{"id":1949,"date":"2016-10-20T17:39:35","date_gmt":"2016-10-20T17:39:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1949"},"modified":"2016-10-26T16:32:37","modified_gmt":"2016-10-26T16:32:37","slug":"urheber-entspannt-euch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1949","title":{"rendered":"Urheber, entspannt euch (K\u00fcnstlerd\u00e4mmerung #29)"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; und h\u00f6rt mal euren Verlagen zu, denn ohne die w\u00e4rt ihr ja nun mal wirklich <em>nichts<\/em> als ebook-Leichen, die keiner kennt oder gar liest. Und eure Verleger wissen: Der BGH versteht einfach nichts von Recht. Susanne Sch\u00fcssler hingegen schon, ihres Zeichens Verlagsleiterin (Wagenbach). Also, herh\u00f6ren, BGH.<\/p>\n<p><em>\u201eObwohl die Mehrheit der Autoren und \u00dcbersetzer, aber auch die Bundesregierung \u00fcberzeugt sind, dass die Verlage sehr wohl Leistungen erbringen, die in diesem Zusammenhang verg\u00fctet werden m\u00fcssen, hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass nach derzeitiger Rechtslage die Verwertungsgesellschaft Wort die Verleger nicht an den Aussch\u00fcttungen beteiligen darf.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der spinnt ja wohl, der Hof.<\/p>\n<p><em>\u201eDies gilt f\u00fcr die Zukunft, aber auch r\u00fcckwirkend. So ist die VG Wort gezwungen, die Verlagsanteile der Jahre 2012 bis 2015 wieder zur\u00fcckzufordern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Un-fass-bar! Und einfach so! Kalt erwischt. Wobei &#8230; na ja, <em>alle<\/em> Zahlungen seit 2012 erfolgten ja unter ausdr\u00fccklichem R\u00fcckforderungsvorbehalt, au\u00dferdem hatten alle Verlage schon 2015 nach dem Reprobel-Urteil des EuGH\u00a0R\u00fcckforderungsschreiben der VG Wort erhalten und\u00a0mussten, wenn sie die R\u00fcckzahlung aufschieben wollten,\u00a0schriftliche Verj\u00e4hrunsverzichtserkl\u00e4rungen gegen\u00fcber der VG Wort abgeben. Sprich: Die Verlage\u00a0wussten die ganze Zeit, dass sie unrechtm\u00e4\u00dfig Geld vereinnahmt haben und dies wieder hergeben m\u00fcssen. Aber wenn man das einfach unter den Tisch fallen l\u00e4sst, kann man die Best\u00fcrzungsschraube nat\u00fcrlich noch ein bisschen weiter durchdrehen:<\/p>\n<p><em>\u201eDiese Entscheidung ist katastrophal.\u00a0Sie ist nicht nur\u00a0vollkommen blind f\u00fcr die Arbeit der Verlage, sie schw\u00e4cht das Urheberrecht insgesamt und hat \u00f6konomisch weitreichende Folgen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>\u00c4h. \u00d6konomische Folgen f\u00fcr die Verlage, ja. Das Urheberrecht hingegen &#8230; wird doch eher gest\u00e4rkt?<\/p>\n<p><em>\u201eEinerseits bedeutet sie einen Sieg f\u00fcr die Ger\u00e4teindustrie, der nun die Begr\u00fcndung frei Haus geliefert wurde, nur noch den Autorenanteil an die Verwertungsgesellschaft zu bezahlen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Oha. Geklagt hatte aber nicht die <em>Ger\u00e4teindustrie<\/em>, geklagt hatten die <em>Urheber<\/em>, vertreten durch Martin Vogel.<\/p>\n<p><em>\u201eZum anderen wird (diese Entscheidung) vielen Verlagen gro\u00dfe Schwierigkeiten bringen: Sie werden noch weniger ungew\u00f6hnliche, aufwendige und kostentr\u00e4chtige Projekte wagen und finanzieren k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Stimmt. Und so geht das nicht. Verlage sollten nicht zu gesunden Mischkalkulationen gezwungen werden.<\/p>\n<p><em>\u201eAls Mitglied des Verwaltungsrats der VG Wort\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Wow<\/em>! Und das \u201een passant\u201c.<\/p>\n<p><em>\u201ehabe ich zusammen mit anderen Verlegern und mit Autoren \u2013 trotz mancher Auseinandersetzung \u2013 viele Jahre f\u00fcr die gemeinsame Rechteverwertung gek\u00e4mpft. Umso mehr trifft mich diese Entscheidung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Offenkundig. Allerdings ist das eine sehr selbstbewusste Form der Kr\u00e4nkung. Denn wenn man jemand jahrelang zuruft \u201edu handelst vermutlich ungesetzlich und wirst am Ende wohl geradestehen m\u00fcssen\u201c und der dann beleidigt ist, wenn\u00b4s tats\u00e4chlich so kommt \u2013 mei, das hat schon was &#8230; Herrschaftszeitliches.<\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr\u00a0unseren Verlag, der nicht gewinnorientiert arbeitet, hei\u00dft es, in allen Bereichen deutlich einzusparen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Augenblick mal. <em>Nicht gewinnorientiert<\/em>? Toll. Und edel. Aber wovon zahlt der Verlag seine Festangestelltenhonorare? Und wieso ist der Verlag kein Verein? Oder eine gemeinn\u00fctzige GmbH?<\/p>\n<p><em>\u201eAm sichtbarsten wird dies bei der Leserinformation:\u00a0Zum ersten Mal seit Gr\u00fcndung des Verlags 1964 werden wir\u00a0keine \u201eZwiebel\u201c\u00a0mit den j\u00e4hrlichen Neuerscheinungen und dem Gesamtverzeichnis produzieren und an die Buchhandlungen und Leser\u00a0verschicken.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Um Himmels willen! Wagenbach kann wegen des rechtsahnungslosen BGH seine Werbung nicht mehr per Post versenden! Werbung, die bei den Buchh\u00e4ndlern eh sofort in der blauen Tonne landet. Das geht nicht! Da m\u00fcssen die Gesetze ge\u00e4ndert werden! Gewinnlos arbeitende Verlage m\u00fcssen ein <em>Recht<\/em> haben, Geld zu verbrennen!<\/p>\n<p><em>\u201eAls einzigen Weg, die Belastung der vollst\u00e4ndigen R\u00fcckzahlung zu reduzieren, sieht der BGH die M\u00f6glichkeit vor, dass die Autoren und \u00dcbersetzer selbst entscheiden, ob sie die zun\u00e4chst f\u00fcr die Verlage vorgesehenen, jetzt ihnen zus\u00e4tzlich zugesprochenen Anteile an die Verlage abtreten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Cool. Das sieht der BGH vor? Echt? Die Autoren (alle reich) retten die Verlage (alle arm)? Problematik siehe <span style=\"text-decoration: underline;\">hier<\/span>. Das riecht nach Schenkung (und kostet die Autoren extra Geld. Aber die sind ja, siehe oben, alle reich).<\/p>\n<p><em>\u201eDie VG Wort hat sich bereit erkl\u00e4rt, solche Abtretungen von Autoren und \u00dcbersetzern abzuwickeln.\u201c*<\/em><\/p>\n<p>Sagt: Frau Sch\u00fcssler, Mitglied des VG Wort-Verwaltungsrates. Aber &#8230; seltsam. Wieso organisieren die Verlage das nicht selbst, also Verlagsleiter wie Frau Sch\u00fcssler? Die VG Wort ist doch die Vertretung der <em>Urheber<\/em>?<\/p>\n<p><em>\u201e\u00dcber einen Vorschlag, wie dies geschehen kann, wird auf der n\u00e4chsten Mitgliederversammlung am 26. November entschieden.<\/em><em> <\/em><em>Falls Sie Mitglied der VG Wort sind, m\u00f6chte ich dringend f\u00fcr Ihre Stimmabgabe zugunsten dieses Vorschlags die Vergangenheit betreffend werben.\u201c<\/em><em> <\/em><\/p>\n<p>Also: Ignorieren des BGH-Urteils, Ausbootung der Autoren, die dann ggf. noch ein H\u00e4ppchen Schenkungssteuer beisteuern.<\/p>\n<p><em>\u201eUnd hoffen Sie mit uns, dass die politisch Verantwortlichen in Berlin und Br\u00fcssel schnell eine L\u00f6sung f\u00fcr die Zukunft herbeif\u00fchren.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Na, bitte, das durfte ja nicht fehlen. Im Klartext: Wenn der BGH den Verlegern erkl\u00e4rt \u201eja, so ist das Gesetz gemeint\u201c, sorgen die Verleger daf\u00fcr, dass das Gesetz eben weg kommt.<\/p>\n<p>Und, ja, <em>das<\/em> ist so gemeint.<\/p>\n<p>(Wird auch klappen. Siehe Titelzeile. Legt euch wieder hin. Autoren haben keine Lobby, weder in Berlin noch in Br\u00fcssel.)<\/p>\n<p>* Dieser nachdr\u00fcckliche Hinweis erging nur offenbar nur an die Autoren, nicht im offenen Brief im <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/artikel-rueckforderungen_der_vg_wort.1243012.html\" target=\"_blank\">B\u00f6rsenblatt<\/a>. Immerhin weist eben jenes aber in Klammern vorneweg darauf hin. Allerdings ohne zu erw\u00e4hnen, dass die Schenkerei rechtlich nicht ohne ist (sprich: steuerliche Folgen hat).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und h\u00f6rt mal euren Verlagen zu, denn ohne die w\u00e4rt ihr ja nun mal wirklich nichts als ebook-Leichen, die keiner kennt oder gar liest. Und eure Verleger wissen: Der BGH versteht einfach nichts von Recht. 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