{"id":627,"date":"2012-11-09T18:57:00","date_gmt":"2012-11-09T18:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=627"},"modified":"2012-11-09T18:57:00","modified_gmt":"2012-11-09T18:57:00","slug":"was-mochten-sie-denn-in-ihrem-leben-noch-erreichen-preusen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=627","title":{"rendered":"&#8222;Was m\u00f6chten Sie denn in Ihrem Leben noch erreichen?&#8220; &#8211; &#8222;Preu\u00dfen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Mein alter Freund L. kann besser lesen als ich. N\u00e4mlich beginnend mit der letzten Seite, was im Fall von <strong>Eva Hermann<\/strong>s \u201e<strong>Das Medienkartell<\/strong>\u201c tats\u00e4chlich hilft. In ihrem neuen Buch, erschienen im Kopp-Verlag, der letzten Ausfahrt vor bod, fragt die die Ex-Nachrichtenansagerin n\u00e4mlich abschlie\u00dfend Ex-KSK-Kommandeur Reinhard G\u00fcnzel: \u201e<em>Was m\u00fcsste geschehen, damit Deutschland genesen kann? <\/em>Dessen Antwort lautet, wohl befeuert vom historisch dicht beisammenstehenden \u201eDeutschland\u201c und \u201egenesen\u201c:<em> \u201eSofortige Abkehr von der nihilistischen Ideologie unserer sozialistischen Weltverbesserer und R\u00fcckkehr zu den klassischen Werten des christlichen Abendlandes, verbunden mit einer Wiederbelebung jener Tugenden, die zwar die Preu\u00dfen nicht erfunden, aber letztmalig in beeindruckender Weise verwirklicht haben<\/em>.\u201c Ausnahmsweise l\u00e4sst die Autorin hier die Ausrufezeichen weg, aber die Diagnose dr\u00e4ngt sich trotzdem auf: Hermann ist offenkundig verletzt, und nicht nur am Stolz, sondern auch dort, wo die Helmpflicht gilt.<\/p>\n<p>Und das ist \u00fcberaus bedauerlich. Nicht nur f\u00fcr die Versehrte und deren Kasse, sondern erst recht f\u00fcr die Sache. Denn in jener hat Hermann ja durchaus h\u00e4ufiger mal recht oder wenigstens gute Argumente f\u00fcr wichtige Diskussionen auf ihrer Seite. Was allerdings durch die ganze Preu\u00dfenverherrlichung (sowie siehe unten) komplett verdeckt wird. Dummerweise h\u00f6rt man Hysterikern n\u00e4mlich ungern zu, schon weil sie immer laut schreien, womit sie gerade einer wichtigen Sache verheerend schaden k\u00f6nnen. Weshalb Hermann jeder Ann\u00e4herung an unbequeme Wahrheiten einen B\u00e4rendienst erwiesen hat, denn viele der Pre$$titutes, Teestubendumpfbacken und Gummizellenemanzen, die sie berechtigt kritisieren m\u00f6chte, k\u00f6nnen sie nun ohne M\u00fche als anstaltsreif in Schutt und Asche schreiben. Oder k\u00f6nnten. K\u00f6nnen sie aber auch lassen, weil die radikalisierte Blondine sich f\u00f6rmlich selbst erledigt hat.<\/p>\n<p>Doof. Denn was Hermann <em>eigentlich<\/em> oder wenigstens <em>auch<\/em> konstatieren m\u00f6chte, in nuce und ganz sachlich, ist: Wir sind lausig informiert, es gibt hierzulande keinen unabh\u00e4ngigen Journalismus mehr, alle \u201epolitischen\u201c Magazine h\u00e4ngen am Werbetropf der Industrie, <em>Der<\/em> <em>Spiegel<\/em> ist eine Hochglanzvariante von <em>Elbe Wochenblatt<\/em> oder <em>B\u00e4ckerblume, <\/em>Relevantes findet in den Medien nicht mehr statt, generell gilt \u201edie Betroffenen bitte nicht mit Fakten st\u00f6ren\u201c, die ver\u00f6ffentlichte Meinung hat wenig mit der \u00f6ffentlichen Meinung zu tun, denn unsere Repr\u00e4sentanten sind unf\u00e4hige Soziopathen, auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar, und konnten sich vor Hartz IV nur durch rechtzeitige Einweisung in einen Landtag oder die Redaktion eines Frauenmagazins retten. Diese Leute sind gef\u00e4hrlich. Die Situation ist\u00b4s erst recht. F\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re die Arbeitshypothese. Und verdiente unbedingt eine genauere Betrachtung. Am besten allw\u00f6chentlich zur besten Sendzeit im ZDF. Moderiert von Ken Jebsen und G\u00fcnther Jauch (als Jebsens Assistentin). Hermann d\u00fcrfte allerdings nicht teilnehmen, weil sie alle paar Sekunden den Faden verliert, <em>WordPress<\/em> f\u00fcr ein \u201eNachrichtenportal\u201c h\u00e4lt und dauernd ma\u00dfgebliche Kleinigkeiten vergisst (oder diese nicht mal ahnt): fairerweise sollte sie doch wenigstens erw\u00e4hnen, dass es im &#8222;gleichgeschalteten&#8220; Mediensumpf Ausnahmen gibt, sogar im Fernseh, von \u201eMonitor\u201c bis \u201ePanorama\u201c &#8230; Andererseits k\u00f6nnte Hermann Besserwissern wir mir an dieser Stelle mit Chomsky messerscharf entgegenhalten, die <em>Illusion<\/em> von Dissens und kritischer Berichterstatttung (im engen Rahmen) sei ja notwendiger Teil der gleichgeschalteten Manipulation und Verarasche, denn nur so verharrten die Kl\u00fcgeren unter den Konsumenten im festen Irrglauben, in einer Demokratie zu leben. Auch wieder richtig. K\u00f6nnte sie argumentieren. Sofern sie\u00b4s w\u00fcsste. Wei\u00df sie aber nicht. Sie wei\u00df prim\u00e4r: \u201ePreu\u00dfen!\u201c<\/p>\n<p>Den schwersten Webfehler aber begeht Hermann (in bester Kopp-Autoren-Gesellschaft), indem sie die Macht des einzelnen Lesers, H\u00f6rers, Schauers, Konsumenten sprich: freien B\u00fcrgers vergisst bzw. unterschl\u00e4gt und das \u201eMedienkartell\u201c mit der organisierten Desinformationsindustrie in DDR, Nordkorea oder anderen totalit\u00e4ren Systemen vergleicht. Dabei l\u00e4sst Hermann dann einfach die f\u00e4llige Schelte und Backpfeife f\u00fcr den\/die bescheuerte(n) LeserIn oder Zuh\u00f6rerIn weg, der\/die ja sehr wohl \u2013 und problemlos \u2013 die \u201eMedien\u201c zwingen k\u00f6nnte, ganz anders zu arbeiten, n\u00e4mlich indem er\/sie, die Konsumenten, einfach Qualit\u00e4t nachfragen \u2013 und f\u00fcr diese Leistung <em>bezahlen<\/em>. Und gleichzeitig z. B. <em>Stern, Spiegel, Focus <\/em>oder<em> <\/em>auch gleich noch<em> Wetten, dass<\/em>? ihr Vertrauen entziehen, qua Boykott resp. Nachfrageverweigerung. Tun sie aber nicht, die Bl\u00f6den, Bequemen. Und auch die klugen Bequemen nicht, die ebenso wenig wie die ganz Bl\u00f6den bereit sind, <em>echten<\/em> Journalismus zu suchen und zu <em>bezahlen<\/em>.<\/p>\n<p>Kurz: Wer Medienkritik ernsthaft betreiben will, kommt neben faktischer Klarheit in der Argumentation erst recht nicht darum herum, dem Publikum gepfeffert die Leviten zu lesen. Das aber wird nicht mit Honoraren belohnt und\u00a0 erst recht nicht mit Applaus. Da aber dies offenbar alles ist, woran es Hermann liegt (neben der Herstellung ihres guten Rufs als Preu\u00dfin) sind wir unterm Strich alle gut beraten, nicht <em>meinem<\/em> Beispiel zu folgen und Hermanns ganzes Best-of-Kopp-Potpurri zu lesen, sondern nur, wie von Herrn L. vorgelebt, die letzte Seite quer. (Daf\u00fcr aber bitte zur Strafe mindestens 6 B\u00fccher von Palast und Pilger sowie Scheer, Radermacher und Felber).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein alter Freund L. kann besser lesen als ich. N\u00e4mlich beginnend mit der letzten Seite, was im Fall von Eva Hermanns \u201eDas Medienkartell\u201c tats\u00e4chlich hilft. 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