The Bleeding Edge

Für Autoersatzteile gibt es strenge Zulassungsbestimmungen, bei Menschersatzteilen kann man darauf offenkundig verzichten. Verständlicherweise, denn so was hält ja nur auf. In „Rette sich, wer kann!“ habe ich bewusst auf die Betrachtung der organisierten Ersatzteilhersteller und Maschinenfabrikanten verzichtet, die sich Unmengen vergoldeter Pinocchio-Nasen verdienen mit ihrem fast völlig unregulierten Wahnsinn – verzichtet, weil die Mafia-Mechanismen von „Big Device“ die gleichen sind wie von „Big Pharma“, daher gewönne niemand ganz neue Erkenntnisse, zerlegte ich die Maschinenbranche gesondert. Ich empfehle aber ausdrücklich Dick Kirbys exzellente Netflix-Dokumentation The Bleeding Edge (USA 2018). Wer kein Bezahlfernseh mag, muss halt bei seinem „für-17,50-im-Monat-immer-ganz-spät-gratis“ ÖR-Streamingdienst warten, sollte sich aber vorher keine ganz neue hippe Kobalt-Hüfte einbauen lassen.
Die polyglotte Kalauerchance lasse ich schweren Herzens aus, unterstreiche dafür aber gern die Diagnose der NYT: „Indeed, the filmmakers aren’t shouting “Fire” in a crowded theater. For them and their subjects, the inferno has already occurred. Now they’re sweeping up the ashes, and warning of new blazes sure to come.“

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Sachdienliche Hinweise …

… gibt Ihre Polizeidienstleiterin gern heraus: Das ist doch mal ein Buch … über uns, also meine kleine Restfamilie und mich. Beziehungsweise über die Gründe, weshalb wir nur noch zu einem Drittel in Deutschland leben. Dazu sage ich gelegentlich noch etwas mehr, weil ich ja derzeit leider nicht darf, aber empfehlen darf ich. Nämlich die Lektüre von Petra Reichlings Tatort Schulhof. Der Untertitel ist vergleichsweise laut: Warum Schulen kein geschützter Raum mehr für unsere Kinder sind. Eine Kommissarin schlägt Alarm. Kommissarin Reichling schlägt aber gar nicht und ist auch nicht laut, sondern sachlich und zugleich empathisch. Was sie indes so sachlich und mitfühlend beschreibt, ist ein Desaster, das bislang nur unsere Kinder komplett zerstört (sofern diese von uns zu Anstand und Mitgefühl erzogen worden sind, die anderen 60-95% kommen ja offenkundig gut klar). Wir selbst kommen dann etwas später dran.

Kinderlose lesen das natürlich nicht, sollten sich aber dennoch klarmachen, jedenfalls als um 1964 herum geborene und bereits Richtung AIDA-Deck schielende lebenslang geburtenstarke Festangestellte („Yäy, der Olli sacht, die Renten sind sicher!“), dass diese hirn- und herzlosen Horden von heute 11jährigen Mobbern, bandenkriminellen Totschlägern und Gruppenvergewaltigern in bummelig 10 Jahren raus sind aus den Anstalten und dann entscheiden, was hier im real life „so läuft“. (Kleiner Mathetipp für Spätaufsteher: In 10 Jahren … was war da noch? So, Cocktail, Captain´s Dinner, Cocktail-Schirmchen? Helmchen nicht vergessen).

Aber gemach … Natürlich ist das alles kein Grund, sich mal gut sichtbar zu melden und zum Beispiel unserem nordkoreanischen Schulgebäudeanwesenheitszwangssystem (established 1938) gepflegt die Existenzberechtigung zu entziehen. Oder gar sonst irgendwas zu denken oder zu tun oder die Nase in die eigenen Angelegenheiten zu stecken. Es geht ja auch: Augen zu, denn dann sieht euch ja keiner.

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Burning down the house

Mir fehlt da was. Wasser fehlt mir natürlich auch, aber ich bin ja anders als meine Obstbauern-Nachbarn nicht existenziell komplett abhängig vom Regen. Mir fehlt was anderes, nämlich in der Debatte zwischen Klima-Verschwörungstheoretikern und Man-Made-Climate-Change-Leugnern …

Zulässig finde dabei allenfalls die Positionen a) „Es ist gar nicht wärmer geworden, also müssen wir auch nichts machen“ oder b) „Das lässt sich eh alles nicht ändern, wir sterben jetzt alle bald“. Wer indes meint, es sei doch etwas wärmer geworden und das sei gar nicht so gut, der hat sich nicht mit anderen Passanten zu streiten, ob diese feurige Erwärmung nun menschgemacht ist oder nicht, sondern hat sich zu fragen, was nun menschgemacht werden muss, um zu löschen. Es ist nämlich gerade ganz unerheblich, wer das Haus angezündet hat. Erheblich ist: Was machen wir denn jetzt?

So weit kommt´s aber gar nicht. Natürlich, weil das alles eine Zumutung ist. Nicht nur die Hitze. „Was machen wir denn jetzt?“ führt ja so oder so nur ins Verderben. Wir könnten uns müssten ja radikal umdenken, neu handeln, uns einschränken, den Kapitalismus abschalten etc. pp.. Das kommt alles nicht in Frage. Und geht ja auch gar nicht. Schon weil „die anderen“ ja nicht mitmachen. Die … alle. Die Koch-Brüder, die Ölmultis, und meine Nachbarn auch nicht.

Das aber bedeutet: Wir lassen das Haus einfach brennen, zoffen uns direkt vor der brennenden Haustür noch ein bisschen über die Frage, ob wir daran mitgewirkt haben, oder ob das nicht doch eher die Natur ganz allein war, oder Gottes Strafe oder Wasauchimmer. Wenn man Kinder hat, fällt solches Verhalten wohl unter „erweiterter Suizid“, Kinderlose sind diesbezüglich fein raus, also nur suizidal im Sinn von „Nach mir die Sintflut“. Beziehungsweise, mangels Regen, das Fegefeuer.

Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben. So wird´s doch stimmig: „Das lässt sich doch eh alles nicht ändern, also lasst uns noch alles austrinken und dann schnell sterben“. Das ist ehrlich. Und schon fehlt mir nichts mehr.

(Ach so, am Rande: 1) Ich hatte (2011, Die Prophezeiung) für 2020 nicht nur ein paar hundert Millionen Tote weiter südlich vorhergesagt, sondern dauernde Wärme und Regen im Norden. Sowie den iAm. Es ist zu früh, diese Prognosen als falsch vom Tisch zu wischen, gebt Apple und dem Klima mal noch 2 Jahre Zeit. 2) Die regelmäßige Bombardierung von Nordafrika durch uns, wegen der vielen Fluchtwilligen, hatte ich (1994, Sherman schwindelt) indes erst für 2025 beginnend prognostiziert. Warten wir´s mal ab.)

Weiterlesen: schöne frische Texte, empfohlen, weil sie ja auch netter sind als dieser, irgendwie … zu Heißzeit 1 und Heißzeit 2 (DW), zu „Big Oil“ (ThinkProgress), Öko-Ignoranten (Florian Kirner/Rubikon) und vergiftetem Klima (Dirk C. Fleck/Rubikon).

 

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MS für Selbstbewusste

Das Fiese an diesen Neurologen und ungeheuer erfahrenen Forenbewohnern ist ja, dass sie angesichts waghalsiger, selbstbestimmter Versuche wie meinem oder dem von Insa (siehe unten) in der Regel bl0ß irgendwas zwischen Mitleid und Verachtung in die Züge bekommen – wobei: Einige sprechen das „Wart´s nur ab!“ ja sogar aus. Denn das muss ja schiefgehen. Gefälligst.

Noch fieser ist allerdings, dass die Vollprofis alles Wesentliche wegmurmeln oder gar verschweigen. Nicht nur, dass man auch mit Basistherapie oder Monoklonalem Roulette MS-krank bleibt, sondern dass es – andere Hand – diverse „MS“-Diagnostizierte gibt, die nach einem Schub nie wieder einen haben. Sondern ihre Ruhe. Aber von denen spricht natürlich keiner. Die sucht auch keiner, um mal zu fragen „Wie konnte das passieren, dass Sie seit 30 Jahren unheilbar krank sind und nix davon merken?“ (Und, hey, diese Leute beschäftigen sich auch nicht mit MS, die sind nicht in Foren und nicht beim Arzt. Von denen stolpert höchstens mal eine/r zufällig zurück ins Thema, wenn irgendein Depp sich öffentlich outet und dann auch noch eine Plattform bastelt, auf der Platz für die ganz anderen Kurzdarstellungen gibt. (Gottseidank ist die Site komplett privat unterfinanziert und sehr schwer zu finden, da muss sich also niemand Sorgen machen).

Aber als ganz entschieden nichtfieser Nichtarzt finde ich die Idee richtig, sich erstmal umzusehen, was man oder frau denn sonst noch so machen kann – denn die Chemokeule läuft ja nicht weg, die kann man sich doch jederzeit per Fingerschnipp energisch übers Immunsystem ziehen*. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, der kennt sich da aus.

Aber vorher, bei Interesse oder frischer Selbstbetroffenheit, lesen: den frischen Bericht, die frischen Fragen und den frischen Mut von Insa S. (Danke fürs Teilen).

* Sicherheitshalber ergänzt … auch nach 20 Jahren Chemoballern fehlt IMHO jeder stichhaltige Beweis, dass MS (oder eine der 7 MSsen) überhaupt eine Autoimmunerkrankung ist. Falls jemand sich traut, seinen Neurologen darauf anzusprechen und die Antwort mitzuschreiben, freue ich mich über alle Zitate und sonstigen Hinweise.

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Zynbrita & Co.

… nachgereicht, schon Schnee von gestern incl. einiger Todesopfer, dennoch nicht egal, weil der von Kontraste im April dokumentierte Fall zeigt, wie hilfreich „Anwendungsbeobachtungen“ sind. Wenn auch nicht unbedingt für den Patienten.

Der Gesundheitsminister ist natürlich trotzdem voll dafür, und falls irgendwer die Abmoderation des Kontraste-Beitrages nicht richtig versteht: Natürlich kann man keinem Arzt irgendwas vorwerfen, der seine CIS-Patienten mit monoklonalen Antikörpern behandelt. Auch wenn die dann sterben. Es gibt ja eine neurologische Leitlinie, und an die hat man sich zu halten. (Weshalb die Leitlinie von unabhängigen Betrachtern als „verheerend“ eingestuft wird, erläutere ich gelegentlich noch mal en detail, das Kapitel ist ja fast fertig …). Der Kontraste-Beitrag diene also lediglich als kleine Hilfe für all jene, die mich mailisch fragen, ob sie „das“ (diverse hippe Medikamentennamen einsetzen) nun machen sollen oder nicht, also beim „klinisch isolierten Syndrom“ sofort mit Zynbrita und Co. loslegen, wie von den Neurologen dringend empfohlen.

Ich kann das nicht beantworten, ich bin ja kein Arzt. Aber es verbietet einem ja (noch) keiner, sich zu informieren und gegebenenfalls was total Verwegenes zu machen.

 

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Lappen und Blauspray

Ach, herrlich. Das muss ich doch jetzt rasch weitergeben, wohin auch immer, denn die Notaufnahmeschwester, frisch preisgekürt. hatte ich bis heute nicht auf dem Schirm. Dank der Krautreporter, die Schwesters schönen Text „Ihr Lappen!“ heute reproduzierten, habe ich also ab jetzt noch mehr Spaß an unserem Krankensystem (und, ja, ich komme nicht zum bloggen, weil ich bis über beide Ohren in diesem Buch stecke, das zum Jahresende erscheint, und, nein, „Schreiben kann doch jeder, lernt man ja in der Schule“ stimmt so nicht ganz, das ist Arbeit).

Die Notaufnahmeschwester macht aber nicht nur sehr viel Spaß, sie erklärt mir nun zwischen den Zeilen auch, wieso wir Deutschen eigentlich Arztbesuchsweltmeister sind (mit durchschnittlich! 18! Besuchen pro Jahr), denn es sind beileibe nicht nur die alten und gelangweilten Kassenverwöhnten, die wegen jedem Scheiß zum Arzt laufen und Antibiotika gegen Schnupfen fordern. Die Jungen sind ja offenkundig noch wesentlich verwackelter.

Ich nehme den Hinweis dankbar entgegen. Und wundere mich höchstens am Rande, dass er mich binnen zwei Tagen doppelt erreicht, von Leuten, die ich weder gerufen noch gefragt habe. Bestimmt ist das nur selektive Wahrnehmung meinerseits, aber heute ist´s die Schwester – nachdem gerade gestern mir der hiesige Schornsteinfeger (!) einen halbstündigen sehr interessanten Vortrag hielt über Ärzte, Antidepressiva, Krebs und Chemo, Verstand, Selbstheilungskräfte und die inzwischen ganz generelle Verpeilung der hiesigen Menschen – ich weiß also jetzt, dass der Gegenpol zu Schwesters „Lappen“ die Omma des Schornsteinfegers war, die auch kleinere Malaisen wie Enkels schwere Kopfwunden (Tischlerhammer reinbekommen) generell behandelte mit ordentlich Blauspray (Jod für Fortgeschrittene, fragen Sie Ihren Ironman oder Veterinär), einem gefalteten Küchentuch, Eis und „Mütze drauf“. Blöd nur, dass der Enkel danach bolzen ging, denn nach dem ersten Kopfballtorpedo musste er dann doch kurz zum Arzt.

Die „Lappen“ kennt aber auch der schwarzhumorige Glückbringer aus dem Alltag. Denn er begegnet an Haustüren zunehmend Kindern, die sagen „Ich darf Sie nicht reinlassen, Mama ist nicht da“. Was natürlich sehr vernünftig ist, wenn das Kind jünger ist als 10 Jahre. Die Kinder, die meinem Schornsteinfeger die Tür nicht aufmachen, sind allerdings zwischen 30 und Mitte 40, meist männlich (nicht falsch verstehen, bitte) und können sich augenscheinlich weder allein anziehen noch allein zur Sparkasse.

Fragt sich nur, wer sich um die kümmert, wenn Mutti das Zeitliche segnet. Alle in die Notaufnahme? Für immer? Da wird sich die Schwester aber freuen.

 

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Umzug nach SimCity

Wer von den positiven Effekten der „Verschenk-Ökonomie“ berichten will, kann dafür ja schlecht ein Honorar fordern … weshalb die angehängte Arbeit nicht in einem kostenpflichtigen Magazin erscheint, sondern gratis hier, und der Autor nichts dagegen hat, diese Arbeit weiterverbreitet zu sehen (die einzige Einschränkung, betreffend die externe Rechtslage, steht unten auf dem Titelbild des .pdf).

Aber wer den nachfolgend beschriebenen Spirit mag, kann dann ja immer noch ein Pfund Kaffee kaufen und das nicht dem Autor schicken, sondern irgendwem anders schenken, zu dessen Freude. Sofern dieser andere Kaffee mag; sonst: Grüntee.

(Sofern mich nicht alles täuscht, kommt dann ja trotzdem eine Tasse Kaffee bei mir an, auf überraschenden, unergründlichen Wegen …)

(Download als .pdf bei Klick auf den Titel)

 

The English version is here: Moving to SimCity (.pdf). Translated with a little help by my diligent, though occasionally still pretty simple-minded friend DeepL, it does not completely meet my standards (or my demands on myself), but I hope you will take into consideration as a mitigating factor that though I am a staunch supporter of the “gift economy” described here, my personal time is limited by factual constraints (more commonly known as “making ends meet”). Native speakers with a sense of beauty are cordially invited to suggest improvements.

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