MS für Anfänger, Nachtrag

Wegen “Nischenthema” steht das natürlich nicht mitten in der Presselandschaft, sollte aber Frischdiagnostizierten dringend vorgelegt werden, von den behandelnden Neurologen. Sollten jene das vergessen haben, unten der Link zur gar nicht konspirativen Ärztezeitung, Money Quote vorneweg: “Keine vorschnellen Diagnosen bei atypischen MS-Zeichen – das fordern Neurologen. Die Selbstkritik ist berechtigt: Bei vielen Patienten wird fälschlicherweise Multiple Sklerose diagnostiziert.”

Rest hier. Es gilt somit als nochmals dick unterstrichen: Gehen Sie Ihrem Neurologen auf die Nerven – drängen Sie auf eine gescheite Anamnese und Ausschlußdiagnostik.

(Mit Dank an “fegerandy” und die Damen von Sallys MS-Cafe; schönes Fundstück).

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VG ohne Worte (Künstlerdämmerung #27)

Eine ganze Million Urhebergeld ausgeben, um zu verhindern, dass die Urheber bekommen, was ihnen zusteht – das ist schon höhere Sabotagekunst. (Die naheliegende Zukunftskunst wird für Verleger und die angebliche Urhebervereinigung VGW darin bestehen, dieses lästige Gesetz umzuschreiben, nachdem sich nun ja sogar der BGH unbelehrbar auf Schöpfers Seite geschlagen hatte. So weit kam´s noch! Aber das kommt nie wieder!)

Traurig, aber herrlich zusammengefasst von Stefan Niggemeier drüben bei den Übermedien.

P.S.: Proteste gegen die Urheberausbeutung werden auf ganzer Linie ausbleiben. Buchverbraucher sind ja nicht sensibler als Jeans- oder Kaffeeverbraucher, wieso sollen die sich 2 Sekunden Gedanken darüber machen, wer ihre Bohnen näht oder sich ihren Kaffee ausdenkt? Und die Autoren selber? Ja, den möcht ich sehen, der da auf die Barrikaden geht! Kläger Martin Vogel aber sei hiermit eine virtuelle Tapferkeitsmedaille spendiert, aus echtem Gold, am Leinenlesebändchen!

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ZIMS #2

Wichtig und lesenswert, besonders für frisch MS-Diagnostizierte, kommt die zweite Ausgabe der ZIMS daher, randvoll mit wesentlichen Informationen zu MRT und Kortison, wichtigen Hinweisen und Hinweisen auf einige der Skandale im Zusammenhang mit MS-Therapie, -Leitlinie und -Zertifizierungsblödsinn – und aus Nathalie Beßlers sehr kurzem Schlusstext über die zahlreichen harmlosen MS-Fälle lässt sich mit etwas Fantasie sogar reichlich Hoffnung herleiten (leider fehlt der geäußerte Wunsch nach Studien an diesen „Geheilten“, aber gehört würde der ja eh nicht in der pharmafinanzierten Studienwelt). Unterm Strich jedenfalls bleibt eine 100%ige Leseempfehlung stehen – und ein Kompliment für Jutta Scheiderbauer und ihre MitautorInnen.

P.S.: Frau Beßlers neuerlicher Editorial-Hieb gegen den MS-Kranken Herrn B. lässt sich ja wohl gepflegt überlesen bzw. ihr von Herzen gönnen. Sie hat halt Freude daran, und wenn ich Menschen Freude mache, freue ich mich. Solches Rauschen soll aber weder mich noch Sie, die Sie dies lesen, davon abhalten, die gute und wichtige Zims unter Mitreisenden weiterzuempfehlen.

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Miete zahlen mit dem Mietmaul

Endlich Licht am Horizont! Den mir grad angebotenen Job nehme ich jetzt natürlich an, nachdem mir wegen Formaldehyd, Zelt und fieser Fernsehwidrigkeiten zügig die Perspektiven ausgehen. Da mach ich also gern mit! Und das um so lieber, da man mich so nett einlädt, mit Honig um den Vier-Tage-Bart: “Wir sind begeistert von Ihrer Schlagfertigkeit und Bühnenpräsenz und fänden es toll, wenn Sie den Anlass moderieren würden”, “eine Veranstaltung (…) um mehr Verständnis für MS zu schaffen”, na, bitte, logisch! Und dann auch noch gegen Honorar, Reisekosten, Spesen.

Äh. Augenblick. Gut, mein Rückgrat müsste ich dann an der Garderobe abgeben, weil ja der zahlende Kunde eben jenes Pharmaunternehmen ist, das ich am lautesten kritisiert habe, und ich bühnenpräsent und schlagfertig Hilfreiches sprechen soll vor “100 Mitarbeitern” (…) aus allen Abteilungen (Recherche, Verkauf, Marketing, etc.)” … aber, hey, so verdiene ich mir doch neben ordentlich Promi-Kohle auch gleich noch en passant  das, was mir die fiesen MSsies aus dem DMSG-Forum eh immer rufmordend nachsagen: Der Vollpfosten will sich doch nur die Taschen vollmachen!

Naa. Nee. Natürlich nicht, folks. Lieber mit Rückgrat erfrieren als ohne leben. (Aber soll ich irgendwen von euch empfehlen, als Gastredner? Das Honorar ist bestimmt okay, die Firma hat seit dem Vogelgrippen-Raubzug mindestens einen Koffer voll Geld – und bekanntlich einen schicken neuen MS-Hit in der Zulassungs-Pipeline).

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Kollateralbildung

Gut, Fefes Blog ist ja sowieso das wichtigste Blog von allen und von jedermann/frau fest abonniert, aber falls das hier doch wem durchgerutscht ist: Diese Überlegungen zur “Kollateralbildung” sind doppelt und dreifach dringend zur Kontemplation empfohlen. Und danach müssen die Buzzfeed-Kids ab jetzt wenigstens einmal wöchentlich eine total langweilige Zeitung durchblättern, sonst gibt´s keine neuen iTunes-Karten.

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Murky Amazon

Meine gewünscht knackige Antwort im Nachbarblog auf die berechtigte Frage, weshalb ich alter Sack zu amazon verlinke und mich so – scheinbar – nicht an meine eigenen Vorschriften halte, verdient hoffentlich einen kurzen Ehrenrettungsversuch, also: ja, amazon ist gefährlich. Für den gesamten Einzelhandel. Auch für den Buchhandel, obwohl der noch am besten aufgestellt ist gegen die Bedrohung, verfügt er doch über ein ungeheuer wirksames Schutzschild, die Buchpreisbindung. Davon träumen alle Hersteller von Schuhen, Gartengeräten und Einweckgläsern, die Amazon gerade an die Wand klatscht.

Deshalb kaufen wir alle, logisch, alles möglichst lokal. Und erhalten Arbeitsplätze vor Ort. Auch wenn es viel unbequemer ist als das Einkaufen beim amazon. Dort bestellen wir also nur im Ausnahmefall. Festangestellte (96% der Bevölkerung) bestellen dort sowieso nie. Die würden sich ja ihr eigenes Grab schaufeln.

Dass man sich nun allerdings bei den guten Büchern ausgerechnet als Autor, also allerschwächstes Glied in der Verwertungskette, schützend vor Verlage und Buchhandel stellen oder werfen soll, ist ein bisschen grob gedacht. Ich jedenfalls verstehe jeden Autor, der sein Taschenbuch auf seiner eigenen Webseite zu den amazonen verlinkt, denn auf diese Weise verdoppelt er per Mausklick sein lausiges Honorar. 95% der Taschenbuchumsätze landen nämlich nicht beim Autor. Sogar die Gemeinschaft, vertreten durch die Finanzämter, verdient mehr an jedem einzelnen Taschenbuch als der Urheber, nämlich 7% MwSt. Autor: 5%. Vom Rest, nach Abzug der 7% vom Ladenpreis. Sprich: Der Autor, der sich selbst verlinkt, zieht dem Buchhändler 5% von dessen 40% Umsatzbeteiligung ab, danach steht´s dann nicht mehr 5:40, sondern nur noch 10:35 zugunsten des Händlers. Das kann man fies finden. Oder eben auch nicht.

Wie ich bereits drüben schrieb, gehen meine Zusatzeinnahmen komplett in meine diversen Spendenaktivitäten, die sich möglichst auf 3-5% vom Brutto belaufen. Das soll hier aber nur am Rande erwähnt sein, weil´s Privatsache ist. Hier soll nur entschuldigend stehen bleiben: Wenn Autoren sich selbst via amazon verlinken, ist das nicht per se unanständig. Sondern im größeren Zusammenhang zu sehen. Amazon nutzt schlicht aus, dass Urheber und Autoren im bestehenden System miserabel dastehen – und zu diesem unerhörten Angriff auf die Verteilung im alten System gehört auch die Honorargestaltung bei den Self-Publishing-Möglichkeiten für den Kindle. Das Problem ist aber nicht ursächlich amazon, sondern die systematische Schlechtstellung der Autoren.

Wieso ich trotzdem gerade einen Anwalt suche, der mich gegen Amazon begleitet? Na, weil ich nicht nur Autor bin, sondern auch Kunde. Und da Amazon sich weigert, meine gesammelten Such- und Einkaufsdaten zu löschen und sich obendrein auf angeblich geltendes Recht beruft (man dürfe gar nichts löschen, auch nicht die Daten aus 2003), müssen wir wohl mal reden. Ich bin gespannt, ob danach auch mein ganzer Kindle leer ist, aber das wäre dann bestimmt eine weitere Runde bis zum BGH wert.

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The Night Manager

Das wurde aber auch Zeit. Höchste. John LeCarrés “The Night Manager” ist endlich als 8teilige Serie verfilmt worden, und das ganz vortrefflich. (Die erste Verfilmung gab´s ja ohne Hinweis auf den berühmten Urheber 5-teilig im deutschen Fernseh, die Anekdote dazu ist aber zu lang für dieses Blog; bisschen schade ist allerdings, dass es das Archiv der legendären Woche nicht mehr gibt. Oder eben nie gab. Dafür gibt´s immer noch antiquarisch den Rowohlt-Roman „Held“ nach dem Fernsehfilm „Der Schattenmann“, und wer darüber mal ne Doktorarbeit schreiben will, darf mich anrufen. Ich will dann aber ein Lob, dass ich wirklich alle wortwörtlichen Zitate gefunden und ersetzt habe.

Wie dem auch sei: Die neue Verfilmung ist wirklich richtig wunderbar gelungen. Was nicht nur an der Vorlage liegt, sondern auch am Cast. Und eben auch an meiner Lieblingsregisseurin Susanne Bier. Also: nie war ein Must See … muster.

(Und sollte das nicht eh längst bekannt sein: Biers grandiose „Zweite Chance“ ist auch so´n Must Must.)

P.S.: Zur drüben im „DGW“-Blog gestellten Frage, weshalb ich zum Erzschurken amazon verlinke, bitte einen kurzen Zusatzblick auf den Eintrag etwas weiter oben werfen.

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