{"id":180,"date":"2011-03-28T08:01:13","date_gmt":"2011-03-28T08:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=180"},"modified":"2012-11-20T22:04:17","modified_gmt":"2012-11-20T22:04:17","slug":"schreibregeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=180","title":{"rendered":"Schreibregeln"},"content":{"rendered":"<p>Verbl\u00fcffend &#8230; die ersten drei von Altmeister <strong>Elmore <\/strong><strong>Leonard<\/strong>s\u00a0<strong>&#8222;<\/strong><strong>10 rules of writing&#8220;<\/strong> lauten: 1) beginne nie ein Buch mit dem Wetter, 2) vermeide Prologe, 3) verwende nie ein anderes Wort als \u201esagte\u201c, um Dialoge zu transportieren. <strong>Andreas Winkelmann<\/strong>s <strong>&#8222;<\/strong><strong>Blinder Instinkt&#8220;<\/strong> beginnt (im Prolog) mit dem Sommerwetter, und auf den folgenden 400 Seiten kommt \u201esagte\u201c m\u00f6glichst selten vor, denn die Figuren machen alles m\u00f6gliche \u2013 murmeln, rufen aus, br\u00fcllen, beginnen, unterbrechen, keifen. Letzteres dann auch gern \u201eallzu lebendig\u201c, was gegen Regel # 4 verst\u00f6\u00dft. Leonards Regel # 5 \u2013 eisern \u2013 lautet: maximal zwei oder drei Ausrufezeichen pro 100.000 Worte, Winkelmann schafft l\u00e4ssig drei bis f\u00fcnf pro Seite, und Regel #6, gegen die zu versto\u00dfen schlicht und ergreifend hochnotpeinlich ist, lautet: \u201eVerwende nie das Wort <em>pl\u00f6tzlich<\/em>.\u201c Der Kombi-Versto\u00df gegen 5 &amp; 6 ist besonders unsch\u00f6n und geht so:<\/p>\n<p>\u201ePl\u00f6tzlich hinter ihm ein Ger\u00e4usch!\u201c<\/p>\n<p>Aber kritisch ist daran nur dies: Leonard, gro\u00dfer eleganter Meister des kriminellen Romans und weltweit gesch\u00e4tzt, hat in Deutschland nie sonderlich viele Leser gefunden. Winkelmann hingegen steht zirka auf Platz 1 der deutschen Bestsellerlisten. Merke also: Wer mit &#8222;Genre&#8220; in die Charts will, der meide Stil und handwerkliches K\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sowie Originalit\u00e4t, denn was Winkelmann in seinem \u201eThriller\u201c erz\u00e4hlt, ist blo\u00df wieder die gleiche Story wie immer, sinngem\u00e4\u00df: Ihr Nachbar, totalperversgest\u00f6rt, hat eine Menge Leichen im Keller, bevorzugt Kinder- oder Frauenleichen, und ein paar blasse Polizisten und Heimwerker werden ihn am Ende erledigen. Das kann man vermutlich problemlos beim B\u00fcgeln lesen, wenn einem resp. einer gerade nicht nach Lore-Romanen ist.<\/p>\n<p>Angehende Autoren merken sich aber, bitte: blo\u00df nicht schreiben lernen. Nicht mal von den gro\u00dfen Genre-Autoren. Stattdessen: Schlechte Groschenroman-Plot recyclen, mit Prolog im Sommer oder Winter anfangen, platte Dialoge mit reichlich \u201esagte sie mit beklommenem Unterton\u201c erkl\u00e4ren und<\/p>\n<p>Bitte!<\/p>\n<p>Die dauernden pl\u00f6tzlichen Ausrufezeichen!<\/p>\n<p>Nicht vergessen!<\/p>\n<address><strong>Leonard, Elmore: 10 rules of writing<\/strong>, 96 Seiten, Morrow 2007, ab ca. 13 \u20ac (aber auch kostenfrei und illustrationslos \u00fcberall im Netz)<\/address>\n<address><strong>Leonard, Elmore: Road Dogs<\/strong>, dt. bei Eichborn, 2010, 303 Seiten, 19.95 \u20ac<\/address>\n<address><strong>Winkelmann, Andreas: Blinder Instinkt<\/strong>, Goldmann 2011, 416 Seiten, 9.95 \u20ac<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verbl\u00fcffend &#8230; die ersten drei von Altmeister Elmore Leonards\u00a0&#8222;10 rules of writing&#8220; lauten: 1) beginne nie ein Buch mit dem Wetter, 2) vermeide Prologe, 3) verwende nie ein anderes Wort als \u201esagte\u201c, um Dialoge zu transportieren. 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