{"id":543,"date":"2012-08-09T17:04:18","date_gmt":"2012-08-09T17:04:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=543"},"modified":"2012-11-20T22:12:52","modified_gmt":"2012-11-20T22:12:52","slug":"shout-out","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=543","title":{"rendered":"Shout-out"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<strong>Alexander Broicher<\/strong>s Roman ist die zeitgen\u00f6ssische Antwort auf George Orwells <em>1984<\/em> \u2013 hochaktuell, unterhaltsam und auf der H\u00f6he der Zeit\u201c, ruft Frederic Beigbeder von der R\u00fcckseite von <strong>Fakebook<\/strong> (Heyne Hardcore). \u201eDa haben Sie ein anderes Buch gelesen\u201c, gestatte ich mir in memoriam Berti Vogts zu erg\u00e4nzen, denn der Text, der sich unter dem Deckel verbarg, hatte wenig Gutes. Immerhin: kurz ist er, also vergeudet man nur 2 Stunden Zeit. Der Rest ist eine m\u00fcde Idee (Loser erfindet ein cooles Facebook-Alter-Ego und ist pl\u00f6tzlich ein neuer cooler Mensch) nebst m\u00fcder Ausf\u00fchrung (Loser hat eigentlich nix weiter vor mit seiner Coolness, als seinen doofen Job festzuhalten und die wahre Liebe zu finden), sprachlich bieder und ohne jeden Kontakt zu den durchaus gro\u00dfen und spannenden Fragen, die das wahre Facebook aufwirft. Am Ende bleibt die Erkenntnis: entweder kann Beigbeder sich keine guten Drogen mehr leisten, oder er meinte mit dem Vergleich eigentlich Cory Doctorows \u201eLittle Brother\u201c. Nehmen wir zugunsten aller letzteres an.<\/p>\n<p>Viel passender und wahrer ist, was auf der Klappe von <strong>Jess Waller<\/strong>s <strong>Beautiful Ruins<\/strong> steht. N\u00e4mlich zum Beispiel \u201eA ridiculously talented writer\u201c (NYT). Stimmt. Sowie \u201eAn absolute Masterpiece\u201c (Ricahrd Russo). Stimmt auch. Oder \u201eif you want anything more from a novel than Jess Waller gives you with <em>Beautiful Ruins<\/em>, you\u00b4re getting thrown out of the theatre\u201c (Daniel Handler). Recht so! Ich habe \u2013 sehr zum Leidwesen von Lektoren und Lesern \u2013 nur sehr selten das Gef\u00fchl, ich sollte das B\u00fccherschreiben einfach lassen, weil es verdammt noch mal Autoren gibt, denen ich absolut nicht das Wasser reichen kann, aber nach der Lekt\u00fcre von Beautiful Ruins bin ich doch wieder kurz davor. Dem Lob der Herren oben ist wenig hinzuzuf\u00fcgen, eine geeignete Inhaltsangabe findet sich garantiert bei den einschl\u00e4gigen H\u00e4ndlern, und sobald ich wei\u00df, wie das Buch (das bei Blessing erscheint, irgendwann) auf Deutsch hei\u00dfen wird, reiche ich diese Information selbstredend nach. Bis dahin bleibt mir nur ein lautes: Lesen! Mit Kuli in der Hand, zum Anstreichen der scheinbaren Beil\u00e4ufigkeiten in dieser 50 Jahre umspannenden Geschichte bildsch\u00f6ner Tr\u00fcmmerhaufen (die vorwiegend nicht aus Steinen sind, sondern aus Fleisch und Blut), Perlen wie (beliebig aufgelesen) \u201eAnd what she loved about Lydias play: that it gets at the idea that true sacrifice is painless\u201c. Hinrei\u00dfend! Gro\u00dfartig! Famos!<\/p>\n<p>Nicht lesen muss man hingegen<strong> James Sallis\u00b4<\/strong> <strong>Driven<\/strong>. Kann man nat\u00fcrlich, denn es ist \u2013 wie der Vorg\u00e4nger <strong>Driver<\/strong> \u2013 fein geschrieben, lakonisch, ohne jedes \u00fcberfl\u00fcssige Wort. Allerdings ist es auch ann\u00e4hernd das gleiche Buch. Was ja dann doch irgendwie \u00fcberfl\u00fcssig ist, eingedenk der Tatsache, dass in ein Gesamtleserleben nur zirka 5.000 B\u00fccher passen.<\/p>\n<p>Weshalb ich auch die Lekt\u00fcre der <strong>Breach<\/strong>-Trilogie von Patrick Lee (<strong>The Breach \/ Ghost Country \/ Deep Sky<\/strong>) nicht dringend empfehle, denn obwohl auch Lee ein paar schicke Shouts auf den Jacketts hat, bleibt nach dem Weglegen der gut gemeinten Sci-Fi-Action wenig h\u00e4ngen, da Lee bei aller flotten Action ersch\u00fctternd wenig zu sagen hat. Wer sich \u2013 wie <em>yours truly<\/em> \u2013 vom Versprechen leimen l\u00e4sst, seine Trilogie k\u00f6nne mit Suarez\u00b4 <strong>Daemon\/Darknet <\/strong>mithalten, sieht sich jedenfalls fundamental entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Zuletzt soll aber ausgerechnet die <em>Technology Review<\/em> sehr sachlich shouten d\u00fcrfen, und zwar so: \u201eRoboteraufstand, \u00dcberbev\u00f6lkerung, Supervulkanausbr\u00fcche. Mit einer langen Liste von apokalyptischen Angeboten befriedigt der niederl\u00e4ndische Wissenschaftsjournalist (<strong>Maarten) Keulemans<\/strong> die Lust an der Katastrophe, ohne dabei die wissenschaftliche Perspektive zu verlieren. Ein Datum (f\u00fcr den Weltuntergang) nennt er jedoch nicht.\u201c Das w\u00e4re ja auch noch sch\u00f6ner. Denn im Gegensatz zur Technology Review hat Keulemans Humor, und dann auch noch diesen schr\u00e4gen, was sein (wissentlich falschlateinisch betiteltes) <strong>Exit Mundi<\/strong> (dtv) zu einem Marketingalptraum machen d\u00fcrfte. Denn die Zielgruppe sind wissenschaftlich interessierte Menschen, die sich selbst nicht sonderlich ernst nehmen und keine Angst vor dem Tod haben, und da f\u00e4llt mir doch auf Anhieb gleich mal exakt gar keiner ein. Falls aber dieser mir unbekannte Sympath hier mitliest, sei ihm Keulemans f\u00fcr zwischendurch ans Herz gelegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAlexander Broichers Roman ist die zeitgen\u00f6ssische Antwort auf George Orwells 1984 \u2013 hochaktuell, unterhaltsam und auf der H\u00f6he der Zeit\u201c, ruft Frederic Beigbeder von der R\u00fcckseite von Fakebook (Heyne Hardcore). \u201eDa haben Sie ein anderes Buch gelesen\u201c, gestatte ich mir &hellip; <a href=\"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=543\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3,5,27],"tags":[83,46],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/543"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=543"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":547,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions\/547"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}