{"id":1631,"date":"2015-12-06T14:44:38","date_gmt":"2015-12-06T14:44:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1631"},"modified":"2015-12-06T14:44:38","modified_gmt":"2015-12-06T14:44:38","slug":"ruchmord","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1631","title":{"rendered":"Ruchmord"},"content":{"rendered":"<p>Nichts ist gef\u00e4hrlicher als Intelligenz ohne Moral \u2013 und Wolfgang Ullrich ist durchaus intelligent. Seine Anmerkungen zu <strong>Philipp Ruch<\/strong>s \u201e<strong>Wenn nicht wir, wer dann?<\/strong>\u201c habe ich allerdings nur gelesen, weil ich Ruch gelegentlich als kritisch zu pr\u00fcfenden Beitrag zur\u00a0 Frage \u201eWas wollen wir wollen?\u201c empfehle und darauf letzte Woche h\u00f6rte, <em>DIE ZEIT <\/em>(Ehrfurcht, mitschwingend) sei da aber entschieden anderer Meinung und Ruch &#8222;ein eitler Nazi, und seine Leser alle auch\u201c. So ger\u00e4t man also schon mittels Empfehlung eines lesenswerten Aufrufs zu mehr zuk\u00fcnftiger Menschlichkeit in ein braunes Hemd, da muss man dann sogar mal in die \u00f6de<em> <\/em><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2015\/48\/philipp-ruch-kunst-politik-manifest-antimodernismus\" target=\"_blank\"><em>ZEIT<\/em> schauen<\/a>, die Lieblingspostille der Erbengemeinschaft und h\u00f6heren Beamten. Dort schreibt: Wolfgang Ullrich.<\/p>\n<p>Geschickt. Denn \u201enoch\u201c steht Ruch ja gut da. Noch! Aber jetzt hat er sich entlarvt, der angeblich nur \u201eaggressive Humanist\u201c, denn das jetzt l\u00e4sst sich nachlesen, auf welchem \u201egeistesgeschichtlichen Fundament\u201c die Aktionen seines <em>Zentrums f\u00fcr politische Sch\u00f6nheit <\/em>stehen. Links jedenfalls nicht, das ZPS f\u00e4ngt sich gleich mal das Etikett \u201eSturmtruppe\u201c, die die gesamte Moderne \u201er\u00fcckabwickeln\u201c will. Oha. Dummerweise f\u00e4llt Ullrich nicht so recht ein, was grundverkehrt sein sollte an Ruchs Ziel, den Menschen wieder etwas unerkl\u00e4rlicher, sprich: selbstbedeutender zu machen. W\u00fcsste Ullrich irgendwas von der Moderne (oder h\u00e4tte er wenigstens Lanier gelesen), m\u00fcsste er sp\u00e4testens hier einr\u00e4umen, dass diese R\u00fcckbesinnung eben nicht \u201eantimodern\u201c ist \u2013 und eine faire Kehrtwende hinlegen. Tut er aber nicht, denn sein Ziel ist nicht Aufkl\u00e4rung, sondern Diskreditierung. Und die funktioniert nach dem demagogischen Lehrbuch eben weiterhin wie eh und je \u2013 indem man dem Vortragenden schwere charakterliche Defizite attestiert und ihn hernach sicherheitshalber auch noch zum Nazi macht.<\/p>\n<p>Ullrich kann das. Und scheut sich nicht, seine gelernten Kunstgriffe anzuwenden. Er attestiert Ruch schick redundant die Tods\u00fcnde Eitelkeit &#8211; in Verbindung mit Gekr\u00e4nktheit: \u201eGr\u00f6\u00dfensucht\u201c, \u201euners\u00e4ttlichen Geltungsdrang\u201c,\u201el\u00e4sst in seinem Manifest keinen Zweifel, dass er sich selbst f\u00fcr einen solchen ganz Gro\u00dfen h\u00e4lt\u201c und das \u201eVerlangen nach eigener historischer Bedeutung\u201c, das obendrein, \u201enur die Kehrseite der Kr\u00e4nkung (ist), die Ruch allseits empfindet\u201c. Stark. Ullrich scheut sich aber abschlie\u00dfend auch nicht, selbst Ruchs einfachste S\u00e4tze in ihr Gegenteil zu verkehren, denn es \u201ewird aber auch klar, dass seine Gedanken mehr um seinen Nachruhm als um das Schicksal von Fl\u00fcchtlingen kreisen.\u201c (Cool, dieses Gegensatzpaar! Hier! Hamma, Herr Ullrich!) Und: \u201eDie &#8222;wirklich wichtigen Fragen&#8220; lauten f\u00fcr ihn, so ehrlich ist er immerhin\u201c (Hahaha! Immerhin! Hier. Sonst nicht!) \u201eWof\u00fcr will ich einmal stehen? Welches ist die gr\u00f6\u00dfte Tat, mit der mein Name einst verbunden werden soll?\u201c.\u201c<\/p>\n<p>Na! So ein eitler Sack, der Ruch! Aber da fehlt was, n\u00e4mlich ein bisschen faire Anf\u00fchrung. Denn dies sind die Fragen, die nicht nur Ruch sich <em>selbst<\/em> stellt, sondern die er <em>jedem<\/em> empfiehlt \u2013 als Fragen <em>an sich selbst<\/em>. Womit er lediglich etwas verdammt Vern\u00fcnftiges empfiehlt und sich in bester Gesellschaft mit Harald Welzer befindet und dessen Jetzt-und-Hier-mit-Zukunftsblick-Erg\u00e4nzungsfrage f\u00fcr jedermann und frau: \u201e<em>Wer will ich gewesen sein<\/em>\u201c?<\/p>\n<p>Mei. Jeder Badeschwamm versteht, was Ruch und Welzer meinen. Ullrich versteht es auch. Er will es nur nicht lesen. Drum verkehrt er es zum Beleg f\u00fcr Ruchs gekr\u00e4nkten Geltungsdrang. So fehlt denn nur noch eins, und Ullrich l\u00e4sst auch das nicht aus: \u201ealtmodisch\u201c sei Ruch in Bildern und Vokabular, seine Metaphern \u201emartialisch\u201c, und als Beleg soll dienen (in einem Buch, das nicht versehentlich die Ideale der alten Griechen und der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung lobt): \u201eSo wundert man sich doch \u00fcber W\u00f6rter wie V\u00f6lker oder Abendland\u201c (aufpassen, jetzt): \u201ezumal Letzteres offenbar nicht in Abgrenzung zu Pegida reklamiert wird.\u201c Ah! B\u00e4m! Nazi? Richtig? Herr Ullrich? Gef\u00e4hrlicher, eitler, gekr\u00e4nkter Nazi, komm, r\u00fcck das Buch auch noch in die N\u00e4he von \u201eMein Kampf\u201c, assoziativ. Geht?<\/p>\n<p>Geht, abschlie\u00dfend: \u201eDas Manifest von einem, der mit aller Gewalt in die Geschichte eingehen will.\u201c<\/p>\n<p>Wow. Wer Ruch gelesen hat, wei\u00df, aus welcher Richtung Ullrich hier Bolzen schie\u00dft. Wer Ruch gelesen hat, widerspricht. Aber, keine Sorge, unter <em>Zeit<\/em>-Lesern wei\u00df Ullrich sich auf sicherem Terrain, wie die Mehrzahl der Kommentare zeigt, die im h\u00fcbschen Chor singen: \u201eIch schlie\u00dfe mich deinem Urteil an, <em>Zeit<\/em>, das ist wirklich ein ganz besonders schlechtes Buch! Bin ich froh, dass ich es nicht gelesen habe!\u201c<\/p>\n<p>Empfehlung? <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Wenn-nicht-wir-wer-dann-Ein-politisches-Manifest\/Philipp-Ruch\/e481916.rhd\" target=\"_blank\">Selberlesen<\/a>. Aber nicht Die ZEIT.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts ist gef\u00e4hrlicher als Intelligenz ohne Moral \u2013 und Wolfgang Ullrich ist durchaus intelligent. 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