{"id":397,"date":"2012-01-23T12:16:09","date_gmt":"2012-01-23T12:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=397"},"modified":"2012-01-23T12:16:09","modified_gmt":"2012-01-23T12:16:09","slug":"gut-allein-reicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=397","title":{"rendered":"Gut allein reicht"},"content":{"rendered":"<p>Warum machen Fernsehprominente so was eigentlich? So: aufr\u00fcttelnde Sach- und Fachb\u00fccher schreiben, laut \u201eAlarm!\u201c rufen und dem Volk gute Ratschl\u00e4ge in Sachen Klimarettung und Kohlenstoffschuhgr\u00f6\u00dfe geben? Mein innerer Philantroph m\u00f6chte nat\u00fcrlich annehmen: Weil sie ein Gewissen haben, weil sie verantwortungsvoll sind, und weil sie ihren Einfluss selbstlos nutzen wollen, um die Welt zu verbessern oder zu retten. Mein interner Misantroph soll also geh\u00f6rig schweigen. Festhalten will ich aber doch d\u00fcrfen, dass der ganz altruistische Weltretter-Promi sich nichts vormachen sollte, und zwar a) die eigene Strahlkraft betreffend (\u201eDas wollen bestimmt <em>alle<\/em> lesen, nicht nur meine Fans!\u201c), und b) die Intelligenz der eigenen Fangemeinde betreffend &#8211; sonst n\u00e4mlich geht das Ganze schief. Exemplarischer: Sofern es <strong><em>Hannes-Jaenicke<\/em><\/strong>-Fans tats\u00e4chlich <em>gibt<\/em>, kaufen die vermutlich gern ein Buch mit vielen Fotos von Hannes Jaenicke, auf denen Hannes Jaenicke auf dem Amazonas paddelt, Hannes Jaenicke betroffen auf tote Fische kuckt oder Hannes Jaenicke betroffen neben einem Eisb\u00e4r sitzt oder neben Sigmar Gabriel. Oder Hannes Jaenicke sonst wie betroffen kuckt. Dazu braucht\u00b4s dann noch ein paar luftig gesetzte Simpeltexte sowie Gespr\u00e4chsnachweise mit weiteren Promis (bzw. R\u00f6ttgen, Gabriel oder anderen Leuten, die Hannes-Jaenicke-Fans kennen), und fertig ist der Appell. Der unter dem Titel <strong><em>Wut allein reicht nicht<\/em><\/strong> vielleicht tats\u00e4chlich den einen oder anderen Hannes-Jaenicke-Fan erweicht, sich die Chipst\u00fcte vor dem n\u00e4chsten Fernsehfilm nicht per SUV ranzukarren, sondern zu Fu\u00df von der Tanke zu holen. Das w\u00e4re dann: Mission accomplished.<\/p>\n<p>Legt hingegen die Schauspielerin, \u00c4rztin und Zweifachmutter <strong><em><span style=\"color: #000000;\">Christiane Paul<\/span><\/em><\/strong> ein engagiertes Selbstversuch- und Umdenk-Buch vor (<strong><em><span style=\"color: #000000;\">Das Leben ist eine \u00d6ko-Baustelle<\/span><\/em><\/strong>), <em>ohne<\/em> irgendwelche Fotos von sich und allerlei possierlichen Tieren, nur mit lauter kleinen Buchstaben drin, verkennt sie offenbar ihre Fan-Basis, denn die besteht ja aus Frauen, die beim Fernsehen b\u00fcgeln oder vice versa &#8211; und nicht aus Akademikern, die sich gern von einer Schauspielerin mit Doktortitel erkl\u00e4ren lassen m\u00f6chten, wie die Dinge wirklich zusammenh\u00e4ngen. Das b\u00fcgelnde Lieschen M\u00fcller allerdings vermutlich auch nicht. Drum w\u00e4re im Sinn der Sache (= unseren Planeten retten) weniger wohl mehr gewesen, denn ohne Bilder will Frau B\u00fcgelm\u00fcller vermutlich nicht mitlesen, und der echte Herr Doktor, der mit dem Klima-und-Energie-Durchblick, wei\u00df leider schon nach wenigen Seiten, dass Frau Paul ihm nichts bahnbrechend Neues mitzuteilen hat, daf\u00fcr viel Privates. Absurd, aber wahr: bei diesem an sich gar nicht verkehrten Buch hilft es, sich einfach vorzustellen, Frau Paul w\u00e4re <em>nicht<\/em> bekannt, sondern blo\u00df Doppelmutter und Co-Autorin des guten Peter Unfried, der ja tats\u00e4chlich wei\u00df, wovon er schreibt.<\/p>\n<p>Allein: will der gedachte selbstkritische Laie einen kurzen und faktensatten \u00dcberblick \u00fcber Status quo und Feel-Good-Optionen des Einzelnen in Sachen Klimawandelstopp lesen, greift er oder sie doch vielleicht besser zu <span style=\"color: #000000;\"><strong><em><span style=\"color: #000000;\">Wir konsumieren uns zu Tode<\/span><\/em><\/strong> des Ressourcenstrategen\u00a0<strong><em><span style=\"color: #000000;\">Armin Reller<\/span><\/em><\/strong> und seiner Co-Autorin <strong><em><span style=\"color: #000000;\">Heike Holdinghausen<\/span><\/em><\/strong>,<\/span> die als taz-Redakteurin professionell Chemie-, Abfall- und Rohstoffpolitik beackert. Denn deren Buch kommt ganz ohne pers\u00f6nliche Anekdoten aus und konzentriert sich auf das eigentliche Problem (sprich: Wir kaufen zu viel und werfen zu viel weg), ist also deutlich zielf\u00fchrender als die oben genannten Berichte. Daf\u00fcr ist der Umschlag nicht so schick wie der von Christiane Paul, denn Paul hat wirklich h\u00fcbsche Augen, und Reller\/Holdinghausen haben blo\u00df einen h\u00e4sslichen M\u00fcllberg.<\/p>\n<address><strong>Hannes Jaenicke<\/strong> \u2013 Wut allein reicht nicht (G\u00fctersloher VH 2010, 240 S., 22.95 \u20ac)<br \/>\n<strong>Christiane Paul<\/strong> \u2013 Das Leben ist eine \u00d6ko-Baustelle (Ludwig 2011, 288 S., 19.99 \u20ac)<br \/>\n<strong>Armin Reller &amp; Heike Holdinghausen<\/strong> \u2013 Wir konsumieren uns zu Tode (Westend 2011, 192 S., 12.99 \u20ac)<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum machen Fernsehprominente so was eigentlich? 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