Steht doch da!

Damn! Hatte ich doch glatt übersehen, bis eben, dass die Lösung tatsächlich nur eine Umdrehung entfernt liegt …

Und das dazugehörige Buch von Russell Brand ist auch nicht verkehrt. Ein bißchen wirr, selbstredend, ein bißchen arg anekdotisch – aber Brand wäre selbst im Ayahuasca-Koma noch deutlich kompetenter und hilfreicher als die Clowns und Klone, die unsere Parlamente und Talkshows beherrschen. (Doof nur, dass auch der gemeine Wähler den Dreh oben garantiert nicht hinbekommt, denn hinterm Horizont liegt auch nur noch das Dschungelcamp. Aber bevor die Molotovs fliegen, lesen wir doch lieber noch mal kurz den unterhaltenden Brand.)

Veröffentlicht unter Politik, Sachbuch | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Joe, Lucy, Oxfam und die Sockenpuppen

Erhellend, wahlweise amüsant: Joe Dispenza hält aus triftigem Grund den Menschen selbst für sein wirksamstes Heilmittel („Du bist das Placebo“), Michael Schmidt-Salomon verbreitet ganz grundlos Hoffnung, und Luc Besson erkundet mit seiner Lucy spielerisch und scheppernd das Potential des menschlichen Gehirns, ausgehend von der Prämisse, wir nutzten nur 10% unseres Potenzials. Fragt sich bloß: wieso nur 10%? Derzeit nutzen die meisten doch bloß 1%, mehr braucht man ja nicht zum Essen, Saufen, Vögeln und Dschungelcampkucken. Denn nutzten wir tatsächlich wenigstens 10%, hätte die Revolution doch längst begonnen – spätestens mit der frischen Oxfam-Feststellung, dass inzwischen eine Buslandung „wohlhabender“ Menschen mehr besitzt als die halbe Menschheit zusammen, in Zahlen: 80 ganz normale Leute so viel besitzen wie 3,5 Milliarden andere ganz normale Leute.

Das Problem wäre ja nun tatsächlich leicht und im Hand- oder Halsumdrehen zu lösen – entlang des heiteren Schiedsrichter-Mottos „Ich weiß, wo dein Auto steht!“ – und alle anderen Probleme der Welt wären gleich mitgelöst, denn es kostet ja nur einen Bruchteil des Vermögens der 80, den ganzen Planeten über Nacht zu kurieren (Björn Lomborg hat diesbezüglich einen ganz guten Vorschlag “auf Tasche”, der lediglich die 50 täglichen Schwarz-Zins-Milliarden der 80 kostet …). Aber statt dessen serviert man dem Michel und seiner Frau Ablenkungsmanöver vom Schlage SED reloaded und deren dementes Poltern in Richtung Hartz-IV-Wähler, man müsste nicht den 80 Leuten, sondern allen ab 400.000 Euro Jahreseinkommen 80% Steuern abnehmen. Wär´s nicht so frustrierend, müsste man klatschen: Denn wer auch immer von den 80 Businsassen die Idee hatte, Gysi, Wagenknecht und Konsorten als sprechende Sockenpuppen zu installieren: Die Investition hat sich wirklich gelohnt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Politik, Sachbuch | Hinterlasse einen Kommentar

Two-Minute-Warning: Salutierend zurück zum Spiel

Na, das ist doch mal ein Commercial Break, in Auftrag gegeben von Uschi VdLs Verteidigungsministerium und weggesendet zur allerbesten Sendezeit, förmlich in der Halbzeit des DFB-Pokalfinales: Ein Haufen stolzer Helden in Uniform, Jetpiloten, Bodentruppen, Kampftaucher und Scharfschützen, dazu ein Koch und natürlich Frauen in Uniform – und dazwischen ein fröhliches kleines Mädchen. Lächelnd, na, klar. Und während die Kamera rauszoomt und wir sehen, dass da tatsächlich hunderte, tausende dieser sympathischen Killer stehen, mitten in Berlin, verkündet der markig-beruhigende Sprecher: „Wer an euch heran will, muss an uns vorbei. Wir schützen euch. Wir sind: Eure Truppen.“ Na gut, genauer, „eure Navy“, denn der Spot läuft ja gar nicht im deutschen Fernseh, sondern zur teuersten Sendezeit auf allen Kanälen des Empire, im Rahmen der American-Football-Playoffs. (Selber sehen und total “liken”? Hier.)

Fox geht bei seinen NFL-Übertragungen indes gern auch noch ein bißchen weiter und unterstützt den verkaufsfördernden Spot des Pentagon mit ein paar redaktionellen Bildern von der Front, immer mit dem stolzen Hinweis, dank des globalen NFL-Netzwerks könnten alle Truppenteile die Playoffs gratis verfolgen – in all den sage und schreibe 150 Ländern, in denen sie stationiert sind und ihren tapferen Verteidigungskrieg für die Freiheit führen.

Beleidigend ist allerdings, dass nicht auch wir verbündeten Mitpatrioten solche schönen Spots sehen dürfen (gern lokal angepasst, also mit Piloten vor flugunfähigen Jets). Denn auch hierzulande weiß ja wohl jeder, dass wir uns im Krieg befinden, an der Seite der USA, dass alles ist längst mobil gemacht ist und NFL-Network wie Champions League via SkyGo nur Teil des Frontfunks.

Wie? In dem Satz steckt ein Fehler? „Weiß ja wohl jeder“? Klar weiß das jeder!

Veröffentlicht unter Allgemein, Medien, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

#Freiheit

Ich bin ja in Sachen Zukunft nur noch Zaungast, aber in den letzten Tagen hatte ich auf meinem Beobachterposten beträchliche Freude, durfte ich doch förmlich mit am Puls derer kleben, die eine grundsätzlich neue Gesellschaft bauen werden. Und in Sachen „ungespielt“ war (und ist) das tatsächlich bemerkenswert. Denn Simon Unge war bislang „nur“ ein Gamer, der via youtube monatlich 30 Millionen Klicks sammelt, aber seit er gestern der dunklen Seite der Macht den Mittelfinger gezeigt hat und dafür auch seine Auslöschung (finanziell wie aus dem Netz) in Kauf nimmt, erweist sich überdeutlich, dass die Community eben nicht nur aus Schafen besteht (wie wir Älteren gelegentlich befürchten, weil wir, eben, nichts mehr schnallen). Vor dem Web 2.0 konnte Darth Vader sogar Helden wie Kurt Cobain, Prince oder George Michael demoralisieren und aus dem Verkehr ziehen, heute schafft das Empire so was nicht mal mehr mit einem fröhlichen Spieler mit geradem Rücken. Vaders Firma „Mediakraft“ wird in spätestens einem halben Jahr als Ruine dastehen – und stehen bleiben als Mahnmal unserer überholten Denk- und Geschäftsmodelle im Endkampf gegen eine neue Generation (die zwar noch keinen astreinen Plan A hat, aber sogar ohne Plan schon besser dasteht als wir.)

Details? Garantiert ab heute auf allen Kanälen. Einfach mal hier anfangen. (Gilt auch und gerade für all meine Ansprechpartner und Produzenten, die ihr von „ungespielt“ noch nie was gehört habt und bis heute glaubt, youtube sei doch eigentlich, irgendwie, egal.)

Veröffentlicht unter Allgemein, Medien, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

In Sachen lsms.info #3

Wow.

Tausend Dank an euch alle.

Wir bezahlen dann mal rasch unsere bislang unbezahlten Programmierer und Designer (damit auch die ein paar Weihnachtsgeschenke kaufen können) und freuen uns unter der Tanne, dass wir 2015 weitermachen und die noch leeren Menüpunkte füllen dürfen. Alles Weitere bei nächster Gelegenheit hier und via Verteiler.

Ich wünsche euch allen, die ihr mitgeholfen habt, ein sagenhaft segensreiches Weihnachtsfest.

Veröffentlicht unter Multiple Sklerose | Hinterlasse einen Kommentar

Abrat (s krz w mgl)

Nassin Taleb: Antifragilität (688 Seiten): „Nur die Harten kommen in den Garten“ auf Kontinentalplattenspeed.

Veronika beschließt zu sterben (Verfilmung nach Coelhos Roman): Vorteil Zuschauer – sich zu Tode zu langweilen ist ja wenigstens ein Grund.

„Diese Wärmflasche ist als Pferd erhältlich“ (amazon): Enttäuschung vorprogrammiert, Sieg beim Derby faktisch ausgeschlossen.

(Vorbildlich und unerreicht bleiben aber aus „Der Rabe“ (circa 1996) und „Der kleine Navigator“ (circa auch so):

Betty Mahmoody: Nicht ohne meine Tochter

Aber ohne mich.

(Rafik Schami)

sowie

Thomas Mann: Der Zauberberg

Kommt ein Mann zum Arzt – und bleibt sieben Jahre.

(Christian Klippel)

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Wand in Sicht (mit 300 km/h)

Uschi vdL war ja schon 2006 so beängstigend offen und ehrlich: „Ein Kind braucht mehr Anregungen und Impulse, als die Mutter ihm geben kann“. Wer so ungeschönt seine eigene Inkompetenz einräumt, dem muss und soll geholfen werden – und dessen Kindern erst recht, indem man sie aus dem Dunstkreis der um Hilfe rufenden Mutter möglichst weit entfernt. Das ist bei vdL gelungen, zum Segen der Kinder. Der Rest der Geschichte ist allerdings ein klassischer Fall von Wahnsinn im gestrecktem Galopp. Denn die schon mit dem Einfachsten überforderte Frau bringt ja seither nicht etwa auf 400-Euro-Basis bei Edeka Milchtüten in Reihe, sondern kraft ihres Vollmeisenschwarms gleich ein ganzes Land auf Kurs Richtung Geschlossene. Daraus lernen wir was? Genau, nichts. Beziehungsweise: „Kommt, wir gucken mal, ob sie die Wickeltische demnächst mit in den Schützengraben stellt.“

Die unbetreute Uschi hat unterdessen ihr Ziel fast erreicht, nämlich das Unmögliche: aus zwei diametral entgegengetzten Ideologien (US-Raubtierkapitalismus und nordkoreanischer Vollkontrolle) tatsächlich alle schlechten Errungenschaften unter einem Dach zu vereinen, ohne auch nur einen positiven Aspekt der beiden Systeme zu erhalten. Und so befinden wir uns in Sachen „Kinder und Familien“ förmlich in der US-DDR, einem wahrhaft komplett verpeilten Monsterapparat. So hat die Betreuungsbedürftige, fälschlich, aber klinisch konsequent von sich auf alle anderen schließend, auf ganzer Linie gesiegt: Wir alle sind im Irrenhaus. Nur sie nicht.

Die verheerenden Folgen sind schon häufiger beschrieben worden, aber Rainer Stadlers “Vater Mutter Staat” verdient trotzdem eine ausdrückliche Empfehlung, denn das Buch ist nicht nur prima recherchiert, sondern auch prima geschrieben – nämlich bewundernswert beherrscht. Was gar nicht so leicht ist, betrachtet man die Fakten in Sachen Familien- und Kinderseelenzerstörung einigermaßen nüchtern. Dass weiterhin zirka 80% der Bevölkerung eben nicht Uschis Meinung sind, sondern diese korrekt als komplett verpeilt erkennen, konstatiert Stadler am Rande, ebenso den zugrundeliegenden Grundfehler, den man sehr schlicht mit „Vergötterung des falschen Gottes BIP“ abkürzen kann. Das einzige, was Stadler – ebenfalls bewunderswert – weglässt, ist der unvermeidliche Ausgang des irren Menschenversuchs.

Denn machen wir uns nichts vor: Noch leben wir zumindest in der Illusion, wir müssten ja nicht mitmachen beim Wahnsinn, wir könnten noch (wie yours truly) Kindern die verlässliche Gegenwart ihrer Mütter erlauben, und sei es, indem wir eben dreimal so viel arbeiten und auf alle Rentenansprüche verzichten, um genau das für die Kinder herzustellen: Aufwachsen in Liebe und Sicherheit. Genau diese Möglichkeit aber wird kommenden Elterngenerationen gerade genommen. Meine Kinder werden nicht mehr die Wahl haben. Sie werden ihre eigenen Kinder vom 6ten oder 12ten Lebensmonat an bis zum Ende der Schullaufbahn den ganzen Tag in fremde Hände geben müssen, ausnahmslos, ganz gleich, wie viele Studien belegen und beweisen, dass das krank und lieblos ist, den Kindern schadet und sie bestenfalls zu astreinen asozialen Psychopathen macht.

Ich habe drei kluge Töchter. Alle drei werden sich unter diesen Umständen entscheiden, entweder das Land zu verlassen oder auf eigene Kinder ganz zu verzichten. Aber ich bin sicher, dass Uschi dazu auch noch was einfällt, um die Truppe wieder auf Kurs zu bringen. Vermutlich müssen wir also nicht nur mit Krabbelgruppen im Schützengraben rechnen, sondern auch mit massenhaften Zwangsbefruchtungen. Was sonst noch an schwarzen Ideen unter diesem Pony flattert, möchte man sich dann allerdings wirklich nicht vorstellen.

Rainer Stadler: Vater Mutter Staat (Ludwig 2014, 272 S., 19.99 €)

Veröffentlicht unter Allgemein, Politik | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare