{"id":250,"date":"2011-07-16T11:17:34","date_gmt":"2011-07-16T11:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=250"},"modified":"2012-11-20T22:09:28","modified_gmt":"2012-11-20T22:09:28","slug":"zahlen-bitte-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=250","title":{"rendered":"Zahlen, bitte! (#1)"},"content":{"rendered":"<p><em>Ommmmm<\/em>. (Lasst euch nicht st\u00f6ren, ich will\u00b4s nur mal kurz hinschreiben, damit ich\u00b4s selbst verstehe, in Sachen &#8222;Geld&#8220; und so:) &#8230; Wir leihen jetzt z. B. erstmal Griechenland (und danach Irland, Portugal und den USA) einen Sack Milliarden, damit &#8211; erstmal &#8211; die Griechen ihre <em>Zinsen<\/em> zahlen k\u00f6nnen. Okay. Damit wir uns nicht missverstehen: Ihre <em>Schulden<\/em> k\u00f6nnen die Griechen nat\u00fcrlich <em>nicht<\/em> zur\u00fcckzahlen, wohl aber f\u00fcr eine Weile die h\u00f6heren <em>Zinsen<\/em> auf diese demn\u00e4chst h\u00f6heren Schulden, sprich: die ganzen gepumpten Milliarden flie\u00dfen allm\u00e4hlich wieder zu uns zur\u00fcck. Und genau das ist nat\u00fcrlich gut. Und wichtig, denn von eben diesen Zinszahlungen bezahlen wiederum wir unsere laufenden Ausgaben. F\u00fcr dies und jenes. Renten. Arbeitslose. Panzer. Und unsere eigenen Zinslasten.<\/p>\n<p>Nur deshalb muss also Griechenland dringend \u201egerettet\u201c werden, denn ein Ausfall des Schuldners h\u00e4tte in der Tat fatale Folgen. Wir machen uns das der Einfachheit halber \u00fcber den Gartenzaun klar. Mein Nachbar (nennen wir ihn Keule) verdient 1.800 Euro netto im Monat, wollte aber gern ein Doppelhaush\u00e4lften-Eigenheim, n\u00e4mlich seine derzeitige Bude, also hab ich ihm die 200.000 Euro f\u00fcr den Kauf geliehen. Vereinbart haben wir g\u00fcnstige 5% Zinsen &amp; 1% j\u00e4hrliche Tilgung, also 1.000 \u20ac monatlich. Da Keule intellektuell leicht gehandicappt ist und gern am Baggersee sitzt und zudem seine Frau gern K\u00fcchenger\u00e4te bestellt, die aber nicht auspackt, geschweige denn benutzt, kommen Keule, Frau und Kind mit den verbleibenden 800 Euro nat\u00fcrlich nicht hin und m\u00fcssen schon Mitte des Jahres um Stundung und Aussetzung der Zinszahlungen bitten. Da mache ich nat\u00fcrlich gern mit, stocke den Kredit um 20.000 auf und beruhige die Nachbarn: Alles wird gut. Erleichterung allerorten. Die monatliche Verzinsungslast bleibt gleich, allerdings jetzt auf 220.000 Euro, macht: 1.100 \u20ac monatlich. Von denen ich wiederum die Ausbildung meiner Kinder bezahle, denn die k\u00f6nnte ich mir andernfalls nicht leisten, sowie mein Leasingauto. Sp\u00e4testens zwei Jahre nach der ersten Aufstockung ist Keule wieder in der Klemme, und wir einigen uns erneut auf eine Kredit-Aufstockung, diesmal auf 250.000 Euro. Und gewinnen beide. Keule kann weiter in seinem Haus wohnen und am Baggersee Souvlaki essen, ich kann weiter die Ausbildung meiner Kinder bezahlen und Mini fahren. Im Wissen: falls je alle Stricke rei\u00dfen und der Penner sein Budget weiter \u00fcberzieht, zwinge ich ihn irgendwann zur Ausgabenk\u00fcrzung (unter Rausschmissdrohung), nehme dann seiner Frau alle K\u00fcchenger\u00e4te und das Tafelsilber weg, und, wenn das nicht reicht, auch noch den Fernseher. Sollte der Loser am Ende trotzdem Privatinsolvenz anmelden, fliegt er aus dem Haus, das ja de facto meines ist \u2013 und das ich jederzeit wieder f\u00fcr die 1.000 Euro im Monat vermieten kann, die ich zur Bestreitung meiner Kosten dringend brauche. So oder so: Ich bin fein raus, als Geldgeber und Gl\u00e4ubiger.<\/p>\n<p>Um es abzuk\u00fcrzen: Das Problem mit Keule Griechenland ist, dass ich im Fall der Privatinsolvenzanmeldung nicht an das Haus komme und es auch nicht anderweitig vermieten kann. Das Haus steht n\u00e4mlich nicht nebenan, sondern weit weg, und \u201eKeule\u201c k\u00f6nnte einfach die Mietzahlung einstellen und umsonst weiter bei mir wohnen. Weil ich n\u00e4mlich nicht die Polizei rufen und ihn rauswerfen lassen kann. Aus Griechenland. So bliebe mir dann nur die schlichte Katastrophe: mein Geld w\u00e4re weg, das Haus unerreichbar, meine Zinseinnahmen w\u00fcrden versiegen, meine Kinder m\u00fcssten die Ausbildung abbrechen und ich fortan Fahrrad fahren.<\/p>\n<p>Deshalb braucht Griechenland den neuen Kredit. Oder die Umschuldung. Dringend. Verstanden. Das war leicht.<\/p>\n<p>Klar ist aber bittesch\u00f6n auch, und zwar auch jedem geistig Gehandicappten, dass das Problem nur auf allerh\u00f6chstem Niveau vertagt worden ist, in die nahe Zukunft. Denn Keules Kredit ist gerade wieder gestiegen, und seine monatliche Last erst recht. Von den Schulden kommt er eh nie wieder runter, also blasen wir doch die Blase noch ein bisschen dicker und warten auf den Knall.<\/p>\n<p>Wie, wir haben nichts aus der explodierten US-H\u00e4userblase gelernt? Doch, haben wir! 2008 waren\u00b4s nur die Banken, und die Objekte waren pf\u00e4nd- und kassierbar. Diesmal liegen die Dinge anders, n\u00e4mlich jenseits unserer Reichweite.<\/p>\n<p>Es wird drum umso ohrenbet\u00e4ubender l\u00e4rmen, beim Einsturz, aber Janne Teller (siehe <a href=\"http:\/\/www.erz\u00e4hler.net\/?p=203\" target=\"_blank\">hier<\/a>) irrt sich trotzdem: Die w\u00fctenden Griechen kommen n\u00e4mlich mit ihren Kampfjets gar nicht bis M\u00fcnchen, denn wir verkaufen ja nur minderwertige Waffen ins Ausland und behalten die besten Bomber f\u00fcr uns selbst, zur Bedienung durch unsere gerade aufgestockte, hochqualifizierte &#8230; Truppe. (Wie, ich bin nicht auf dem neusten Stand?)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ommmmm. (Lasst euch nicht st\u00f6ren, ich will\u00b4s nur mal kurz hinschreiben, damit ich\u00b4s selbst verstehe, in Sachen &#8222;Geld&#8220; und so:) &#8230; Wir leihen jetzt z. 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