{"id":2262,"date":"2019-02-13T13:27:39","date_gmt":"2019-02-13T13:27:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=2262"},"modified":"2019-02-13T13:27:39","modified_gmt":"2019-02-13T13:27:39","slug":"willkommen-auf-unser-traumreise-herr-und-frau-benzin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=2262","title":{"rendered":"Willkommen auf unser Traumreise, Herr und Frau Benzin"},"content":{"rendered":"<p>Man stelle sich doch nur mal vor, die Weltwirtschaft ginge kurz in die Knie, und die Deutschen verzichteten auf die Anschaffung von Neuwagen. Man m\u00fcsste sofort eine Schrottpr\u00e4mie erfinden, damit der Markt nicht zusammenbricht.<\/p>\n<p>Man stelle sich doch nur einmal vor, die Bankenwirtschaft ginge kurz in die Knie, und Jederman verl\u00f6re ganz generell das Vertrauen in die Kreditw\u00fcrdigkeit der Nebenfrau. Man m\u00fcsste sofort Unmengen neues Geld drucken und vorab die Ersparnisse der Generationen bis 2050 investieren, damit der Markt nicht zusammenbricht.<\/p>\n<p>Man stelle sich vor, die H\u00e4lfte von uns w\u00fcrde \u00fcber Nacht gesund \u2013 tats\u00e4chlich oder \u201egef\u00fchlt\u201c &#8211; und ginge leichten Herzens einfach nicht mehr zum Arzt. Man m\u00fcsste uns eine H\u00f6llenangst machen, dass uns unser Leichtsinn sp\u00e4testens \u00fcbermorgen <em>t\u00f6ten wird<\/em>, und man m\u00fcsste einen Haufen neuer Krankheiten erfinden, um uns in die Praxen zur\u00fcckzuholen, damit der Markt nicht zusammenbricht.<\/p>\n<p>Das \u201em\u00fcsste\u201c steht hier nat\u00fcrlich dreifach zu Unrecht. Man musste. Und hat. Wir k\u00f6nnen uns weder den Zusammenbruch unserer Automobilwirtschaft leisten, noch den Zusammenbruch unseres Bankensystems. Und was wir uns schon gar nicht leisten k\u00f6nnen, ist Gesundheit.<\/p>\n<p>Die Analysten von Goldman Sachs sind folgerichtig zum Schluss gekommen, Medikamente, die tats\u00e4chlich Krankheiten heilen, stellten kein nachhaltiges Gesch\u00e4ftsmodell dar. Der Fall Gilead dient als mahnendes Beispiel, der Hepatitis-C-Markt ist wegen Harvoni und Sovaldi f\u00f6rmlich ausradiert. Die Empfehlung der Fachleute lautet daher, doch besser in solche Start-Ups zu investieren, die nachhaltige Medikamente entwickeln &#8211; also welche, die nicht heilen. Der Krebsmarkt bleibt ausdr\u00fccklich hochinteressant.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlicher aber gilt, problemlos verst\u00e4ndlich f\u00fcr jeden Investor und jeden verantwortungsvoll handelnden Politiker: Gesunde sind gef\u00e4hrlich. Gesunde sind vollkommen nutzlos. Gesunde tragen allenfalls mittels ihrer T\u00e4tigkeit (sofern nicht ehrenamtlich) und ihres privaten Konsums zum alles entscheidenden Bruttoinlandsprodukt bei, aber Gesunde verweigern jede Nachfrage nach den Leistungen des Krankensystems. Das geht nicht. Denn dieses Krankensystem ist l\u00e4ngst <em>too big to fail<\/em> \u2013 ein Wirtschafts- und Wachstumsmonster mit 380 Milliarden Umsatz im Jahr, in dem\u00a0 inzwischen 20-25% unseres BIP erzeugt werden (wir z\u00e4hlen hierbei die als \u201enichtmedizinisch\u201c geltenden Ums\u00e4tze mit, sowohl die von Hom\u00f6opathen, als auch die von Klinikfensterputzern). Ohne diese Maschine br\u00e4che der gesamte Markt umgehend zusammen, und mit ihm unser Wohlstand, unser Haushalt, unser Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns Gesunde daher wirklich nicht leisten. Jede Form von Gesundheit bedeutet f\u00fcr die h\u00f6chst systemrelevante Krankenindustrie Stillstand, Nullwachstum. Der Erkrankte, der nicht die Leistungen von \u00c4rzten, Maschinen und Medikamentenherstellern in Anspruch nimmt, sondern einfach Dinge <em>wegl\u00e4sst<\/em>, um wieder gesund zu werden, stellt eine existenzielle Bedrohung f\u00fcr unseren Wirtschaftswachstumsmotor No. 1 dar. Gesund\u00a0 zu sein oder ganz ohne Hilfe des Systems wieder gesund zu werden, ist die schlimmste Form der Konsumverweigerung in unserem so erfrischend unkomplizierten Glaubenssystem, das nur ein einziges Gebot kennt: Kaufe!<\/p>\n<p>Der Gesunde verweigert den Dienst. Der Gesunde handelt verantwortungslos. Unserer Gemeinschaft gegen\u00fcber, unserem Land. Uns allen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Wir haben in etlichen anderen Bereichen bereits durchexerziert, welche Ma\u00dfnahmen wir ergreifen werden, wenn Werbung, Propaganda und Horrorszenarien nicht mehr ausreichen, um die bockigen Teile der Herde auf Linie zu bringen. Ger\u00e4t das Wachstum ins Stocken, erzwingen wir per Gesetz den Bau und Kauf neuer e-H\u00e4user, e-Autos, e-Gl\u00fchbirnen und e-K\u00fchlschr\u00e4nke, und beginnt die Herde, Dinge und Hilfen einfach \u00fcber den Gartenzaun zu verschenken, erfinden wir eben neue Steuergesetze und sanktionieren Freundlichkeit als steuerlich relevante \u201egeldwerte Leistung\u201c. Unter dem Deckm\u00e4ntelchen <em>Gemeinschaft<\/em> werden wir demn\u00e4chst nun endlich auch die Krankheitsverweigerer nicht mehr verf\u00fchren oder bitten, sondern zwingen, ihren Dienst am Wirtschaftswachstum mittels Konsum zu leisten. Hierbei gilt \u201eWer nicht h\u00f6ren will, muss f\u00fchlen\u201c &#8211; Wer zuk\u00fcnftig nicht freiwillig zur Vorsorge geht, geht unfreiwillig. Wer <em>non-compliant<\/em> seine verordneten Stimmungsaufheller nicht einnimmt, verliert jeden Anspruch auf Leistungen, von der Kosten\u00fcbernahme durch die Kasse bis HartzIV.<\/p>\n<p>Ihr Arzt und ihre Kasse m\u00fcssen Ihnen zur disziplinarischen \u00dcberpr\u00fcfung nicht einmal mehr bei der morgendlichen Ausgabe am Anstaltstresen unter die Zunge gucken. Wir haben inzwischen Sensoren, die Sie mit Ihren Pillen einnehmen. Ein Blick aufs Smartphone gen\u00fcgt. (Falls Sie das nicht glauben, googlen Sie \u201eAbilify MyCite\u201c).<\/p>\n<p>Bei all dem geht es nicht darum, die Gemeinschaft vor Ihrem unverantwortlichen Eigensinn, Ihrer irrationalen Selbstst\u00e4ndigkeit zu sch\u00fctzen. Es geht \u00fcberhaupt nicht um <em>Sie<\/em>. Machen Sie sich klar, welche Funktion Sie im Krankensystem haben. Sie sind hier nicht der Passagier, Sie sind das Benzin. <em>Ihr<\/em>pers\u00f6nliches Ziel ist Gesundheit. Das Ziel des Systems aber ist Ihrem diametral entgegengesetzt. Mehr Gesundheit bedeutet weniger Umsatz, weniger Steuereinnahmen, weniger Besch\u00e4ftigung. Ihr Wohlergehen bedroht das Wohlergehen des Systems, und da Ihr Wohlergehen vom Wohlergehen des Systems abh\u00e4ngt, haben Sie keine Wahl: Sie m\u00fcssen sich behandeln lassen. Und je mehr Folgeverschreibungen die Erstbehandlung hat, desto besser.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht lautet: Noch m\u00fcssen Sie nicht alles schlucken. 2, 3 oder 5 Jahre lang k\u00f6nnen Sie wohl noch ungestraft gesund bleiben. Der Under-Cover-Gesundheitsfanatiker beh\u00e4lt diesbez\u00fcglich die Merks\u00e4tze im Kopf: \u201eFragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker\u201c und \u201eDamit gehen Sie mal besser nicht ganz schnell zum Arzt.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3864892201\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3864892201&amp;linkCode=as2&amp;tag=www119fragede-21&amp;linkId=ce160611091af8148417a1d1889eb5aa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3864892201&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=www119fragede-21\" border=\"0\" \/><\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=www119fragede-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3864892201\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man stelle sich doch nur mal vor, die Weltwirtschaft ginge kurz in die Knie, und die Deutschen verzichteten auf die Anschaffung von Neuwagen. 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