{"id":102,"date":"2011-02-13T18:18:21","date_gmt":"2011-02-13T18:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=102"},"modified":"2011-02-17T14:49:03","modified_gmt":"2011-02-17T14:49:03","slug":"miese-mitbringsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--erzhler-7wa.net\/?p=102","title":{"rendered":"Miese Mitbringsel"},"content":{"rendered":"<p>Zum feierlichen Essen eingeladen, bei Freunden? Besser nicht auf die Idee kommen, B\u00fccher von der nachfolgenden kurzen Liste als Gastgeschenke mitzubringen, denn von Foer bis Duve, von Tolle bis Naish gilt: Lesen ist Pflicht, Verschenken ein Affront.<\/p>\n<p>Duve und Foer, derzeit un\u00fcbersehbar, behandeln in <em><strong>Anst\u00e4ndig Essen<\/strong><\/em> resp. <strong><em><span style=\"color: #000000;\">Tiere essen<\/span><\/em><\/strong> das gleiche Thema; die Entscheidung \u201eWie h\u00e4tten Sie\u00b4s denn gern?\u201c f\u00e4llt nach pers\u00f6nlichem Geschmack. Duve d\u00fcrfte etwas massentauglicher sein, da sie ihren Selbstversuch auf dem Kenntnisstand eines fr\u00e4nkischen Fahrzeuglackierers beginnt und ohne gr\u00f6\u00dferen ethischen oder journalistischen Anspruch krachledern durchs Thema poltert. Das ist gelegentlich wirklich lustig und zudem volksnah anekdotisch, d\u00fcrfte also die \u201eFleisch ist mein Gem\u00fcse\u201c-Fraktion eher erreichen als Foers sch\u00f6ngeistiger Ansatz, und damit w\u00e4re ja der edlen Sache gedient. Von beiden. So oder so. Ich hab jedenfalls sowohl als auch mit Gewinn zu mir genommen. Sowie Genu\u00df. An neuen Erkenntnissen.<\/p>\n<p>Weshalb ich pers\u00f6nlich den ersch\u00fctternden Foer bevorzuge, hatte ich bereits letztes Jahr <a href=\"http:\/\/www.quintessenzen.net\/quintessenzen\/Navigator_Blog\/Eintrage\/2010\/1\/30_Tiere_Essen.html\" target=\"_blank\">kurz beschrieben<\/a>, \u00fcber mein schlechtes Gewissen wegen meiner folgenden sommerlichen Grill-Aussetzer schreib ich hier lieber nix. Ich wei\u00df, ich komme in die H\u00f6lle. Auch wenn ich nur noch h\u00f6chstens einmal die Woche Rinderfilet esse und sonst nichts ehemals Lebendes mehr, kein Huhn, kein Schwein, kaum einen Fisch, keine Wurst. Und Milchprodukte und Eier sowieso nicht. Keine Fertigwaren. Mein Kopfkissen und eine Bettdecke sind synthetisch. Meine Schuhsammlung ist weitgehend vegan. Aber das n\u00fctzt nat\u00fcrlich alles nichts, es bleiben noch ausreichend S\u00fcnden.\u00a0Andererseits &#8230; so bummelig 8 von 10 Geboten, hey, ist das nix!?<\/p>\n<p>Wie, Vergebung ist kein Kuhhandel?<\/p>\n<p>Auch nicht so toll als Mitbringsel macht sich <em><strong>David Servan-Schreibers Anti-Krebs-Buch<\/strong><\/em>, schon wegen des bedrohlichen Titels. Da n\u00fctzt n\u00e4mlich auch das Anti nichts, sogar ein negierter Krebs weckt unsch\u00f6ne Assoziationen. Es steht also zu bef\u00fcrchten, dass man das Buch erst auf dem eigenen Radar erkennt, wenn\u00b4s zu sp\u00e4t ist \u2013 man also selbst betroffen oder via Freunde\/Bekannte mit dem t\u00f6dlichen Thema konfrontiert.<\/p>\n<p>Was ein Jammer ist.\u00a0Denn tats\u00e4chlich leistet Servan-Schreiber eine Menge, denn sein Buch dient der Pr\u00e4vention. M\u00f6glicherweise sogar der von Krebs, erst recht aber der Pr\u00e4vention von allerlei anderen unsch\u00f6nen Krankheiten.<\/p>\n<p>Krankheiten?<\/p>\n<p>Man kann doch nicht gesunden Freunden ein Buch \u00fcber Krankheiten schenken.<\/p>\n<p>Aber vielleicht doch mal drauf hinweisen. Mit Appetizer: Macht auch schlank, das Buch. Wenn man\u00b4s nicht nur liest.<\/p>\n<p>Ach so, und <strong><em>John Naishs: Genug \u2013 Wie Sie der Welt des \u00dcberflusses entkommen<\/em><\/strong>; das hat mir ein Freund nicht neben den Teller gelegt, sondern ans Herz, nachdem ich mich als Freund und Verehrer von Meinhard Miegels <em><strong><a href=\"http:\/\/www.quintessenzen.net\/quintessenzen\/Navigator_Blog\/Eintrage\/2010\/5\/11_Mehr_Zukunft.html\">Exit<\/a><\/strong><\/em> geoutet hatte. Naish hat weniger Esprit, daf\u00fcr aber mehr Zahlen, und das hat durchaus seinen Reiz.<\/p>\n<p>Aber: Vorsicht. Sein Buch ist nicht nur kein Mitbringsel f\u00fcr den verw\u00f6hnten Allesverbraucher von nebenan, sondern erst recht keins f\u00fcr die Patenfamilie auf Haiti. Wer \u201eGenug!\u201c, \u201eExit!\u201c und \u201eKonsumstopp!\u201c f\u00fcr weltweit brauchbare Schlachtrufe h\u00e4lt, leidet an der galoppierender Egozentrik. Jener sollte daher dringend <em><strong>Eckart Tolles: Eine neue Erde <\/strong><\/em>geschenkt kriegen. Aber das kann man nun wirklich nicht machen. Da muss schon jeder selber drauf kommen.<\/p>\n<p>P.S.: Vergessen. <em><strong>Grimm<\/strong><\/em>. Hans-Ulrich. <strong><em>Die Ern\u00e4hrungsfalle<\/em><\/strong>. Das geht. Das kann man verschenken. Sofern der Gastgeber Anf\u00e4nger ist und nicht bereits den ganzen Schrank voll Pollmer-B\u00fccher stehen hat, in dem Fall schenkt man sich den Grimm dann doch besser ganz.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<address><\/address>\n<address><\/address>\n<address>Karin Duve: Anst\u00e4ndig essen (Galiani 2010, 335 S., 19.95)<\/address>\n<address>Jonathan Safran Foer: Tiere essen (Kiwi 2010, 399 S., 19.95)<\/address>\n<address>David Servan-Schreiber: Das Anti-Krebs-Buch (Kunstmann 2011, 399 S., 24.90)<\/address>\n<address>Hans-Ulrich Grimm: Die Ern\u00e4hrungsfalle (Heyne 2010, M\u00fcnchen, 528 S., 19.90)<\/address>\n<address>John Naish: Genug \u2013 Wie Sie der der Welt des \u00dcberflusses entkommen (Bastei, 304 S., 8.99)<\/address>\n<address>Eckart Tolle: Eine neue Erde \u2013 Bewusstseinssprung anstelle von Weltzerst\u00f6rung (Goldmann 2005, 320 S., 19.90)<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum feierlichen Essen eingeladen, bei Freunden? 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