{"id":320,"date":"2011-10-04T08:57:40","date_gmt":"2011-10-04T08:57:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=320"},"modified":"2011-11-04T17:43:38","modified_gmt":"2011-11-04T17:43:38","slug":"kunstlerdammerung-3-tu-die-mathe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=320","title":{"rendered":"K\u00fcnstlerd\u00e4mmerung (#3): Tu die Mathe"},"content":{"rendered":"<p>Ein Nachtrag zum heiteren Autorenrechnen von oben, f\u00fcr nachdenkliche Leser: wenn Sie ein aus dem Englischen \u00fcbersetztes Taschenbuch kaufen und 80% vom Verkaufspreis bei Verlagen (Originalverlag und deutschem Lizenznehmer) sowie Handel verbleiben, was k\u00f6nnte dann beim Autor oder bei der Autorin ankommen? Genau, 60% der Einnahmen des Originalverlags, der seinerseits die 5% Autorenhonorar des Verkaufspreises erh\u00e4lt. Macht also f\u00fcr den Autor 60% von 5% = 3%. Sprich: 30 Cent von den 10 Euro, die Sie an der Buchladenkasse zahlen.<\/p>\n<p>Nun aber, bitte, einen im Sinn: n\u00e4mlich muss da jemand als Vermittler t\u00e4tig werden, da Sie, Leser, das Werk nicht im Original lesen resp. verstehen k\u00f6nnen. Dieser Vermittler ist der literarische \u00dcbersetzer, und f\u00fcr den bleibt bei der engen Kalkulation oben \u2013 eigentlich &#8230; nix. \u00dcbersetzte Taschenb\u00fccher kosten ja nicht mehr als original deutschsprachige. So m\u00fcssen also die Verlage aus ihrem knappen Budget irgendetwas heraussch\u00e4len, und die Rechnung muss trotzdem noch aufgehen. Was bedeutet, um die Rechnung abzuk\u00fcrzen, dass der \u00dcbersetzer f\u00fcr seine Arbeit ein Seitenhonorar von 10 bis bestenfalls (im Hardcover) 20 \u20ac erh\u00e4lt. Bleiben wir sicherheitshalber beim Taschenbuch. F\u00fcr 400 Seiten erh\u00e4lt der \u00dcbersetzer also 4.000 \u20ac Honorar. Als ebenso anerkannter wie fixer \u00dcbersetzer darf ich Ihnen versichern, dass man bei gebotener Sorgfalt an einem 8-Stunden-Arbeitstag maximal 6 Seiten schafft (inklusive Vor- und Nachbereitung des gesamten Stoffes). Die Anfertigung der \u00dcbersetzung dauert also wenigstens 67 Arbeitstage resp. 3 Arbeitsmonate je 22 Werktage. 4.000\/3 = 1.333,- \u20ac. Monatsgehalt. F\u00fcr 40-Stunden-Wochen. Weihnachtsgeld und 13tes gibt\u00b4s nicht. Und, hey, um richtig gut und angemessen zu \u00fcbersetzen, muss der \u00dcbersetzer einiges wissen. Vor allem muss er Quell- <em>und<\/em> Zielsprache nicht nur so\u00b4n bisschen kennen, sondern perfekt beherrschen, andernfalls kann er aus den Myriaden M\u00f6glichkeiten, die Sprache nun mal bietet, nicht kongenial in die Zielsprache, also Ihre, \u00fcbertragen. Die Ausbildung eines richtig guten \u00dcbersetzers dauert daher ungef\u00e4hr so lange wie die eines richtig guten Arztes oder Anwaltes, aber Sie werden zurecht einwenden, dass die <em>richtig guten<\/em> \u00dcbersetzer ja auch nicht f\u00fcr Peanuts arbeiten, sondern glatt doppelt so gut bezahlt werden wie die noch nicht ganz so guten Kollegen, sprich: immerhin 2.666,&#8211; \u20ac im Monat einnehmen. K\u00f6nnen. Maximal. F\u00fcr schlappe 176 Arbeitsstunden.<\/p>\n<p>Mein Anwalt bekommt f\u00fcr seine hochqualifizierte T\u00e4tigkeit bei gleichem Zeitaufwand nicht 2.666,&#8211; \u20ac, sondern 36.000,&#8211; \u20ac. Und ich finde das beileibe nicht unangemessen.<\/p>\n<p>Vermute allerdings erst recht und weiterhin: B\u00fccher sind viel zu billig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Nachtrag zum heiteren Autorenrechnen von oben, f\u00fcr nachdenkliche Leser: wenn Sie ein aus dem Englischen \u00fcbersetztes Taschenbuch kaufen und 80% vom Verkaufspreis bei Verlagen (Originalverlag und deutschem Lizenznehmer) sowie Handel verbleiben, was k\u00f6nnte dann beim Autor oder bei der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=320\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,56,5,27],"tags":[55,11],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/320"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=320"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":341,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/320\/revisions\/341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}