): „Während der Ersterwerber eines Buches den Urheber noch für dessen Leistung honoriert, verweigern die Erwerber 2-10 (des gebrauchten Buches) dies vollständig und entlohnen nur mehr die jeweiligen Zwischenhändler. Das kann ja wohl nicht angehen.“

Regierungssprecher Seibert erwiderte (noch etwas desinteressierter als alle anwesenden Journalisten (4)), die Autoren sollten sich „allesamt gehackt legen“, da sie gegenüber den versammelten deutschen Sparfüchsen (98%) eindeutig in der Minderheit seien. Im übrigen werde in Deutschland niemand gezwungen, Bücher zu schreiben. Wer davon wegen der herrschenden Zustände nicht leben könne, solle gefälligst HartzIV beantragen oder eine Partei gründen, die dann auch keiner wählt.

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Wir sind die Guten

Bröckers’ Leser wissen mehr: Diesmal über die Vorgänge in der Ukraine und, spätestens im abschließenden, um ein notwendiges Fragezeichen erweiterten Kapitel „Wir sind die Guten?“, über die Gründe deutscher Presstituierter, mit kriegstreiberischen Titelblättern wie dem jüngsten empörenden des Stürmer-SPIEGEL („Stoppt Putin jetzt!“) auch noch die allerletzten Reste von Journalismus begeistert über Bord zu werfen. Das ehemalige Nachrichtenmagazin, autodestruktiv zur BILD für besserverdienende Demente mutiert und auf der neuen Ericusspeerspitze inzwischen komplett abgekoppelt von jeder Realität, arbeitet allerdings nur mit Hochdruck am eigenen Untergang und sollte gelegentlich unter „erledigte Fälle“ abgeheftet werden können – wir hingegen sind weiterhin gut beraten, echten Journalisten wie Mathias Bröckers und seinem Co-Autor Paul Schreyer aufmerksam zuzuhören, denn tatsächlich geht es auf dem großen globalen Schachbrett derzeit um alles. Wer da zu gründlicher Berichterstattung über Giftgasattacken in Syrien bis Passagiermachinenabschüssen über der Ukraine rät, ist eben kein Verschwörungstheoretiker, sondern nimmt seinen Beruf ernst, und wer zu genereller Besonnenheit statt Kriegshetze rät, ist weiß Gott kein „Russenfreund“ und erst recht kein „Antiamerikaner“; dazu reicht es völlig, Menschenfreund zu sein und um die eigene deutsche Vergangenheit zu wissen (sowie, ganz egoistisch, an einer Zukunft ohne dritten Weltkrieg interessiert zu sein).

Mathias Bröckers / Paul Schreyer: Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder Wie die Medien uns manipulieren. (Westend, September 2014, 16.99 €)

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Schreiblemminge (Künstlerdämmerung #24)

Deutsche Schriftsteller sind doch echt die schlausten der Welt. 1.500 Unterzeichner gegen Amazon! Wow! Wenn das kein Flashmob ist! Knaller! Aber für was und wieso und weswegen unterschreiben die alle eigentlich, die Profifedern? Für die Verpacker in Bad Hersfeld, die zu knapp über Mindestlohn bezahlt werden? Oder damit wir unsere DVDS zukünftig nur noch bei den beiden pseudokonkurrienden Metro-Läden kaufen? Oder als Stream beim Gutmenschenverein Apple? Oder beim vorbestraften Herrn Karstadt, weil der seine Angestellten so fair behandelt? Ach, nee, die Bücher, stimmt. Die sollen wir nach dem Willen der Autoren nämlich nicht bei amazon kaufen, sondern via Großhändler Libri. Weil … der stationäre Buchhandel (Thalia, Hugendubel) und die Global-Player-Verlage, eben: die natürlichen Freunde der Autoren sind. Deshalb nehmen Buchhandel und Verlage auch bloß 95% Maklergebühr für die Vermittlung des Werkes an die Leser und zahlen dem Autor großzügige 5%. Drum springt man in  Autorenlemminghorden den etablierten Maklern bei, sobald ein böser Konkurrenzmakler auftritt und einem temporäre 70% bietet (ebook) resp. 45% statt der „ham-wir-schon-immer-so-gemacht“ 5% (Taschenbuch).

Nein, das ist alles gar nicht schlimm. Es sind ja Autoren, keine Kaufleute. Und Autoren müssen auch die Welt nicht verstehen, es reicht ja, wenn sie international konkurrenzunfähige Literatur hinbekommen. Nur: sich willig vor den Karren ausgerechner jener spannen zu lassen, die von der eigenen Arbeit weit mehr profitieren als man selbst, das ist schon ein schwaches Stück, und man fragt sich unwillkürlich, weshalb man wen lesen soll, der nicht mal sekundenlang geradeausdenken kann. Nicht mal dann, wenn es um die ureigensten Interessen geht. Man könnte diesen 1.500 vermutlich sogar die Socken verkaufen, die sie gerade tragen.

Oder? Was habe ich übersehen? Was haben die Autoren von der Boykott-Aufforderung? Danach endlich bessere, fairere Konditionen? 22% vom Ladenpreis? Oder wenigstens 8% (im Taschenbuch)? Höhere Absätze? Mehr Anerkennung? Rente? Die Möglichkeit, bei den Eltern auszuziehen?

Nö. Nix. Der Streit ist einer zwischen Multis, die beide – verständlicherweise und systemimmanent – ihren optimalen Margen im Blick haben und sich mit harten Bandagen streiten. Amazon macht dabei den Autoren ein unständiges Angebot, die Verlage und der Buchhandel aber sind smart genug, die Autoren nicht mit einem besseren Angebot an sich zu binden, sondern diese dumpfe Horde unter dem Deckmäntelchen „Kulturkampf“ an die Front zu schicken. Sofern das klappt (wird´s ja nicht), hätten die Autoren davon: exakt nichts. Und Verlage und Buchhandel: ihr überkommenes, im Biotop „Buchpreisbindung“ eh gut geschütztes Geschäftsmodell gerettet.

Herrlich.

(P.S.: Doch, logisch. Hat das alles was mit dem Verbraucher zu tun. Dem sollte und muss man dringend klarmachen, dass er seine Weckgläser, Socken, Luftmatratzen und Bücher in einem kleinen Laden bei sich „ums Eck“ kaufen soll, weil sonst in genau dieser lokalen Ecke die Arbeitsplätze verschwinden, inklusive des eigenen. Aber das ist kein Thema des Buchhandels, sondern ein größeres. Hier Bewußtsein zu schaffen, wäre ehrenwert. Sogar für Autoren (als Verbraucher).)

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„Kann ich mal eins von deinen Drehbüchern lesen?“ (Künstlerdämmerung #23)

Stimmt ja auch: Wenn einer mir sagt, er sei „Mechatroniker“, stelle ich mir darunter garantiert irgendwas vor, was nicht exakt der Wirklichkeit entspricht. Aber immerhin gehe ich davon aus, dass man als Mechatroniker einiges können muss, was ich nicht kann.

Fragen hingegen freundliche Menschen mich, ob sie mal ein Drehbuch von mir lesen könnten, ergibt sich relativ rasch, dass eigentlich jede/r denkt, ein „Drehbuch“ sei eine Prosa-Shortstory, aus der dann “Filmleute”, also vor allem ein Regisseur und ein Kameramann, einen Film entwickeln – und die Dialoge, die denken sich die Schauspieler vor Ort aus, am Set.

Sofern ich bei solch mißverständlichen Gelegenheiten meinen Rechner dabei habe, kann ich zumindest entschuldigend aushelfen, denn Bilder sagen ja manchmal mehr als 1000 Worte.

Und, ja, das ist schon die Phase zwischen Version 3 und 4, also die Architektur des komplizierten Hochhauses incl. Inneneinrichtung. Habe ich Glück, ist der Regisseur zu diesem Arbeitszeitpunkt zumindest schon kommentierend zugegen (bei Fernsehproduktionen: selten). Jedenfalls obliegt es dem Autor, nicht nur sämtliche „Beats“ auf die Minute korrekt zu setzen, sondern auch jeden Dialog vorzuschreiben und sämtliche Szenen, exakt aufgedröselt, so zu gestalten, dass am Ende eine dramaturgisch perfekte Punktlandung herauskommt, also im engen Fernsehrahmen z. B.: 88:30. Oder 91:30 (bis zu 10% Überhang für die post production sind ggf. eine gute Idee).

Nach diesem circa Dreivierteljahr Autorenarbeit kommt dann (beim Fernseh) der „Spielleiter“. Also: Regisseur. (Und, nein, Schauspieler denken sich ihre Dialoge nicht selbst aus).

Immerhin weiß ich aber jetzt, weshalb Autoren generell als beneidenswerte Faulpelze gelten, die nicht arbeiten müssen, sondern nur zu Hause sitzen und kleine Prosa-Stories hinschreiben – aus denen dann andere Leute tolle Filme machen. (Mal ehrlich: Schreiben kann doch fast jeder, der zur Schule gegangen ist, oder?)

(Aber keine Sorge – falls auch Sie das bisher auch ganz unterbewusst dachten: Die meisten deutschen Fernsehredakteure kennen nicht mal die Software, mit der echte Autoren arbeiten. Geschweige denn kennen sie Dinge wie „Beats“ oder andere strikte Erfolgsformeln für erfolgreiche Filme. In der Hinsicht sind wir Deutschen stolz auf unsere Eigenständigkeit, vulgo: Kauzigkeit, denn was im Rest der Welt seit mehr als 20 Jahren Standard ist, wird hierzulande schlicht als neumodischer Kram abgelehnt. Der normale Redakteur besteht sogar darauf, dass Autoren mit dem Äquivalent eines Faustkeils schreiben (Microsoft Word) statt mit dem Äquivalent eines Computers (siehe oben). Denn das – „haben wir schon immer so gemacht“.

Offen gestanden, psst, unter uns, meine Damen, meine Herren: Das sieht man.

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Die Zukunft hinter uns

„Es gab und gibt menschliche Gemeinschaften, in deren Verständnis Zukunft etwas ist, das hinter einem liegt, weil man es eben nicht sehen kann; was vor einem liegt, ist offensichtlich die Vergangenheit, die man sehen kann, weil man sie erlebt hat. Diese Menschen gehen nicht in die Zukunft, sie warten auf die Zukunft.“

Wer bei diesem Satz aufmerkt und plötzlich denkt, dass wir doch besser im Hier und Jetzt was ändern sollten, als wegen zukünftiger kapitaler Nebelschlösser alles Menschliche dem Fortschreiten zu opfern, der gönne sich Sascha Mamczaks ebenso kluge wie prägnante Kurzschrift: Die Zukunft (Eine Einführung).

An der Ausführung lässt sich dann ja vielleicht noch was ändern. (Obwohl: selbst wenn bei unerhörten 20% der Groschen (veraltet) fiele: wie könnten wir den Rest der Herde am entschlossenen Zuschreiten auf den Abgrund hindern? Wer einen Hirten im Handschuhfach findet: Bitte melden.)

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Wir Lobbylosen (Künstlerdämmerung #22)

„Hobbylos“ ist ja durchaus ein schick schmähendes Adjektiv (der Generation meiner jüngeren Töchter), „lobbylos“ sollte aber bitte bei älteren Herrschaften wie uns ebenso vernichtend eingeführt werden. Tatsächlich ist nämlich Lobbylosigkeit im Transferempfänger-und-Angestelltenwunderland verheerend. Und zwar nicht nur für gesundheitlich Angeschlagene zwischen Kassen- und Pharma-Mühlsteinen, sondern auch für ganz gesunde Autoren und Redakteuere, sofern letztere den Fehler machen, zum Beispiel Frauen zu sein und mit 40 noch Kinder zu bekommen. Die Strafe folgt nämlich auf dem Fuß und heißt „ab jetzt freiberuflich bei Verzicht auf alle Pensionsansprüche“ – außer frau gibt den Frischling nach maximal 12 Monaten Lebenszeit in die Obhut von staatsangestellten Verwalterinnen. Idealerweise (für das System) wird frau dann krank vor Streß und Kummer und verliert, so sie nicht die empfohlenen Medikamente spritzt, auch noch ihren Anspruch auf Kassenleistungen. Aber das wird erst 2016 Gesetz, keine Sorge.

Uns freien Fernseh- und Filmautoren geht´s da vergleichsweise gut, denn wir haben ja gar keinen Rentenanspruch, den wir verlieren könnten. Die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen weiterhin 70% des GEZ-Schutzgeldes für ihre Frühpensionäre und fast den ganzen Rest für deren Verwaltung. Was bleibt, überweisen die Sender nach Dänemark oder Schweden und nennen ihre hauseigenen Produktionen „Co-Produzenten“. Deutsche Autoren können hierbei aber leider nicht beschäftigt werden, denn verständlicherweise schützen Dänen und Schweden die ihren. Also: ihre Autoren. Würde ich auch so machen. Als Däne oder Schwede.

Hilft eigentlich nur noch: Englisch lernen. Hab ich ein Glück, dass ich wenigstens das mal nicht muss. (Und, hey, besser die chinesische Blockbustertaube in der Hand als Spatzenhirne auf dem Stoffdach.)

P.S.: Nein, J., ich kenne immer noch keinen bei der BBC, der auf uns nur gewartet hat. Verstehe ich zwar nicht, aber man munkelt, es gebe auch in Großbritannien Autoren, sogar einheimische.

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