{"id":1127,"date":"2014-01-30T11:01:56","date_gmt":"2014-01-30T11:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1127"},"modified":"2014-01-30T17:23:10","modified_gmt":"2014-01-30T17:23:10","slug":"falschabbiegen-aus-der-lohnschere-fur-profis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=1127","title":{"rendered":"Falschabbiegen aus der Lohnschere (f\u00fcr Profis)"},"content":{"rendered":"<p>Frauen verdienen f\u00fcr gleiche Arbeit im Durchschnitt 22% weniger als M\u00e4nner. Das geht nat\u00fcrlich nicht. Schaut man etwas genauer in die Statistiken, ergibt sich allerdings beim Vergleich \u00c4pfel versus \u00c4pfel, dass Frauen bei ann\u00e4hernd gleichen \u201eKarrierewegen\u201c wie M\u00e4nner nur 2% weniger verdienen als die Konkurrenz mit Bart. Auch das geht nat\u00fcrlich nicht, kann hier aber zun\u00e4chst unter den Tisch fallen.<\/p>\n<p>Die 22% Differenz in der Gesamtbetrachtung ergeben sich, wen wundert\u00b4s, aus den \u201eunterbrochenen Karrieren\u201c der Frauen. Also jener, die Kinder bekommen und sich eine Weile um die k\u00fcmmern. Weshalb sie einige Gehaltserh\u00f6hungsrunden nicht mitmachen k\u00f6nnen. Das ist ein klassischer <em>No-Brainer<\/em>, unsere Antwort darauf ist allerdings noch erheblich hirnloser.<\/p>\n<p>Dr. Lieschen M\u00fcller leitet n\u00e4mlich aus dieser fraglos unfairen Diskrepanz eine nur scheinbar logische Konsequenz ab: M\u00e4nner und Frauen m\u00fcssen sich die Erziehung des Nachwuches teilen resp. die Kinder gemeinsam m\u00f6glichst schnell wieder loswerden und in Krippen unterbringen. So sind sowohl Mutter als auch Vater auf dem Karriereweg in gleicher Weise gebremst, f\u00fcr m\u00f6glichst wenige Jahre, und k\u00f6nnen danach im Gleichschritt die Gehaltserh\u00f6hungsrunden mitnehmen. Um am Ende, nach 30 Jahre Beruf, gleichbezahlt dazustehen.<\/p>\n<p>Klingt fair, ist aber totaler Quatsch. Denn beide stehen zwar auf diesem Weg am Ende fair gleichauf, aber eben auch <em>beide <\/em>22% unter der kinderlosen Konkurrenz. Kinder zu haben, ist nach der emanzipierten Reform also nicht mehr nur f\u00fcr die Mutter gef\u00e4hrlich teuer, sondern auch f\u00fcr den Vater.<\/p>\n<p>Da intelligente Menschen diesen Deppenzauber umgehend durchschauen, wird das Kinderkriegen f\u00fcr sie (auch und gerade durch \u201eElternzeiten\u201c) nicht interessanter, sondern uninteressanter. Dass gut ausgebildete Frauen unter diesen Umst\u00e4nden ebenso wie ihre M\u00e4nner auf Kinder verzichten, ungern, aber vern\u00fcnftig, versteht sich von selbst. Interessant bleibt die Aufzucht und Hege m\u00f6glichst vieler Kinder unter diesen Umst\u00e4nden nur f\u00fcr jene, die eben nicht gut ausgebildet sind (F\u00e4higkeiten als Eltern seien ihnen selbstredend ausdr\u00fccklich nicht abgesprochen).<\/p>\n<p>Das unmi\u00dfverst\u00e4ndliche Signal f\u00fcr die klugen 20% und die mittelm\u00e4\u00dfigen 40% (ich folge hier Welzers Theorem, und das gern) aber lautet: \u201eKinderkriegen wird bestraft\u201c, und entsprechend verhalten sich eben weite Teile der Bev\u00f6lkerung &#8211; vern\u00fcnftig. Sie leisten sich gegebenenfalls ein Einzelkind. Alles andere w\u00e4re \u00f6konomischer Bl\u00f6dsinn, siehe oben.<\/p>\n<p>Die Probleme, die sich daraus f\u00fcr die Einzelkinder sp\u00e4testens in 15 Jahren ergeben werden, sehen wir alle deutlich auf uns zukommen. Wir, die 64er, werden unter den Br\u00fccken eng zusammenr\u00fccken m\u00fcssen, die nachfolgenden Generationen landen vermutlich direkt im Flu\u00df.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung des Problems darf man Dr. Lieschen indes nicht verraten, denn Lieschen zieht bei solchen Wortmeldungen reflexartig eine verdammt gro\u00dfe Keule \u2013 und wo Lieschen hinschl\u00e4gt, w\u00e4chst kein Gras mehr. Drum, gef\u00fchlt kleingedruckt, im gro\u00dfen Chor: Wir Klugen m\u00f6chten nicht f\u00fcrs Kinderkriegen bestraft werden. Wir m\u00f6chten nicht am Ende unter die Br\u00fccke, w\u00e4hrend die kinderlosen Commerzbank-Zettelsortiererinnen auf der AIDA Cocktails trinken. Wir sind nicht selbstlos genug, um unser ganzes Leben zu opfern, damit <em>unsere<\/em> Kinder <em>euch<\/em> im Alter ern\u00e4hren (und eure Cocktails zahlen). Wir k\u00f6nnen rechnen.<\/p>\n<p>Ganz kleingedruckt? Ihr m\u00fcsstet nur aufh\u00f6ren, das Kinderkriegen unter Strafe zu stellen. Wertet es auf, indem ihr Rahmenbedingungen schafft, die kluge M\u00fctter und V\u00e4ter trotz der Karriereunterbrechung am Ende 2% <em>besser<\/em> stellt als die kinderlosen Karrierekonkurrenten.<\/p>\n<p>Und das nennt ihr \u201eHerdpr\u00e4mie\u201c?<\/p>\n<p>Ja. Nee. Ernsthaft: Keine Fragen mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauen verdienen f\u00fcr gleiche Arbeit im Durchschnitt 22% weniger als M\u00e4nner. Das geht nat\u00fcrlich nicht. 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