{"id":328,"date":"2011-10-30T12:16:40","date_gmt":"2011-10-30T12:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=328"},"modified":"2014-01-25T13:11:08","modified_gmt":"2014-01-25T13:11:08","slug":"ich-konnte-das-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=328","title":{"rendered":"\u201cIch k\u00f6nnte das nicht\u201d \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, ich hab\u00b4s aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden aufgeschlagen, das schmale Deb\u00fct der jungen Autorin\u00a0<strong><em><span style=\"color: #000000;\">Florentine Degen<\/span><\/em><\/strong>, klingen mir doch die Titelworte noch aus dem eigenen Leben in den Ohren: als glasklare Einsch\u00e4tzung einer Verflossenen, die meiner Gattin auf diese Weise mitteilte, was Sie an ihrer Stelle t\u00e4te (exklusive Nachsendeantrag), erkrankte der Lebenspartner schwer und endg\u00fcltig. Denn bei Krankheit, gar drohendem Exitus in Nachbarschaft und Freundeskreis gilt frei nach Pony H\u00fctchen nur eine Parole: &#8222;Nichts wie weg!&#8220;<\/p>\n<p>Was Degen meint, ist allerdings noch ein bisschen grunds\u00e4tzlicher. <strong><em><span style=\"color: #000000;\">\u201eIch k\u00f6nnte das nicht\u201c<\/span><\/em><\/strong> ist als kategorischer Kommentar der meisten zu ihrem Entschluss zitiert, ein freiwilliges soziales Jahr im Hospiz zu absolvieren. Was ja nun in der Tat speziell ist. Denn wieso begibt sich ein junger Mensch freiwillig in unmittelbare Todesn\u00e4he, au\u00dfer vielleicht beim Bungeespringen? Degen ist, so viel l\u00e4sst sich umgehend konstatieren, nicht normal. Gottlob. Sie betrachtet den Tod und Sterben offenkundig als Teil des Lebens, aber qua dieser absolut nat\u00fcrlichen Haltung wirkt sie selbstredend in einem absolut unnat\u00fcrlichen Umfeld wie unserem &#8230; seltsam, sonderbar und exotisch. Und vermutlich be\u00e4ngstigend, f\u00fcr so manchen.<\/p>\n<p>Denn ihre Schilderungen des Lebens an der Schwelle zum Tod sind im besten Sinn schn\u00f6rkellos. Das Unvermeidliche ist f\u00fcr die meisten \u201eG\u00e4ste\u201c des Hospiz kein letzter Sonntagsspaziergang, vor dem fest angestellten Personal zieht man innerlich s\u00e4mtliche M\u00fctzen und m\u00f6chte doch zugleich genau diesem Personal nicht ausgeliefert sein auf den letzten Metern \u2013 ums Verrecken nicht. Darin aber besteht der eigentliche Nutzen dieses ein Jahr umfassenden Berichts, l\u00e4sst er jeden mitten im Leben stehenden Leser doch zurecht beunruhigt eine \u201eTo-Do\u201c-Liste erstellen, betreffend das restliche Leben und die eigenen letzten paar Meter: Die Dinge, die man dringend noch erledigen will, kommen wieder ganz oben auf die \u201eBucket List\u201c, dazu der Termin mit dem Anwalt wegen \u201ePatientenverf\u00fcgung\u201c und \u201eTestament\u201c. Sowie, fragend: \u201eWo gibt\u00b4s eigentlich die billigsten Strychnin-Pillen? Und darf man die \u00fcberhaupt im Handschuhfach mitf\u00fchren, zum Eigenbedarf?\u201c<\/p>\n<p>Und so bleibt nach der emotional anspruchsvollen Lekt\u00fcre eine Unterstreichung der Doppelerkenntnis: erstens bereiten wir uns doch besser vor auf das letzte St\u00fcck, sowohl organisatorisch als auch psychisch, zweitens: Wer kein Konzept vom Tod hat, hat auch kein Konzept vom Leben. Aber was das betrifft, steht ja nach Lekt\u00fcre Degen-Bandes auch noch ein Regal dickerer B\u00fccher bereit (aus dem ich bei Bedarf auch weiterhin f\u00fcr den Anfang vom Endgedankenmachen empfehle: Das tibetische Buch vom Leben und Sterben.)<\/p>\n<address><strong>Florentine Degen<\/strong>: &#8222;Ich k\u00f6nnte das nicht&#8220; (KiWi 2011, 256 S., 8.99 \u20ac)<\/address>\n<address><strong>Sogyal Rinpoche<\/strong>: Das tibetische Buch vom Leben und Sterben (Knaur, 512 S., 14.99 \u20ac)<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, ich hab\u00b4s aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden aufgeschlagen, das schmale Deb\u00fct der jungen Autorin\u00a0Florentine Degen, klingen mir doch die Titelworte noch aus dem eigenen Leben in den Ohren: als glasklare Einsch\u00e4tzung einer Verflossenen, die meiner Gattin auf diese Weise mitteilte, was &hellip; <a href=\"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=328\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,138,27],"tags":[60,15],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/328"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=328"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1115,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/328\/revisions\/1115"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}