{"id":1317,"date":"2014-06-08T11:06:02","date_gmt":"2014-06-08T11:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1317"},"modified":"2014-06-08T14:08:05","modified_gmt":"2014-06-08T14:08:05","slug":"zu-viele-gebratene-tauben-in-der-muttermilch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1317","title":{"rendered":"Zu viele gebratene Tauben in der Muttermilch"},"content":{"rendered":"<p>Verheerend, was Mythen und M\u00e4rchen so alles anrichten k\u00f6nnen. Da w\u00e4chst man unschuldig auf und verinnerlicht tief im infantilen Hirn die M\u00e4r von der Vertreibung aus dem Paradies, merkt sich aber nur \u201eSchlange\u201c und \u201eEva\u201c \u2013 um auch diese beiden sp\u00e4ter, als rationaler Erwachsener, ins Reich der Fabel zu verweisen. Der Subtext aber bleibt gespeichert, frei und sinngem\u00e4\u00df: Vorher, im Paradies, waren wir (= Gottesebenbilder) gl\u00fccklich und mussten nicht arbeiten &#8211; wir konnten einfach die von Gottvater exklusiv f\u00fcr uns erschaffenen Gaben von den B\u00e4umen pfl\u00fccken, wahlweise bereits gebraten verspeisen. Nicht mal hierzulande aufgewachsene Atheisten stellen diesen Kern der Fabel in Frage \u2013 man kann ja auch ohne Gebetbuch Rohkostler werden.<\/p>\n<p>Eine T\u00fccke hat das Ganze aber. Denn Obst und Gem\u00fcse k\u00f6nnen nicht lesen, wissen also gar nichts von der Ansage unseres Sch\u00f6pfers, dass sie uns nahrhaft zur Verf\u00fcgung zu stehen haben. Einige Gem\u00fcsearten machen aus ihrer gottlosen Legasthenie indes kein Hehl und werden regelrecht fies, wenn wir sie einfach so bei\u00dfen \u2013 die gemeine Kartoffel reagiert regbuchst\u00e4blich giftig, aus dem Konfirmationsunterricht w\u00fcrde die hochkant rausfliegen. M\u00f6hren hingegen sind offenbar milder veranlagt (auch wenn sie ihre wertvollsten Inhaltsstoffe erst hergeben, wenn wir sie schreddern und mit \u00d6l vermischen), w\u00e4hrend &#8211; immerhin &#8211; alles Obst der Ansage unseres Gottes offenbar klaglos folgt.<\/p>\n<p>Wer so was glaubt (ohne je dar\u00fcber nachgedacht zu haben), hat nicht nur ein gr\u00f6\u00dferes philosophisches Problem, die wahren Zusammenh\u00e4nge in Natur und Kosmos zu begreifen, sondern vermutlich auch echte Probleme, \u201egesundes Essen\u201c zu verstehen. Deshalb schreiben wir uns jetzt mal kollektiv hinter die L\u00f6ffel: <em>Keine Pflanze will von uns gegessen werden.<\/em> Oder, halt, doch! Obst will von uns gegessen werden, mit Kern, denn dieser Kern wandert durch unseren Darm und landet mit obstgeeigneter, uns entwendeter Nahrung (Darminhalt) auf fruchtbarem Boden, wo er sich erneut in eine Pflanze verwandeln kann. Das jedenfalls ist der Plan des Obstes. Deshalb macht es sich so verlockend bunt und buhlt um bl\u00f6de Fresser. Zum Gl\u00fcck hat sich in Obstkreisen bis heute nicht herumgesprochen, dass der Plan bei uns Menschen evolution\u00e4r gescheitert ist, seit wir nicht mehr an der frischen Luft unsere Notdurft verrichten. Sollte Obst das je mitbekommen und sich anpassen, h\u00e4tten wir ein echtes Problem &#8230;<\/p>\n<p>Aber nicht nur Obst ist egoistisch. Auch Paprika sch\u00fctzt sich gegen Fre\u00dffeinde wie uns. Und Getreide w\u00e4chst schon mal ganz und gar nicht, um uns zu dienen, sondern sch\u00fctzt sich mit feinen Haken und harten Schalen gegen jeden diesbez\u00fcglichen Versuch.<\/p>\n<p>Dass wir so schlau waren, in diesem Wettkampf mit Werkzeugen und Feuer die Verteidigungslinien der unwilligen anderen Arten zu durchbrechen, macht uns seit ein paar hunderttausend Jahren so erfolgreich. Wohl wahr. Man bedenke aber bei der Nahrungszusammenstellung und \u2013aufnahme ein zweites Naturgesetz: Was tot ist und auf den Boden f\u00e4llt, wird verstoffwechselt. Und zwar mittels der vier Elemente, angef\u00fchrt von Luft, vulgo: Sauerstoff. Sofern Sie je l\u00e4ngere Zeit eine Leiche bei sich im Garten liegen hatten, wissen Sie das aus pers\u00f6nlicher Anschauung: der Sauerstoff, zu Lebzeiten des Verblichenen essentiell dienlich, schaltet unmittelbar nach dem Ableben um auf Zersetzung. Bei Obst, Gem\u00fcse und Getreide macht er das allerdings genauso \u2013 und zwar gnadenlos. Schon ein verletzter Apfel wird umgehend vom Sauerstoff attackiert und zerlegt, wie wir an der braungef\u00e4rbten Hautreaktion der offenen Wunde sehen. Grunds\u00e4tzlich ist \u201eVerstorbenes\u201c daher binnen sp\u00e4testens zwei Tagen an der frischen Luft wirklich tot \u2013 und ungenie\u00dfbar. Komischerweise machen wir uns aber nie klar, dass dies auch f\u00fcr das st\u00f6rrische Getreide gilt. Und dass ein Getreidekorn wei\u00df, dass es tot ist, sobald man seinen Fettkeim schreddert. Zermahlen wird echtes Getreide daher binnen zwei Tagen \u2013 ranzig. Und ungenie\u00dfbar. Sprich: Vollkornmehl muss <em>direkt<\/em> und unmittelbar nach der Vermahlung mit anderen n\u00fctzlichen Substanzen vermischt und schleunigst bei hohen Temperaturen verbacken werden, um \u00fcberhaupt genie\u00dfbar (und im besten Sinn lebensspendend) zu sein. Und sp\u00e4testens weitere 5 Tage nach Anwendung dieses unseren feinen Tricks m\u00fcssen wir uns die Lebensenergie des Getreides komplett einverleibt und diese wieder selbst verstoffwechselt haben, denn nach 5 Tagen endet auch die Konservierungszeit mittels Backen \u2013 und vor uns liegt endg\u00fcltig ein harter, ungenie\u00dfbarer Klumpen toter Substanzen.<\/p>\n<p>Kein Problem \u2013 Sie verwenden ja Vollkornmehl aus dem Reformhaus? Denken Sie noch mal kurz dr\u00fcber nach &#8230; (und werfen Sie einen Blick auf das unm\u00f6gliche Haltbarkeitsdatum).<\/p>\n<p>(Fortsetzung folgt garantiert. Muss nur kurz an die Getreidem\u00fchle &#8230;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verheerend, was Mythen und M\u00e4rchen so alles anrichten k\u00f6nnen. 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