{"id":523,"date":"2012-06-20T09:12:07","date_gmt":"2012-06-20T09:12:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=523"},"modified":"2013-01-25T22:24:58","modified_gmt":"2013-01-25T22:24:58","slug":"uberzogener-klima-unsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=523","title":{"rendered":"\u00dcberzogener Klima-Unsinn"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWenn jemand einen &#8222;Klima-Thriller&#8220; schreibt, was hat es f\u00fcr einen Sinn, darin Dinge zu prophezeien, die v\u00f6llig \u00fcberzogener Unsinn sind?\u201c \u2013 fragte mich unl\u00e4ngst eine ver\u00e4rgerte\u00a0<em>Dorita<\/em>, und das ist eine sehr gute Frage. Oder: w\u00e4re. Denn es ist nicht der <em>Autor<\/em>, der im Rahmen der <strong><em>Prophezeiung<\/em><\/strong> Unsinn vorhersagt, es sind Romanfiguren &#8211; was <em>nicht<\/em> dasselbe ist. Merken. Wichtig. Was allerdings ums Eck zu der (mittels Romanfiguren aufgeworfenen) Frage f\u00fchrt: Welchen Sinn hat es, wenn in der <em>Realit\u00e4t<\/em> Wissenschaftler Dinge prophezeien, die v\u00f6llig \u00fcberzogener Unsinn sind? Keinen? Doch. Zum Beispiel \u201eto scare the pants off people\u201c, wie Bj\u00f6rn Lomborg (s. u.) so sch\u00f6n d\u00e4nisch sagt. Deshalb tun\u00b4s ja auch gewisse Gestalten in meinem: Roman. Aber <em>nicht<\/em> der Autor.<\/p>\n<p>Weiter, Dori: \u201eVor allem aber, lieber Herr B\u00f6ttcher, haben Sie nicht den blassesten Schimmer davon, wie Naturwissenschaftler arbeiten und miteinander umgehen, n\u00e4mlich viel lockerer.\u201c Gut. Asche \u00fcber mein schimmerloses Haupt. Forscher verraten einander st\u00e4ndig ungefragt, woran sie arbeiten und welche Fortschritte sie machen. Speziell Forscher, die nicht verbeamtet an einer Uni Reagenzgl\u00e4ser polieren, sondern f\u00fcr die Industrie arbeiten, tauschen sich st\u00e4ndig aus und geben allen Kollegen gern Auskunft, denn es gibt wenig oder gar keine wirtschaftlichen Interessen in der Forschung. Nur wissenschaftliche. Aber und erst recht drum: Die <em>R\u00fcckkehr<\/em> zu wissenschaftlichen Idealen abseits der Gewinnmaximierung ist von kolossaler Bedeutung f\u00fcr unsere Zukunft, wer da \u201elocker\u201c arbeitet, schw\u00e4nzt den falschen Beruf. Aber dass ich dem idealen Wissenschaftler ein Denkmal \u201eums Eck\u201c gesetzt habe, nicht als naives Loblied, das w\u00e4re mal ein berechtigter Vorwurf.<\/p>\n<p>Noch was? \u201eUnd dass jeder jeden kennt durch die Publikationen und deshalb auch klar ist, wer was kann.\u201c Ja. Gut. Nein. Siehe oben sowie diverse, unter anderem \u2013 in diesem Zusammenhang \u2013 Henrik Svensmark. Der hatte ja, wie Sie wissen, gro\u00dfe Probleme, unter all den lockeren Forschern \u00fcberhaupt publiziert zu werden, weshalb lange keiner wusste, was er, Svensmark, wei\u00df oder kann. Ein sch\u00f6ner Arte-Film \u00fcber ihn ist \u201e<strong><span style=\"color: #000000;\"><em><span style=\"color: #000000;\">Das Geheimnis der Wolken<\/span><\/em><\/span><\/strong>\u201c, und den gibt\u00b4s zum Beispiel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6F07T2PHISo\" target=\"_blank\"><span style=\"text-decoration: underline;\">hier<\/span><\/a>. Wie? Ob\u00b4s da bittesch\u00f6n noch mehr Beispiele gibt? Kollegen, die <em>gar<\/em> nicht ver\u00f6ffentlicht werden? Klimaforscher sogar? Und von denen wir <em>gar nichts<\/em> wissen? Da soll Ihnen doch mal noch ein paar von denen <em>nennen<\/em>, die keiner ver\u00f6ffentlicht und keiner kennt? Kurz nachgedacht: ginge das? K\u00f6nnte ich? (Okay, ein paar von denen standen Anfang Januar im fiesen Verschw\u00f6rerblatt <em>Wall Street Journal<\/em>, aber den Ausschnitt hab ich glatt verschlampt.)<\/p>\n<p>\u201eUnd vor allem: Dass die Geheimhaltung von Forschung das absolute No-No ist.\u201c Na gut. Die Welt ist heil. Wir sind alle Br\u00fcder und Schwestern. Geheimnisse gibt es nicht. Schon gar nicht in der Forschung. Von NASA bis Pentagon, von S\u00fcdkorea bis Iran: wir teilen alles. Und alles mit. So mag\u00b4s wohl sein; die Welt ist ganz Wahrnehmung und Vorstellung, und so sollen Doris und meine Meinung als Freude auseinandergehen. Aber eines bleibt dann doch als gemeinsam begriffen stehen: so ganz ohne Thrill und Plot neben den wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Aspekten w\u00e4re die \u201eProphezeiung\u201c ein reines Sachbuch geworden, und das ist sie ja nun Gottlob nicht.<\/p>\n<p>Sachlicher weiter, zu den frischen Weltklimagipfel-Empfehlungen: <strong>Bj\u00f6rn Lomborg<\/strong>, rotes Tuch f\u00fcr alle, die \u201e\u00fcberzogenen Unsinn\u201c prophezeien, w\u00e4re garantiert auch den dazugeh\u00f6rigen Romanfiguren ein dicker Dorn im Auge (wie\u00b4s Lomborg in der Realit\u00e4t f\u00fcr den m\u00e4chtigen <em>Climate Blogger <\/em>Joe Romm ist). Lomborgs Buch <strong>Cool it<\/strong> habe ich gelegentlich als passendes Gegengewicht zur gleichgeschalteten Meinung <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.erz\u00e4hler.net\/?p=30\" target=\"_blank\">empfohlen<\/a><\/span>, die bewegten Bilder dazu (gleicher Titel) gibt\u00b4s jetzt auf DVD, wenn auch leider nur beim US-H\u00e4ndler. Macht aber in allen Darreichungsformen gro\u00dfen Spa\u00df und erfrischt das Gehirn.<\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr <strong>Peter Bycks<\/strong> Dokumentation <strong>Carbon Nation<\/strong>, die ebenso \u201egr\u00fcn\u201c wie ganz undramatisch amerikanisch daherkommt, n\u00e4mlich naiv, zuversichtlich und anpackend im Sinne von Kennedys \u201eFrag, was <em>Du<\/em> f\u00fcr Dein Land tun kannst\u201c, nicht blo\u00df zeternd und jammernd und das Welt- oder Wohlstandsende prophezeiend. Wie Lomborg erkennen Byck und die von ihm portr\u00e4tierten Protagonisten explizit an, dass sich das Klima \u00e4ndert, und betonen, dass wir umgehend einen neuen Weg einschlagen m\u00fcssen. Allerdings nicht unbedingt den, auf dem man aufh\u00f6rt zu duschen, sondern jenen, der zu neuen L\u00f6sungen f\u00fchrt. Spannend, das.<\/p>\n<p>In die gleiche Kerbe schlagen von links und daher vermutlich \u00fcberraschend f\u00fcr Schlichtgestrickte der gesch\u00e4tze taz-Autor <strong>Peter Unfried <\/strong>sowie <strong>Hannes Koch<\/strong> und <strong>Bernhard P\u00f6tter<\/strong> mit ihrem frischen <strong>Stromwechsel <\/strong>(Westend Verlag, 14.99 \u20ac), einem schmalen Buch, das nachhaltig \u00fcber status quo und Tellerrand hinausblickt, die richtigen Fragen und Feststellungen enth\u00e4lt und en passant Schluss macht mit der Legende, alle Kapitalisten seien \u201e\u00fcber\u201c. Die Wahrheit liegt weder links noch rechts, sondern wie meist in der spannenden Mitte. M\u00f6ge \u201eStromwechsel\u201c einen Beitrag leisten, dass wir dort noch heil ankommen.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>P.S.: Ach so, <strong>Prophezeiung<\/strong> gibt\u00b4s ab morgen als Taschenbuch, f\u00fcr 9,99 \u20ac. Ist nicht schlecht geworden, sondern h\u00f6chstens besser auf dem kurzen HC-Weg seit Februar 11, zudem kommen in der neuen Darreichungsform jetzt 89,7% der Einnahmen wohlt\u00e4tigen Zwecken zugute \u2013 also dem Erhalt der deutschen Kulturlandschaft, der Verlage und des Buchhandels. Von den verbleibenden 1.11 \u20ac unterst\u00fctzt jeder K\u00e4ufer mit 65 Cent die Pensionsversorgung verdienter deutscher Beamter und mit 56 Cent den Urheber des Werkes. Der hiermit im Namen aller Profiteure jedem Leser herzlich dankt, der dieses Opfer bringt, statt sich das Buch einfach von irgendwem zu leihen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn jemand einen &#8222;Klima-Thriller&#8220; schreibt, was hat es f\u00fcr einen Sinn, darin Dinge zu prophezeien, die v\u00f6llig \u00fcberzogener Unsinn sind?\u201c \u2013 fragte mich unl\u00e4ngst eine ver\u00e4rgerte\u00a0Dorita, und das ist eine sehr gute Frage. Oder: w\u00e4re. 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