{"id":2232,"date":"2018-09-10T13:50:47","date_gmt":"2018-09-10T13:50:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=2232"},"modified":"2018-09-10T13:50:47","modified_gmt":"2018-09-10T13:50:47","slug":"gesunde-skepsis-macht-laengerfrisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=2232","title":{"rendered":"Gesunde Skepsis macht l\u00e4ngerfrisch"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eWer sich f\u00fcr eine Therapie entscheidet, verliert den Anspruch auf Schicksal. Dies will bedacht sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Satz steht zum Gl\u00fcck nicht ganz vorn in <strong>Gerd Reuther<\/strong>s neuem Buch &#8222;<strong>Die Kunst, m\u00f6glichst lange zu leben<\/strong>&#8222;, sonst m\u00fcsste man sich ja erst mal setzen und ein paar Stunden erholen. Oder z\u00f6ge die Konsequenzen direkt, verzichtete auf jede Therapie \u2013 und vielleicht auch gleich auf das Buch. Damit h\u00e4tte man dann allerdings was verpasst, denn Dr. Reuthers sch\u00f6ner Text bringt im gestreckten Galopp viel Wesentliches in Sachen Krankensystem auf den Punkt: ohne Verzierungen, konzentriert und sicher nicht immer \u201epc\u201c im Sinne von \u201e<em>Man muss aber doch auch ber\u00fccksichtigen, dass mancher Arzt\/Pharmavertreter\/Gesundheitsminister eine schwere Kindheit hatte<\/em>\u201c. Kann man ja privat machen, aber muss man eben nicht, wenn es f\u00fcr einen selbst um lebenswichtige Entscheidungen geht. Und bei der Entscheidung f\u00fcr oder gegen die vom System angebotenen Therapien geht es eben oft genau darum, um Leben oder Tod.<\/p>\n<p>Da ich gelegentlich selbst zur Pr\u00e4zision neige, hat mich im Text aber dann doch eines durcheinandergebracht, denn da ich (Peter Goetzsches gut begr\u00fcndeter Einsch\u00e4tzung folgend) &#8222;nur&#8220; von etwa einer knappen halben Million iatrogener (behandlungsbedingter) Todesf\u00e4lle in den USA + Europa ausgehe, hat mich Gerd Reuthers Einsch\u00e4tzung irritiert, es w\u00fcrde \u201ej\u00e4hrlich in Deutschland eine Gro\u00dfstadt mit 300000 Einwohnern durch Therapieversuche ausgel\u00f6scht.\u201c Da hilft\u00b4s dann sehr, wenn man email kann. Kann ich. Und Gerd Reuther auch. Den ich hier \u2013 mit seiner freundlichen Erlaubnis \u2013 zitiere:<\/p>\n<p><em>&#8222;Nun, woher kommt meine qualifizierte Absch\u00e4tzung? Es sind die Daten \u00fcber die 30-Tage-Sterblichkeit einer europaweiten Studie f\u00fcr Deutschland (2,5%) bei mindestens 8 Mio Operationen in Narkose. Die aus mehreren Studien abgeleiteten 60-70.000 Medikamententoten sind sogar mit deutschenDaten abgesichert, die eine medikament\u00f6s bedingte Sterblichkeit von 0,3% der station\u00e4ren Patienten ermittelt haben. Bei 20 Millionen Patienten sind wir bei mindestens 60.000. Und die Infektionstoten durch Klinikkeime sind mindestens 30.000 nach den Sch\u00e4tzungen des Deutschen Instituts f\u00fcr Krankenhaushygiene. Lebensweltlich auch gut nachvollziehbar: bei 800 Akutkliniken sind dies alle 10 Tage 1 Toter in jedem Krankenhaus. Glaubhaft, da Sie pro Tag in einem Akutkrankenhaus sehr konservativ gesch\u00e4tzt mindestens 10 Patienten haben, die Infektionszeichen entwickeln. In 10 Tagen sind dies 100 und davon stirbt dann einer. Das w\u00e4re nur eine Mortalit\u00e4t von 1% bei Klinikkeimen \u2026\u00a0200.000 + 65.000 +35.000 = 300.000. Davon darf man dann im Saldo vielleicht 100.000 abziehen, die durch Behandlungen vor einem schnelleren Tod bewahrt wurden. Bei unseren 800 Akutkliniken w\u00fcrde dann an jedem 3. Tag in jeder derKliniken 1 Leben gerettet.<\/em><\/p>\n<p><em>In den USA sind die Zahlen 3-4x so hoch:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.webdc.com\/pdfs\/deathbymedicine.pdf\">http:\/\/www.webdc.com\/pdfs\/deathbymedicine.pdf&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n<p>Da muss ich also doch noch mal ran an das eigentlich fertige \u201eRette sich wer kann!\u201c Sch\u00f6ner Mist.<\/p>\n<p>Gerd Reuther aber bleibt zu w\u00fcnschen, dass seine sauber geworfenen Zaunpf\u00e4hle ihre Ziele treffen, denn ein Treffer w\u00fcrde wohl so manchem, der krank ist oder sich so f\u00fchlt, glatt das Leben retten. Ich erinnere mich allerdings (ungern) an die Worte meines Philosophielehrers von einst, das Problem sei weniger die Gr\u00f6\u00dfe der Waffe als die Winzigkeit der Ziele. So wird eben mancher, den es anginge, gar nicht lesen, und manch anderer \u201edas\u201c ja alles gar nicht glauben k\u00f6nnen, weil\u00b4s ihn in der derartig kognitiv \u00fcberfordert, dass er doch lieber gleich das Weite sucht. Aber das ist ja nichts Neues, und Reuther hat\u00b4s ja zumindest versucht, das mit dem Lebenretten.<\/p>\n<p>(Ich sehe ihm dabei wahnsinnig gern nach, dass er die \u00fcber die \u201eKunst der L\u00e4nge\u201c hinausgehenden Fragen \u201e<em>Wozu\u00a0<\/em>\u00fcberhaupt lange leben?\u201c oder \u201e<em>Wie\u00a0<\/em>\u00fcberhaupt leben?\u201c oder \u201eWas <em>ist\u00a0<\/em>ein gut gelebtes Leben?\u201c in seinem konzentrierten kleinen Buch nicht stellt, denn irgendwas Wesentliches muss ja, Danke sehr, auch noch mir zum Er\u00f6rtern \u00fcbrig bleiben.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3742306332\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3742306332&amp;linkCode=as2&amp;tag=www119fragede-21&amp;linkId=00f04b139f47baf74f943180d0bea5d7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3742306332&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=www119fragede-21\" border=\"0\" \/><\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=www119fragede-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3742306332\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer sich f\u00fcr eine Therapie entscheidet, verliert den Anspruch auf Schicksal. 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